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Mord an Politikerin in GroßbritannienMit 21 Hammerschlägen getötet

In London wird Anklage gegen den mutmaßlichen Mörder der Politikerin Ann Widdecombe erhoben. Seine Täterschaft scheint sicher, sein Motiv noch nicht.

Mit 21 Hammerschlägen auf den Kopf wurde sie umgebracht. Die grausigen Details der Ermordung der 78-jährigen britischen Reform-UK-Politikerin Ann Widdecombe wurden am Dienstag bei der Anklageerhebung gegen den mutmaßlichen Täter bekannt.

Widdecombes Gärtner fand die 78-jährige Widdecombe am 9. Juli tot auf dem Boden der Küche ihres Hauses in Haytor Vale, einem kleinen Dorf in Devon, einen Tag nach ihrer Ermordung. Die Bluttat wurde zunächst von der Polizei als nicht politisch motiviert eingestuft, doch binnen weniger Tage änderte sich diese Einschätzung und der Fall wurde der Antiterroreinheit der Polizei übergeben. Politisch motivierte Attentate können nach britischem Recht als eine Form des Terrorismus gelten.

Widdecombe war jahrzehntelang eine profilierte Stimme im rechten politischen Spektrum Großbritanniens gewesen. Von 1987 bis 2010 saß sie für die Konservativen im Parlament, 1993 bis 1995 war sie Arbeitsministerin. 2019 schloss sie sich als überzeugte Brexit-Verfechterin dem Rechtspopulisten Nigel Farage an, erst in dessen Brexit Party und dann in der Nachfolgepartei Reform UK, deren Einwanderungs- und Justizsprecherin sie zuletzt war.

Der 28-jährige Joshua Kerry war laut Anklage über 400 Kilometer angereist, um sie zu töten. Die Überwachungskamera an Widdecombes Haus, wo sie allein lebte, zeichnete auf, wie er mit seinem Auto ankam und wie er mit Handschuhen und einem Hammer in der Hand das unabgeschlossene Haus betrat. Er soll Widdecombe, die gerade beim Mittagessen war, gefragt haben, ob sie Kreditkarten und ID bei sich hätte, bevor er sie mit dem Hammer angriff. Nach der Tat soll Kerry sein Opfer auf den Boden geschubst und ihren Geldbeutel an sich genommen haben. Insgesamt soll er sich nur zwei Minuten im Haus aufgehalten haben.

„Er war ein linksextremer Aktivist“

Kerry wurde aufgrund der Videoaufnahmen vor einer Woche in seiner Wohnung in Rotherham im nordenglischen Yorkshire festgenommen. Handschuhe und Hammer sowie Besitzgegenstände Widdecombes sollen von der Polizei in Kerrys Mülltonne gefunden worden sein.

Reform-UK-Parteichef Nigel Farage äußerte sich vor der Anklageerhebung überzeugt, dass der Täter aus politischen Motiven gehandelt habe. „Der Mordverdächtige war ein linksextremer Aktivist“, sagte Farage. „Er ging auf verschiedene Demonstrationen und hasste alle, die anders dachten als er. Er hatte seinen Hass auf mich mehrfach erklärt.“ In den sozialen Medien wird Kerry auf Grundlage von Fotos und Medienaktivitäten mit den Grünen und der linken Labour-Abspaltung Your Party in Verbindung gebracht; bestätigt ist das nicht.

Die Ermittlungen, ob tatsächlich eine politische Motivation vorlag, sollen derzeit noch weiterlaufen. Die Polizei gehe über 800 Hinweisen nach, hieß es. Niemand anderes als Kerry werde jedoch des Mordes verdächtigt. Er galt als unauffällig, eher scheu und bisher nicht als gewalttätig, hieß es vor Gericht. Er lebte allein, seit vor Kurzem sein Vater verstorben war.

Die Anklage wurde am Dienstag vom Amtsgericht Westminster an das zentrale englische Strafgericht Old Bailey weitergeleitet. Vor der Richterin beschrieb der leitende Staatsanwalt die Tat als im Voraus geplant und absichtlich auf Widdecombe abgerichtet. Kerry, in grauer Gefängniskleidung bekleidet und mit Vollbart, bestätigte einzig seine Identität. Der Prozess gegen ihn soll im Juni 2027 beginnen. Bis dahin wird Kerry in Sicherheitsverwahrung bleiben.

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