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Folgen von RattengiftFüchse, Habichte und Spatzen werden vergiftet

Spezielles Gift soll Ratten bekämpfen. Gegen die Nager hilft es jedoch oft nicht so gut, wie es soll – andere Tiere hingegen sterben.

Vergiftete Rattenköder dürfen künftig nur noch an Orten ausgelegt werden, an denen tatsächlich ein Rattenbefall festgestellt wurde. Das geben strengere Regeln für Rattengift vor, die zum 1. Juli in Kraft getreten sind. Da auch Wildtiere wie Spitzmäuse, Habichte und Füchse mit dem Rattengift in Kontakt kommen, warnen Umwelt- und Tier­schüt­ze­r*in­nen schon lange vor den Risiken des Rattengifts. Die jetzige Änderung sei richtig, aber nicht ausreichend, sagen sie.

Anton Friesen vom Umweltbundesamt (UBA) ist zuständig für die Bewertung des Umweltrisikos von Rattengift. Das Gift werde in Form von Ködern in Behältern platziert und „im Nahbereich von Menschen“ ausgelegt, sagt er – in Kellern, Wohngebäuden, Parks und an Ufern. Die Ratten würden an den Ködern knabbern und innerlich verbluten, bis sie schließlich sterben. Friesen stellt klar: „Es ist ein qualvoller Tod, der sich über mehrere Tage hinzieht.“

Das Gift und die qualvollen Folgen träfen über verschiedene Wege auch geschützte und gesundheitlich unbedenkliche Tiere wie Mäuse, Vögel und Füchse. Singvögel oder Waldmäuse würden die Köder fressen, wodurch das Gift zusätzlich in Nahrungsketten gelangt. „Sie werden dann wiederum von Vögeln oder Füchsen gegessen“, erklärt Friesen.

In Tieren an der Spitze der Nahrungsketten, wie zum Beispiel bei Habichten, reichere sich auf diese Weise immer mehr Gift an. „In Berlin waren über 80 Prozent der Habichte durch Rattengift belastet“, sagt Friesen und bezieht sich damit auf Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Das Gift wurde auch in Rotmilanen und Seeadlern weiträumig nachgewiesen. Kritisch sei dabei die Langlebigkeit des Gifts: Einmal in der Nahrungskette, verbleibe es dort sehr lange.

Spatzen sterben

Viele Spatzen würden sterben, weil sie die Giftköder für Futter halten, sagt auch Artenschützerin Caroline Seige vom Naturschutzverband NaturFreunde Berlin der taz. In Berlin seien deutliche Rückgänge von Spatzenkolonien dokumentiert worden, wobei sich das Ausmaß nicht durch Veränderungen im Lebensraum erklären lasse. Daher werde davon ausgegangen, dass die Vögel durch das Gift gestorben seien.

Wirksame Rattenbekämpfung funktioniert nur, wenn offene Abfälle konsequent beseitigt werden

Caroline Seige, Artenschützerin

„Boxen mit vergiftetem Getreide befinden sich in regelmäßig genutzten Lebensräumen und werden als Futterquellen identifiziert“, so Seige. „Und wenn ein Spatz Nahrung findet, ruft er seine Artgenossen heran.“ So würden ganze Spatzenkolonien sterben.

Gleichzeitig ist der dauerhafte Erfolg des Gifteinsatzes im Kampf gegen Ratten umstritten. „Man versucht seit Jahrzehnten, die Tiere damit zu bekämpfen, aber sie sind immer noch da“, moniert Friesen vom Umweltbundesamt.

Einige Ratten würden die Köder gar nicht fressen, weil sie schmackhaftere Nahrungsquellen wie Dönerreste oder Vogelfutter zur Verfügung hätten. Zudem „haben sie genetische Resistenzen gegen das Gift entwickelt“, sagt Friesen.

Den Ratten geht es zu gut

Bisher durfte in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei Lebensmittelbetrieben, Rattengift auch ohne nachgewiesenen Befall ausgelegt werden. Durch die Gesetzesänderung, die nun in Kraft getreten ist, fallen diese Ausnahmen weg. Mit der Verschärfung der Regeln wird eine EU-Verordnung zu Bioziden umgesetzt.

Das Verbot der sogenannten befallsunabhängigen Dauerbeköderung begrüßt Friesen: „Das ist längst überfällig.“ Mit der rein präventiven Ausbringung des Gifts habe man „für den Gesundheitsschutz keinen nennenswerten Mehrwert erzielt, aber ein Umweltproblem verschärft“. Artenschützerin Seige wünscht sich mehr: „Das Verbot ist wichtig, jedoch ist die Wirkung für Spatzen begrenzt.“ Solange das Gift im Lebensraum der Spatzen zugänglich ausliege, sei das Risiko, die falschen Tiere zu treffen, immer noch zu hoch.

Dass Ratten eingedämmt werden müssen, sei wegen des Infektionsschutzes notwendig, erklärt Friese. Aber wie können Ratten bekämpft werden, ohne andere Tiere zu gefährden? Unsere Städte seien für Ratten viel zu attraktiv, sagt Friesen: „Wir bieten ihnen eine Wohlfühloase“ – bei genügend Nistmöglichkeiten und Futterquellen würden sich Ratten allen Bekämpfungsmaßnahmen zum Trotz schnell vermehren. Artenschützerin Seige sieht das ähnlich: „Eine wirksame Rattenbekämpfung funktioniert nur, wenn die Ursachen konsequent beseitigt werden. Und das sind der zugängliche Müll und die offenen Abfälle.“

Um das in den Griff zu bekommen, „braucht es ein modernes und kommunales Müll- und Rattenmanagement“, betont die Tierschützerin. Wichtige Maßnahmen seien dicht verschließbare Mülltonnen und das digitalisierte Erfassen überlaufener Container, damit kein Müll mehr offen rumliege. Rattenbefall könne zudem digital erfasst und dann gezielt bekämpft werden. Außerdem sei Aufklärung wichtig: „Es muss verstanden werden, wie gefährlich dieses Gift ist.“

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