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Erdbeben in VenezuelaHäuser und Staat liegen in Trümmern

Die Reaktion der venezolanischen Behörden auf das Erdbeben zeigt, wie unfähig der Staat inzwischen ist.

Der Umgang von Regierungen mit Naturkatastrophen kann ihr Schicksal wenden. Handelt sie entschlossen im Sinne der Menschen, bringt das Anerkennung, geht sie auf die Bedürfnisse nicht ein, stürzt sie.

In Venezuela offenbart die Situation nach den beiden aufeinanderfolgenden Erdbeben vom Mittwoch eine schmerzhafte und ernste Realität: Die von Delcy Rodríguez geführte Regierung lässt die Bevölkerung genauso schutzlos, wie es seit Jahren erleiden.

„Wir sind auf uns allein gestellt. Hier ist niemand gekommen“, sagen die Bewohner von La Guaira, dem Epizentrum des Erdbebens, wo mehr als 100 Gebäude eingestürzt sind und die überlebenden Anwohner die Sucharbeiten nicht eingestellt haben, um Überlebende zu retten.

Alle, die helfen, sind einfache Bürger, die eigenständig Konvois organisiert haben, um Lebensmittel und Werkzeuge zu transportieren und Verletzte in Versorgungszentren zu bringen.

Plündernde Polizeibeamte

Jeder Bericht bestätigt eine Tatsache: Es gibt keinen Militäreinsatz zur Unterstützung. Es gibt Videos, die belegen, dass Polizeibeamte an Plünderungen beteiligt waren.

Die chavistische politische Kraft ist nicht präsent, und die Opposition stößt an Grenzen. Es gibt betroffene Gebiete, die völlig ohne Hilfe sind. Und die wenigen lokalen Rettungskräfte verfügen nicht über die notwendigen Hilfsmittel, um die Rettungsarbeiten zu beschleunigen.

Der politische Analyst Luis Peche Arteaga sieht es ganz klar: „Für Delcy Rodriguez ist das ein gefährlicher Punkt politischer Instabilität (…), denn letztendlich werden die Grenzen des regierenden Chavismus bei der Lösung alltäglicher Probleme auf sehr drastische Weise deutlich.“

Der Experte spricht nicht von den Maßnahmen in den ersten Stunden nach dem Erdbeben, die er allerdings als unzureichend erachtet. Er bezieht sich auf die gesamte Handlungsstrategie, die die Übergangsregierung danach umsetzen könnte.

„La Guaira liegt eine Stunde von Caracas entfernt, und der Staat hat es nicht geschafft, dorthin zu gelangen. Das sind Einschränkungen, die die Ablehnung durch die Bevölkerung noch verstärken. Die Beziehung des Chavismus zum Volk ist zerbrochen.

Es herrscht ein Gefühl der Ablehnung und des Hasses gegenüber dem gesamten Prozess, der im Zuge der gefälschten Präsidentschaftswahl vom 28. Juli letzten Jahres einsetzte“, betont er.

Die Unzufriedenheit ist öffentlich

Der Zerfall des sozialen Gefüges, von dem Luis Peche spricht, vertieft sich in diesem Zusammenhang. Die allgemeine Unzufriedenheit ist öffentlich: In den sozialen Netzwerken reißen die Vorwürfe nicht ab, dass beispielsweise Staatsbeamte Sammelstellen gestört hätten, wo Bürger selbstorganisiert Hilfsgüter zusammentragen.

Auch direkte Opfer des Erdbebens haben bestätigt, dass Polizeibeamte in La Guaira keine Hilfe leisten wollten, als sie ausdrücklich darum baten: „Sie haben nur gelacht und uns allein gelassen.“

„Wir haben nur noch uns selbst“

Vor diesem Hintergrund – einem Erdbeben, wie es das Land seit 100 Jahren nicht mehr erlebt hat – kommen die Venezolaner in Venezuela und im Rest der Welt zu demselben Schluss: „Wir haben nur noch uns selbst.“

Für diejenigen, die den Notstand hautnah miterleben, ist die einzige politische Diskussion die kollektive Kritik an der Politik des Chavismus, und sie tun dies anhand der Vorgeschichte: der Bewältigung der letzten beiden großen Erdrutsche im zentralen und westlichen Teil Venezuelas, 2022 in Aragua und 2025 in Mérida.

„Weder die Opposition noch die Regierung haben mit so einem starken Erdbeben gerechnet“, betont Luis Peche.

„Was jetzt geschieht, bietet einen Maßstab, um zu beurteilen, inwieweit der Staat in der Lage ist, sich zu verteidigen, und inwieweit die Opposition in der Lage ist, Kontrollfunktionen auszuüben, ohne den Anschein zu erwecken, als würde sie versuchen, aus einer menschlichen Tragödie politisches Kapital zu schlagen“, analysiert Luis Peche, der selbst im kolumbianischen Exil lebt und dort 2025 fast einem Attentat zum Opfer fiel.

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María Corina Machado, die führende Oppositionspolitikerin, hat den Opfern ihr Beileid ausgesprochen, und ihre politische Organisation „Vente Venezuela“ hat Sammelstellen eingerichtet.

Edmundo González, der laut Bürgerauszählung die Wahlen von 2024 gewonnen hatte und jetzt im spanischen Exil lebt, bat die Behörden anderer Länder um technische und medizinische Unterstützung.

„Ich glaube, es gibt Länder, die Beziehungen zu Delcy aufbauen wollten, und dies gibt ihnen die Gelegenheit, dies schneller zu tun. Und darüber hinaus braucht Venezuela jede nur mögliche Hilfe“, erklärt er.

Kann Venezuela auf irgendetwas hoffen? Luis Peche gibt seine Einschätzung: „Man wird sehen, welche Grenzen Delcy Rodríguez bei der Ausübung ihres Amtes als Interimspräsidentin hat. Aber wir erkennen das Erbe des Chavismus, nämlich ein zerstörtes Land, in dem seit mehr als zwei Jahrzehnten keine Politik für das Gemeinwohl mehr betrieben wurde.“

Unterdessen mobilisieren sich die Venezolaner erneut auf zivilgesellschaftlicher Ebene, um das Problem anzugehen: Tonnen von Trümmern wegzuräumen, unter denen Menschen noch immer um Hilfe rufen, und Leichen zu bergen.

Die venezolanische Autorin arbeitet für mehrere unabhängige Medien in Venezuela und ist derzeit mit einem IJP-Stipendium bei der taz zu Gast.

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