Ägyptischer Autor Ahmed Naji: „Bei Konflikten geht es oft auch um natürliche Ressourcen“
Für seinen Zukunftsroman über Kairo wurde der Journalist und Autor Ahmed Naji in Ägypten inhaftiert. Heute lebt und arbeitet er in den USA.
In seinem Roman „Using Life“ entwirft der Autor Ahmed Naji eine Utopie der ägyptischen Hauptstadt Kairo, die, nachdem sie von einem „Wüstentsunami“ unter Sand begraben wurde, dank technischer Innovationen und der Fortbewegung per Wüstenschiffen wieder zu Leben erwacht. Im Jahr 2015, ein Jahr nach der Veröffentlichung des Romans, wurde Kairo von einem außergewöhnlichen Sandsturm heimgesucht, und die ägyptische Regierung kündigte ihren Plan zum Bau der neuen Verwaltungshauptstadt an. Doch anstatt sich mit den in seinem Roman dargestellten Visionen auseinanderzusetzen, wurde Naji wegen „Verstoßes gegen die öffentliche Sittlichkeit“ in seinen Schriften zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung wanderte er in die Vereinigten Staaten aus, wo er bis heute lebt und arbeitet.
taz: Herr Naji, inwiefern kann literarische Vorstellungskraft dabei helfen, die Zukunft zu gestalten?
Ahmed Naji: Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen. Als der ehemalige ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser Mitte des vergangenen Jahrhunderts das Ideal eines Dorfes entwerfen wollte, war einer seiner Berater der Science-Fiction-Autor Nihad Sharif. Politische und literarische Zukunftsszenarien beginnen immer mit der Frage: Was wäre, wenn?
Wie die arabische Welt der Zukunft begegnet
Im Jahr 2050 droht der Region der Klimakollaps. Gibt es nur noch Hitze? Oder auch Hoffnung? 25 Journalistinnen aus 16 arabischsprachigen Ländern haben im Rahmen des zweijährigen Projekts MENA Green Panter (2024–2026) der taz panterstiftung erfrischende Antworten erarbeitet. Am 17. Juni 2026 findet der taz panter talk in Berlin dazu. Eine Podcastfolge dazu gibt es im Format Freie Rede. Alle Texte, die im Rahmen dieses Projektes erschienen sind, können Sie hier lesen.
taz: In Ihrem Roman benennen Sie die Klimakrise als „Motor der Geschichte“. Was meinen Sie damit?
Naji: Geschichte ist nicht nur eine Erzählung von Kriegen und Königen, sondern ein Spiegelbild der Beziehung zwischen Menschheit und Klima, eine Chronik der Versuche des Menschen, sich an Umweltveränderungen anzupassen. In unserer heutigen Realität übersehen wir oft, dass es bei fast allen aktuellen Konflikten, etwa in Iran oder Syrien, auch um natürliche Ressourcen geht. Anstatt die ökologischen und klimatischen Ursachen anzuerkennen, werden die Konflikte als ethnisch oder religiös motiviert dargestellt.
taz: Soll Ihre Formulierung einer „absichtlichen Katastrophe“ genau diesen Gedanken zum Ausdruck bringen?
Naji: Ja. Klimaveränderungen waren schon immer Teil der natürlichen Ordnung der Erde, aber wir wissen heute, dass das moderne Wirtschaftssystem und der konsumorientierte Lebensstil diese Veränderungen beschleunigt haben. Darüber hinaus gibt es diejenigen, die aus diesem Lebensstil Reichtum anhäufen und nicht bereit sind, ihn zu ändern. Wir geben uns mit wenig wirkungsvollen, individuellen Lösungen zufrieden, anstatt große Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen. Zum Beispiel jene Firmen, die immer noch Dieselmotoren produzieren und diese in den Globalen Süden exportieren, während sie in ihren eigenen Ländern auf saubere Energiequellen setzen.
Amaa AlSheikh ist ägyptische Journalistin, die in Kuwait arbeitet und lebt.
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