Nachruf auf Rapper Sensational: Die Großen des Hip-Hops schätzten ihn sehr
Kompromisslos bis zum Schluss, war der Rapper Sensational ein genialer Brückenbauer, der auch gern mit Elektronikproduzenten arbeitete. Ein Nachruf.
Hip-Hop hat einen seiner großen Charismatiker verloren, Sensational, bürgerlich Colin Julius Bopp, ist tot. Geboren wurde er am 18. Oktober 1974 in New York. Sensational tauchte erstmals 1993 auf, als Featuregast für einen Track der Jungle Brothers, damals firmierte er noch unter dem Alias Torture.
Der Künstler flog damals noch ziemlich unter dem Radar. Mehr Aufmerksamkeit bekam er Ende der 1990er für seine Alben auf dem New Yorker Avantgarde-Hip-Hop-Label WordSound. Sein Soloalbumdebüt „Loaded with Power“ erschien 1997. Der Sound klingt nach einer Nacht in einem kleinen dunklen Zimmer, einem Vierspurtape und einem billigen Mikrofon direkt am Mund. Mit seiner LoFi-Ästhetik, fragmentierten Rhythmen und hingeworfenen und frickeligen Flows etabliert es Sensationals Stil. Ein Track darauf heißt passenderweise „Freakstyler“.
In dem sehenswerten Dokumentarfilm „The Rise and Fall of Sensational“ wird der Künstler porträtiert. Laut dem umtriebigen Bassisten und Produzenten Bill Laswell, der den Jungle Brothers und Sensational Zugang zu seinem Studio und seiner Plattensammlung gab, hatte der Rapper einen radikalen Musikgeschmack: Free Jazz, alter Blues, alles, nur eben fast nichts von dem handelsüblichen Funk, aus dem der meiste frühe Hip-Hop seine Inspiration und Samples bezog.
Ein gern gesehener Gast
Sensational war Produzent und Rapper, als Rapper aber war er wahrnehmbarer; seine markante nasale Stimme machte ihn unverkennbar, seine radikale Offness fanden die einen genial, die anderen stümperhaft, aber viele der Großen des Hip-Hops wie zum Beispiel der Produzent Prince Paul schätzten Sensational gerade deshalb sehr und luden ihn immer wieder als Gast ein.
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Sensationals Fangemeinde reichte weit über die Hip-Hop-Szene hinaus, wahrscheinlich wegen seiner Unkonventionalität. Seine Stimme ist in den Zehnerjahren auf experimentellen Elektronik- und Dancefloorplatten zu hören. Unter anderem hat er mit dem Elektronikproduzenten Kid606 gearbeitet und dem japanischen Illustrator Kouhei Matsunaga. Auf dem wunderbaren Album „Sensational Meets Kouhei“ sind zwei Remixe des britischen Elektronikduos Autechre zu finden. Eine ganze Reihe von jungen Non-Hip-Hop-Produzenten konnten sich für ihn begeistern.
Das viele Grasrauchen wird ihn sicher nicht stabiler gemacht haben, dann kam Crack, er flog aus seiner Wohnung, verkaufte sein Equipment, um Geld für Drogen zu bekommen. Er wurde wieder clean, blieb aber obdachlos. Trotz allem blieb Sensational immer ein Künstler, kompromisslos bis zum Schluss, mit allen existentiellen Härten, die so ein Lebensweg mit sich bringt.
Sein Tod wurde am 11. August gemeldet. Manche meinen, Sensational sei auf dem Olymp gewesen, um dann in die Hölle abzustürzen. Sicher ist: Wenn es einen Hip-Hop-Himmel gibt, dann ist Sensational jetzt dort. Als Rapper hat er gezeigt, wie weit Hip-Hop reichen kann. You are sensational. Rest in peace.
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