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Unpolitsiche WM-BilderVöllig losgelöst

Bei Magenta-TV wird rund um die WM-Spiele mit einer rosa Brille auf die USA geschaut. Wer etwas über das Land wissen möchte, ist hier fehl am Platz.

Windig ist es auf der Dachterrasse, von der aus die WM-Spiele für den WM-Sender Magenta-TV anmoderiert und ausgewertet werden. Moderatorin Laura Wontorra und Expertin Tabea Kemme müssen immer wieder ihre Haare richten. Von München aus fragt Jan Henkel, der Dauertaktikanalyst des Senders, ob er nicht ein paar Haargummis in die USA schicken solle. Nein, nein, nicht nötig, meint Wontorra und plappert gut gelaunt weiter mit ihrer Gesprächspartnerin. Es geht den beiden gut. So kommt das jedenfalls rüber aus New York, dieser tollen Stadt, mit dieser tollen Aussicht auf diese tolle Skyline, wie es immer wieder heißt bei den Übertragungen.

Ein paar Worte noch über das miese Spiel zwischen Ägypten und Australien, dann haben die beiden Feierabend. Wontorra freut sich, dass sie schon gleich herunterfahren kann mit dem Lift, um noch ein paar Eindrücke von der Parade zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der USA zu erhaschen. Toll, toll, toll. Wer die Moderationen vom Magentadach in New York verfolgt, dem wird ein Bild von den USA geboten, wie es unschuldiger nicht sein könnte. Trump? Aber nicht doch! Hier wird über Fußball geredet.

Und als einmal die Rede darauf kommt, dass viele Fans von der Elfenbeinküste nicht haben einreisen dürfen, labert Wontorra irgendwas von Ebola ins Mikrofon. Eine Karte von Afrika, die zeigen könnte, wie weit die Elfenbeinküste von den aktuellen Ausbruchsgebieten der Seuche entfernt liegt, scheint sie weder vor Augen noch zur Hand zu haben. Egal, Hauptsache, die Rede kommt nicht auf ICE und die willkürlichen Einreisebestimmungen der USA.

In der Abmoderation geht es kurz um das nächste Spiel an diesem Tag. Frankreich gegen Paraguay in Philadelphia. Brütend heiß soll es da sein. Ja, 40 Grad, aber alles halb so schlimm, das Gewitter, das angekündigt war, hat sich verzogen.

Auch die Kollegen in München, die nun mit der Moderation an der Reihe sind, gehen bestens gelaunt ins Spiel. Wer will sich schon mit ernsten Worten über den Klimawandel belasten? Niemand. Es will auch niemand erklären, wie es sein kann, dass die Fifa bei einer derartigen Bullenhitze spielen lässt. Nur wer wirklich nichts wissen will, was über das Spiel hinausgeht, wird sich von MagentaTV gut informiert fühlen. Mal sehen, ob Laura Wontorra morgen mit Haargummi moderiert.

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5 Kommentare

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  • Seit Donald Trump mutmaßlich Einfluss auf eine FIFA-Entscheidung genommen hat, kann auch MagentaTV den Elefanten im Porzellanladen nicht länger ignorieren.

  • Genau so soll es auch sein, ich will über den Sport informiert werden und kein Proseminar über polititsche Betroffenheit besuchen.

  • Genau deshalb ist Magenta so erfolgreich. Belehrungs- und Moral-TV mit staendigen Wiederholung von laengst bekannten Themen will halt keiner, wenns darum geht sich unterhalten zu lassen und Spass zu haben. Dafuer zahlen die Leute sogar drauf.

    • @elektrozwerg:

      Ist ein zweischneidiges Schwert, natürlich sind die diversen Themen bekannt, versaute FIFA, Klimawandel, der Irrwitz der US-Regierung, es soll bei Magenta TV vor allem ums Spiel gehen. Was auch okay, ist, allerdings trägt man durch bewusstes Ausblenden der problematischen Seiten der WM zur Selbstbeweihräucherung der US-Regierung und des Darth Vader der FIFA bei. Man stützt damit ein in sich korruptes System im Fußball und den USA. Sicher nicht nur super.

  • „Nur wer wirklich nichts wissen will, was über das Spiel hinausgeht, wird sich von MagentaTV gut informiert fühlen.“

    Stimmt genau.

    Aber warum sollte ich mir eine Sportsendung anschauen, wenn ich über Politik informiert werden möchte, zumal ich bei Magenta TV dafür zahlen muss und ich lieber einem Journalisten zuhöre, der mehr Fußball- als Politiksachverstand hat, als umgekehrt.