Nach Auftakt der Fußball-WM: Von allerlei Karten und Blockaden
Mexiko bleibt nach dem Auftakterfolg seiner Auswahl in WM-Stimmung. Auch die kleinsten Proteste werden von der Polizei vom Stadion ferngehalten.
D er Ball rollt. Und am Ende war es ein Auftakt halbwegs nach Plan für diese protestumwehte WM. Gastgeber Mexiko gewann in einer zähen Partie standesgemäß mit 2:0 gegen Südafrika, die Stimmung im Land ist also vorerst gesichert – zumindest für die, die die Heim-WM feiern.
Eher fürs Kuriositätenkabinett waren die drei Roten Karten, zwei davon spät und folgenlos für den Ausgang. Indes war es den Organisator:innen in Mexiko-Stadt gelungen, die Proteste aus der Zivilgesellschaft größtenteils vom Stadion fernzuhalten. Freilich zum Preis eines gigantischen Polizeiaufgebots und völligen Verkehrschaos in der Hauptstadt. Nein, unsichtbar war der breite Widerstand nie.
Schon am frühen Morgen herrschte rund ums Stadion Stillstand; auch, weil viele Anti-WM-Demos aufgrund der gesperrten Stadionzone auf große Kreuzungen der Hauptstadt ausgewichen waren und den Verkehr blockierten. Die Sperrzone kam nicht ohne Grund. In den Tagen zuvor hatte es Massenproteste rund ums Aztekenstadion gegeben. Tausende protestierende Lehrer:innen etwa blockierten am Dienstag die Stadionzufahrt; am Mittwochabend demonstrierten die Madres Buscadoras, die Mütter der Verschwundenen. Die Polizei soll einige verletzt haben. Weil niemand solche Bilder zur WM produzieren wollte, blockierten 5.000 Sicherheitskräfte die Straßen.
Viele Fans waren schon morgens um 7 Uhr Ortszeit in Richtung Arena unterwegs. Die Haltestelle Aztekenstadion war gesperrt, ein gepanzerter Militärwagen reihte sich an den nächsten. Das führte zu bizarren Bildern: Folklore-Gruppen, die sich auf ihren Auftritt vorbereiteten und ihre Instrumente einspielten, nur wenige Meter entfernt von einzelnen Protestierenden, die es in die Sicherheitszone geschafft hatten.
Strenge Polizeibeamte
Eine war Monserrat Lozano aus Chiapas, die mit einem Plakat auf den Femizid an ihrer Tochter aufmerksam machen wollte. „Ich bin hier, um Gerechtigkeit zu fordern“, sagte sie. Ihre Tochter sei im April ermordet worden. „Wir wollen die internationale Aufmerksamkeit rund um die WM nutzen.“ Direkt nach unserem Gespräch wurde sie von einer Polizistin aufgefordert, das Banner einzurollen.
Im Stadion herrschte schon Stunden vor Spielbeginn Party, ein Meer an Menschen in grünen Trikots feierte die Rückkehr der WM nach Mexiko. So fiel es schwer, sich der Magie zu entziehen, den kunstvoll verkleideten Menschen mit Mottos von Día de los Muertos über Lucha Libre bis Frida Kahlo. Sie alle erlebten eine zufriedenstellende Partie.
Wie weit es Mexiko im Turnier schaffen kann, schwer zu sagen angesichts der Schwäche von Südafrika. Zeitweise sah das gefällig aus, was die Mexikaner spielten. Aber wie wird es gegen ein Team aussehen, das einen strukturierten Angriff aufbauen kann? Diese Frage beantwortete die Eröffnungspartie nicht. Und dass Südafrika nach einer bizarren Roten Karte ab der 49. Minute in Unterzahl spielte, half auch nicht. So bestätigte sich manche Befürchtung in Bezug auf Qualitätsunterschiede bei dieser 48-Teams-WM.
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Für die größte Euphorie sorgte ein Einwechselspieler: Der erst 17-jährige Gilberto Mora, jüngster Spieler der WM, bekam ekstatische Sprechchöre. Eine Hoffnung für die Zukunft, wenn man schon nicht so genau weiß, wie die Gegenwart aussieht.
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