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Neue Debatte über AfD-VerbotWüst will AfD-Verbot prüfen lassen

Der NRW-Ministerpräsident fordert eine Arbeitsgruppe zum AfD-Verbot. Der Publizist Michel Friedman fordert das Verbot, gerade weil die AfD jetzt so stark ist.

dpa/taz | Nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt beginnt eine neue Debatte um ein Verbot der rechtsextremen Partei. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) fordert eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD und möglichen Folgen. Der Publizist Michel Friedman erneuerte unterdessen seine Forderung nach einem AfD-Verbot.

Wüst hatte am Montagabend bei der Talkrunde „Missverstehen Sie mich richtig“ mit der Politökonomin Maja Göpel über ein mögliches AfD-Verbot geredet. Dort hatte er laut Medienberichten die Arbeitsgruppe ins Gespräch gebracht und betont: „Ich habe heute etwas gesagt, das hat öffentlich bisher, glaube ich, kein CDU-Mensch gesagt: dass ich dafür bin, diese Arbeitsgruppe einzusetzen, die diese Arbeit dann leistet.“

Wenn nach einer Prüfung auf dem Tisch liege, dass die AfD verboten werden könne, wird Wüst weiter zitiert, dann sei dieses Verbotsverfahren anzustrengen. Allerdings sei dies nicht schnell umsetzbar.

„Ich warne vor Schnellschüssen bei einem AfD-Verbot, denn das Verbot einer politischen Partei kann nur der letzte Weg sein, wenn wir unsere Verfassung schützen wollen“, sagte Wüst am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Aus Sicht des NRW-Regierungschefs sollten in der Arbeitsgruppe der Verfassungsschutz, aber auch Verfassungsrechtler und weitere Experten von Bund und Ländern beteiligt sein. „Es geht insgesamt um die Frage, wie der Staat verfassungsrechtlich mit einer Partei umgeht, die mindestens in einzelnen Bundesländern verfassungsfeindliche Ziele verfolgt“, so der CDU-Politiker.

Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von CDU-Politikern, die sich schon länger für ein AfD-Verbotsverfahren einsetzen. Einer war der Publizist Michel Friedman, der im Januar 2025 aber aus der Partei ausgetreten war, weil die Union im Bundestag bei einem Antrag für eine verschärfte Migrationspolitik auf die Stimmen der AfD gesetzt hatte.

Friedman für AfD-Verbot „spätestens jetzt“

Friedman untermauerte seine Forderung nach einem AfD-Verbot am Dienstag im TV-Sender Phoenix – gerade weil die AfD jetzt so stark geworden sei. Wenn die Partei bei nur 5 oder 10 Prozent stehen würde, wäre er dagegen, so Friedman. „Die Partei muss eine Machtposition entwickeln können, die, gekoppelt an der Verfassung, die sie vernichten will, und ihrer Gewaltbereitschaft, die nachweisbar ist, einen Antrag ermöglicht. Und das wäre jetzt spätestens der Fall.“

Das Grundgesetz sei eins der schönsten Bücher überhaupt, sagte Friedman. Und darin sei aus den Lehren des Nationalsozialismus „ausdrücklich die Frage eines Verbotsverfahrens in die Verfassung geschrieben“ worden.

Daher könne im Übrigen auch einzelnen Personen das Wahlrecht entzogen werden. „Herr Höcke ist ein Faschist. Warum soll er noch aktive und passive Wahlrechte haben?“, sagte Friedman mit Blick auf den Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke.

Die AfD wird bundesweit vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall beobachtet. Einzelne Landesverbände – darunter Sachsen-Anhalt – werden vom jeweiligen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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7 Kommentare

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  • economista

    Das AfD-Verbot müsste, wie bei der KPD, auch Nachfolger verbieten. Wie sollte das gehen ohne eine Liste von AfD-Positionen, die klar als verfassungswidrig einzustufen sind? Was im Gutachten des Verfassungsschutzes zusammengetragen wurde, sind oft nur Äußerungen einzelner Mitglieder und betreffen nicht das Parteiprogramm.

    Und was ist mit den möglichen Reaktionen von AfD-Wählern auf ein Verbot? Dass diese einfach wieder ihr Kreuzchen bei einer der Verbieter-Parteien machen werden, ist kaum zu erwarten. Eher schon sinkt die Wahlbeteiligung auf deutlich unter 50% und wer immer dann regiert, wird als weltfremder Spinner gelten. Viele einfache Handwerker, Industriearbeiter, Lastwagenfahrer könnten in den Bummelstreik treten oder einfach das Land verlassen. Im Jahre 1961 hat schon einmal jemand eine pragmatische Lösung gefunden für dieses Problem. Ich weiß nicht, ob wir uns dann nicht lieber mit der AfD auseinandersetzen und Kompromisse suchen.

  • elektrozwerg

    Zuerst muss man erstmal festhalten, dass die AFD es geschafft hat, so viele Nichtwaehler zu mobilisieren wie kein anderer. Das ist fuer sich genommen erstmal eine Staerkung der Demokratie.

    Was das Verbot betrifft, es war jahrelang Zeit dafuer. Nun gilt es abzuwarten und zu schauen, ob all die Prophezeiungen der Realitaet entsprechen und die AFD in S-A tatsaechlich das macht, was viele an die Wand malen.



    Das nicht mal abzuwarten, um wirkliche Belege fuer eine aktive Beseitigung des demokratischen Rechtsstaats zu haben, sondern 2 Tage nach der verlorenen Wahl den schlechtern Verlierer zu spielen indem man den Gewinner verbieten will, rettet nicht die Demokratie, es zerstoert sie.

    Ich vermute es wird ganz anders laufen. Die AFD wird gerade bei konservativen Muslimen eine Charmeoffensive starten, denn ohne diese werden sie nicht weit kommen. Schnittmengen gibt es reichlich. Man kann es in den letzten Tagen schon sehen wie die AFD betont, dass sie nichts gegen rechtschaffene Migranten hat, die hier Steuern zahlen und sich integrieren. Wenn sie das hinbekommt stehen ihr alle Tueren offen. Vielleicht ist die Angst vor solch einer Entwicklung der Treiber fuer Wuests Aktion.

  • Morrad Mo

    Das Verbotsverfahren soll also als Reaktion auf das schlechte Abschneiden der CDU bei der Wahl in S-A. kommen, oder wie darf man dieses Timing verstehen?

  • TerryX

    Hmmm, bei dem Stimmenanteil - wenn der (potenzielle) Schuß mal nicht nach hinten losgeht....

  • Dietmar Rauter

    Verbot ? Jetzt, wo wir noch gar nicht richtig verstanden hat, welche Motive die vielen AfD-Wähler überhaupt dazu gebracht haben, diese rechte Truppe mit dem smiley-Typen zu wählen. Wir sollten nicht ablenken davon, dass AUCH das Versagen der Anderen mindestens eine Rolle spielt, schließlich wird niemand als Faschist geboren (das ständige Wiederholen von Wagenknecht gestern bei Lanz ist da auch keine Rechfertigung für die BSW-Truppe) . Wir müssen uns fragen lassen, was die Leute umtreibt, die sich kein Auto leisten können und keinen HO-Laden mehr in ihrem Dorf haben geschweige denn eine Post oder Kneipe, in der sie neben Tiktok, Privatfernsehen oder AfD-Bratwurst noch Kontakte zur Außenwelt suchen könnten und kirchlicher Beistand allenfalls eine Trauerfeier ergänzt. Immer wieder ist davon die Rede: 'Wir haben leider zu wenige (z.B. SPD-) Mitglieder im Osten' . Es gibt viele, für die eine Veränderung wie Landflucht nicht (mehr) infrage kommt mangels Wohnraum in den Städten, für Ältere sowieso nicht und da darf es wirklich nicht wundern, wenn die AfD die Letzten sind, die noch so etwas wie ein (vergiftetes!) 'Kultur'-Angebot machen. 'Solidarität' von rechts ?

  • Klaus Waldhans

    Wüst und Friedmann haben recht. Aber schon vor ca 5 Jahren, als die AFD auf etwa 20% kam, hätte man schon solch eine Arbeitsgruppe einsetzen sollen, um ein Verbotsverfahren einzuleiten. Dann hätten wir heute wahrscheinlich diese Partei nicht mehr am Hals. Klar10-15% der Leute sind rechtsextrem, aber der Rest gibt seine Stimme dann demokratischen Parteien, wenn es keine adäquate rechtsextreme Partei mehr gibt.

  • Captain Hornblower

    Von einem Schnellschuss kann nicht mehr die Rede sein.



    Wer sich mehr als oberflächlich damit befasst kann zu keinem andern Schluss kommen.



    Es ist wichtig nicht auf die erste Reihe zuschauen.



    Die Leute die dahinterstehen sind die Gefährlichen.