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Historischer WM-Erfolg für ParaguayEs war ein Fest

Paraguay besiegt Deutschland mit 3:2 im Elfmeterschießen und steht im Achtelfinale der WM. Der Sieg war der gerechte Lohn für hohe Verteidigungskunst.

Gewiss, Deutschland hat verloren. Und ja, es gibt viel zu besprechen nach diesem bescheidenen Auftritt der Deutschen in diesem Sechzehntelfinale gegen Paraguay. Was dabei im Land der Loser bisweilen untergeht: Das Spiel hatte nicht nur einen Verlierer, es hatte auch einen Sieger. Und was für einen! Was das Team aus Paraguay an diesem Montag in Boston gezeigt hat, war derart herausragend, dass man ihm für seinen Auftritt im Spiel gegen Deutschland einen prominenten Platz in den Annalen des Fußballs reservieren sollte.

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Die taz bei der Fußball-WM

Der Ball ist rund und die taz ist ihm dicht auf den Fersen. Unsere Reporterin Alina Schwermer ist auf einem Roadtrip (meist) per Bus und berichtet in Reportagen und in ihrem Blog – manchmal auch aus den Stadien, aber noch viel öfter über alles drumherum. Alle Spiele werden von ausgeschlafenen tazler:innen für Sie hier in „Alle Spiele“ kurz zusammengefasst. Dann gibt es das ganz geheime Tagebuch von Fifa-Dingsbums Gianni Infantino. Und alles andere rund um die WM finden Sie hier.

Wie es dem dichten Abwehrbollwerk gelungen ist, dem deutschen Angriffsspiel beinahe jede Energie zu entziehen, ist feinste Verteidigungskunst. Sollen sie doch kommen, mögen sich die Spieler aus Paraguay gedacht haben, und erlaubten es den ratlosen Deutschen, um ihren Abwehrblock herumzuspielen, ohne auch nur einen Meter herauszurücken, ohne sich ein einziges Mal provozieren zu lassen, ohne ein einziges Mal die Konzentration zu verlieren.

Schon mal etwas von Junior Alonso gehört? Von José Canale, Gustavo Gómez oder Juan José Cáceres? Sie haben die Viererkette gebildet, an der die deutschen Angreifer ein ums andere Mal abgeprallt sind. Zusammen haben sie einen Marktwert von etwa 12 Millionen Euro, wenn man die Angaben einschlägiger Portale mittelt. Für diese Summe würde sich der deutsche Kapitän Joshua Kimmich wahrscheinlich nicht die Fußballstiefel schnüren. Er soll beim FC Bayern München mindestens 20 Millionen Euro im Jahr verdienen. Noch Fragen?

Hätten die Paraguayer einfach munter mitspielen sollen mit den fußballerisch überlegenen Deutschen?

Ja, man mag fies finden, dass sich von Beginn an immer wieder ein Spieler von Paraguay mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen gewälzt hat, um Zeit zu schinden. Dafür gibt es Regeln. Wenn der Schiedsrichter nichts unternimmt gegen diese Art des Zeitspiels, ist es einfach nur intelligent, sich regelmäßig auf den Rasen zu legen. Hätten die Paraguayer einfach munter mitspielen sollen mit den fußballerisch überlegenen Deutschen? Nein, so blöd waren sie nicht.

„Heute war es eine Polka“

Ein Team wie Paraguay muss reagieren. Agieren mussten die Deutschen. Gustavo Alfaro, Paraguays argentinischer Trainer, hat das nach dem Spiel so ausgedrückt: „Wir müssen nach der Musik tanzen, die für uns gespielt wird, also machen wir uns bereit. Mal ist es eine Cumbia, mal ein Tango, mal eine Rumba. Heute war es eine Polka.“ Und so haben sie mitgetanzt in jenem volkstümlichen Zweivierteltakt, den die Deutschen Stehgeiger vorgegeben haben. Es war eine Symphonie der Verteidigungskunst.

Keinem Zweikampf aus dem Weg zu gehen, gehört da zum Instrumentensatz. Dass Paraguay die meisten davon gewonnen hat, gehört zur Geschichte dieses Spiels, auch wenn sie hart geführt werden. Doch Foulspiel ist es nur, wenn der Schiedsrichter pfeift. Das hat er nicht immer getan, wenn ein Deutscher das gefordert hat. Auch das gehört zur Spielintelligenz des Teams aus Paraguay. Sie haben die Linie verstanden, die der Schiedsrichter Jalal Jayed vorgegeben hat. Dass der robuste Abräumer Matías Galarza in der Verlängerung erst in der 118. Minute die gelbe Karte gesehen hat, darf man getrost als Kunststück bezeichnen. Er wusste immer ganz genau, wie weit er gehen kann.

Tore aus beinahe nichts gemacht

Ein Hohelied der Lobpreisung haben sich auch Paraguays Vorzeigeoffensive Miguel Almirón und Julio Enciso verdient. Aus beinahe nichts ein Tor zu machen, schaffen nur Kicker mit dem perfekten Auge für die Situation. Wie, um alles in der Welt hat jener Almirón da nur Galarza auf dem Flügel entdeckt? Und wie ist es Enciso vor seinem Tor nur gelungen, sich im deutschen Strafraum gleich ein paar Quadratmeter Platz zu verschaffen? Kunst kommt von können, sagt man. Ja, die Paraguayer konnten wirklich viel an diesem Tag.

Und dann war da ja noch Orlando Gill, jener baumhohe Torwart, der fast jede der über 50 Flanken, die in seinen Strafraum geflogen sind, abgefangen hat. Den Ausgleich der Deutschen konnte er nicht verhindern. Und dass der VAR ein Foul an ihm gesehen hat, sodass Jonathan Tahs vermeintliches Tor zurückgenommen werden musste, dafür kann er nun wirklich nichts. Dass er den Kontakt, den Waldemar Anton ihm gegeben hat, dankend angenommen hat, auch das ist Ausweis höchster Spielintelligenz.

Natürlich wird er wegen seiner zwei verrückten Elfmeterparaden im finalen Shootout in seiner Heimat noch lange gefeiert werden. Vor allem bei ihm dürfen die Pa­ra­gu­aye­r:in­nen über einen spontan ausgerufenen Feiertag bedanken. Und in der Tat: Das Spiel des Teams aus Paraguay, es war ein Fest.

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4 Kommentare

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  • Völliger Nonsens! Das was Paraguay da bietet hat nichts mit Fussballspielen zu tun, geschweige denn mit Kunst. Tiefer Block und vorne hilft der liebe Gott. Bitter das die deutsche Mannschaft hierfür keine Lösungen hatte; keine Kreativität, keine Geschwindigkeit, keine basics wie Hinterlaufen oder schnelles one-touch-passen-laufen-Spiel über den dritten Mann.

  • Es positiv sehen heißt sich auf weniger Gehupe, weniger Fußball-Artikel generell, weniger Gruppengrölen zu freuen.

    Und Paraguay hat wie beschrieben sehr viel richtig gemacht, während ein Landsberg-Mäxchen sich aufpustete.

  • Reine Spielintelligenz sich als Torwart bei einer Ecke hinfallen zu lassen und darauf zu hoffen, dass der VAR eine Fehlentscheidung trifft und das Tor aberkennt. Warum hat er das nicht bei allen 16 Ecken gemacht? Ich sehe da kein Risiko.

  • „Das Spiel des Teams aus Paraguay, es war ein Fest." - Leider habe ich das Spiel nicht gesehen.