Klub-Weltmeisterschaft Ultimate Frisbee: Kampf um die Plastikscheibe
Frisbee ist schon lange eine ernsthafte, für ihr Fairplay bekannte Sportart. Zur WM in Irland wird nun gefordert, israelische Vereine auszuschließen.
Foto: foto2press/imago
Die älteren Leserinnen und Leser erinnern sich an sonnige Nachmittage im Park, an denen man sich auf einer Wiese eine flache Plastikscheibe zuwarf: das Frisbee. Aus dem anspruchslosen Freizeitvergnügen ist eine ernsthafte Sportart mit Weltmeisterschaften geworden. Die nächste Klub-Weltmeisterschaft finden dieses Jahr vom 15. bis zum 22. August im südwestirischen Limerick statt.
Mit dabei sind auch die beiden Berliner Teams „Wall City“ bei den Männern und „jinX midnight“ bei den Frauen. Beide gehören zur europäischen Frisbee-Elite, und beide sind im Verein Turngemeinde in Berlin 1848 organisiert, der seit 2002 eine eigenständige Ultimate-Abteilung unterhält, die mehr als 220 aktive Mitglieder zählt.
Woher der Name „Wall City“ kommt, ist offensichtlich. Aber „jinX midnight“? Eigentlich bedeutet das Wort „verhexen“, aber vermutlich ist der Name dem James-Bond-Film „Stirb an einem anderen Tag“ aus dem Jahr 2002 entlehnt. Darin taucht eine Giacinta Johnson auf, genannt Jinx und gespielt von Halle Berry. Sie ist eine US-amerikanische Geheimagentin der NSA, die sich mit Bond zusammentut. Doch ob der Name des Frisbee-Teams wirklich daher stammt, wissen selbst die Spielerinnen nicht, da die Namensgebung lange vor ihrer aktiven Zeit stattfand.
Die Sportart selbst entstand bereits 1968 in den USA. Seit den Anfängen hat Ultimate Frisbee zunehmend an Beliebtheit gewonnen und zählt mittlerweile Millionen von Aktiven. Bereits 1989 wurde die erste Weltmeisterschaften der Vereinsmannschaften ausgetragen. 1996 kam Ultimate Frisbee auch nach Irland und ist dort eine der am schnellsten wachsenden Sportarten. Weil der Begriff „Frisbee“ ein eingetragenes Warenzeichen des Spielzeugherstellers Wham-O ist, durfte der Sport ursprünglich nicht „Ultimate Frisbee“ heißen, sondern nur „Ultimate“. Erst 2024 wurde das Warenzeichen dann doch an die Ultimate Frisbee Association lizenziert.
Wie wird gespielt?
Die Teams bestehen aus sieben Spielerinnen und/oder Spielern, das Spielfeld ist 100 Meter lang und 37 Meter breit, also etwa so lang wie ein Fußball- oder Rugbyfeld, aber halb so breit, es weist an beiden Enden eine „Endzone“ auf. Die Teams werfen sich das Frisbee gegenseitig zu und arbeiten sich über das Spielfeld vor.
Einen Punkt gibt es, wenn jemand das Frisbee in der gegnerischen Endzone fängt. Man darf nicht laufen, während man das Frisbee in der Hand hält, und hat 10 Sekunden Zeit, es zu werfen. Wird das Frisbee abgefangen oder fällt zu Boden, kommt es zum Gegenangriff. Es ist ein rasanter Amateursport, selbst auf dem höchsten europäischen Level wird niemand für das Werfen der 175 Gramm schweren Scheibe bezahlt.
Ultimate Frisbee ist eine kontaktlose Sportart, es gibt keine Schiedsrichter. Der Schwerpunkt liegt auf Fairplay. Selbst auf höchstem Niveau wie etwa bei Weltmeisterschaften regeln die Spieler und Spielerinnen alle Regelverstöße untereinander. Kommt es zu einem Foul, besprechen die Beteiligten die Situation. Bei jedem Turnier wird ein „Spirit of the Game“-Preis an das Team mit dem größten Teamgeist vergeben. Nur selten kommen auch „Beobachter“ zum Einsatz. Sie können anbieten, einzugreifen, wenn keine Einigung unter den Beteiligten erzielt wird.
Debatte rund um die Teilnahme des israelischen Meisters
Im Vorfeld der diesjährigen Klub-WM hat die geplante Teilnahme eines israelischen Vereins an den Weltmeisterschaften in Limerick für Unruhe gesorgt. „Ranelagh Ultimate“, das mit acht irischen Titeln und einer europäischen Goldmedaille seit seiner Gründung im Jahr 2011 als erfolgreichster irischer Sportverein aller Zeiten gilt, veröffentlichte eine Erklärung, in der die Teilnahme von „New Age“, dem israelischen Landesmeister, abgelehnt wird.
Unter Hinweis auf die Gräueltaten in Gaza forderten die Dubliner die World Flying Disc Federation (WFDF) – die FIFA des Frisbee – auf, entweder alle israelischen Mannschaften von Wettkämpfen auszuschließen, bis „die anhaltenden groß angelegten Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht in Gaza eingestellt sind“, oder der Mannschaft eine neutrale Bezeichnung aufzuerlegen, um sicherzustellen, dass keine israelische Flagge gezeigt wird.
Das löste im Internet eine heftige Debatte über Sportboykotte aus: Befürworter lobten das Eintreten für die Menschenrechte, während Kritiker argumentierten, dass dadurch der inklusive „Spirit of the Game“ verletzt werde, da einzelne Sportler für die Politik ihres Landes bestraft würden.
Knapp eine Woche vor Beginn der Klub-WM hat die WFDF in der Sache noch nichts entschieden.
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