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Regierungsantwort auf Linken-AnfrageNudeln mit Ketchup statt Obst und Gemüse

Die Bundesregierung berechnet derzeit die Höhe der Grundsicherung neu. Ob das Geld für gesunde Ernährung reicht, spielt im Verfahren keine Rolle.

Na dann: Guten Appetit Foto: mia takahara

Für einen Erwachsenen sind im Bürgergeld (ab Juli: neue Grundsicherung) rund 6,50 Euro pro Tag für die Ernährung vorgesehen. Für frisches Obst, Vollkornprodukte und Ähnliches ist das oft zu wenig: Es ist wissenschaftlich belegt, dass gesunde Lebensmittel meist teurer sind als ungesunde. Ein Beirat des Landwirtschaftsministeriums kam vor Jahren schon zum Urteil: Die Regelsätze der Grundsicherung reichten nicht aus, „um eine gesundheitsfördernde Ernährung zu realisieren“.

2027 werden die Leistungen voraussichtlich etwas steigen. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Gesetzesentwurf zur Neuermittlung. Ob die Betroffenen von ihrem Geld gut genug essen können, spielt dabei aber wieder keine Rolle.

In der Antwort auf eine Bundestagsanfrage der Linksfraktion, die der taz vorliegt, erläutert das Sozialministerium die seit Jahrzehnten angewandte Berechnungsmethode. Sie basiert auf Statistiken darüber, wofür einkommensschwache Haushalte außerhalb der Grundsicherung und Auf­sto­cke­r:in­nen ihr Geld ausgeben – und somit auch, wie viel sie im Monat für Lebensmittel zahlen. „Ob und inwieweit die gekauften Nahrungsmittel eine gesunde Ernährung gewährleistet haben, wird dabei nicht erfasst“, schreibt das Ministerium.

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Wolle man eine angemessene Ernährung zum Kriterium machen, müsse die Berechnungsmethode umgestellt werden – auf das sogenannte Warenkorbmodell: Es müsste festgelegt werden, welche Lebensmittel als gesund gelten, wie viele es davon im Monat braucht und was das kostet. „Ein solcher Ansatz wird von der Bundesregierung abgelehnt“, schreibt das Ministerium weiter. Eine Begründung gibt es nicht an.

Seit langem kritisiert

Die geltende Berechnungsmethode wird von links seit Langem kritisiert. Zum einen, weil die Konsumausgaben der Vergleichshaushalte nicht eins zu eins in Bürgergeld und Grundsicherung übertragen werden. Zulasten der Leistungsberechtigten greift die Regierung nämlich durchaus in die Statistik ein, rechnet Produkte wie Blumen, Adventskränze, auswärtiges Essen (bis hin zur Kugel Eis für Kinder) heraus.

Zum anderen, weil ein großer Teil der Vergleichshaushalte so wenig Einkommen hat, dass sie selber als arm gelten. Sie leiden ebenfalls unter Entbehrungen, sind als Maßstab für das Existenzminimum also fragwürdig. Die Linksfraktion leitet aus EU-Statistiken zum Beispiel ab, dass ein Viertel der Vergleichshaushalte selber zu wenig Geld für gesundes Essen haben. Kein Wunder also, dass es somit für gute Ernährung auch in der Grundsicherung nicht reicht.

Die Linken-Abgeordnete Cansın Köktürk kritisiert, dass die neue Grundsicherung auf einem „äußerst fragilen Fundament“ stehe. „Erkenntnisse aus der Wissenschaft zu Ernährungsarmut, sozialer Ausgrenzung und unzureichenden Regelsätzen werden nicht als Grundlage für Entscheidungen beachtet, sondern ignoriert oder systematisch relativiert“, sagte sie der taz. „Damit stellt sich eine grundlegende Systemfrage: Orientiert sich die Bundesregierung tatsächlich an den realen Lebensverhältnissen und an den Vorgaben des Grundgesetzes, oder wird hier ein politisch definiertes Minimum durchgesetzt, das Unterstützung bewusst auf das absolute Nötigste reduziert?“

Zudem kritisiert Köktürk, dass die Regierung Fragen zu Details der Berechnungsmethode und der Datengrundlage nicht beantwortet, da diese „Gegenstand laufender regierungsinterner Abstimmungsprozesse“ seien. Die Linken-Abgeordnete spricht von „gezielter Intransparenz gegenüber Parlament und Öffentlichkeit“.

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10 Kommentare

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  • 6,50 pro Tag für einen Erwachsenen, Kinder entsprechend weniger. Und haufenweise AfD-, CDU-, FDP-, teils auch Grünen- und SPD-Wähler*innen, die noch das zu viel finden. Dazu Löhne, die kaum höher sind. Eine doppelte Schande.

  • Wird hier ernsthaft bemängelt, dass die Grundsicherung nur für das Nötigste ausgelegt ist und Dinge, wie Adventskränze oder Restaurantbesuche nicht im Budget eingeplant sind? Auch vergisst der Autor zu erwähnen, dass man als Bürgergeld- bzw. Grundsicherungsbezieher zahlreiche Vergünstigungen und Vorteile (zu Lasten der Allgemeinheit) genießt, bspw. die Übernahme der Krankenversicherung, Wohnkosten, Befreiung vom Rundfunkbeitrag und auch den Zugang zu den Tafeln.

    • @JMarius:

      Die Tafeln sind private nicht staatliche Organisationen zur Vermeidung von Verschwendung im Nahrungsmittelhandel, bestehend aus Freiwilligen.



      Sie sind weder vom Staat eingerichtet noch erhalten sie (größere) Geldsummen von diesem.



      Sie dem Sozialstaat zuzurechnen ist reiner Zynismus.



      Die Aufzählung aller Positionen, die Sozialhilfeempfänger - meist nur auf Antrag - nicht bezahlen müssen, zeigt die durch Neid und Mißgunst verseuchte Diskussion über die Armen, die sich zum Großteil aus Minderjährigen zusammensetzen.

  • Also ehrlich gesagt macht mich der Artijel fassungslos. Ich bin chronisch krank, verdiene knapp so viel, dass ich kein Bürgergeld mehr erhalten kann und muss dementsprechend alle Kosten selber tragen. Einen günstigen Kredit wie vom Jobcenter in Notfällen oder andere andere der zahlreichen Zuschüsse erhalte ich gar nicht. Am Ende aller Abzüge bleiben mir trotz einer ländlichen Gegend immer knapp 149 Euro weniger als einem BG-Empfänger und ich kann mir trotzdem aussuchen, ob ich das Geld nun für Nutellapampe oder Käse ausgebe. Es reicht für die korrekte Entscheidung, aber die muss man auch treffen. Mehr Geld im Geldbeutel bedeutet nicht, dass Leute auch vernünftig entscheiden. Wie oft habe ich damals im Jobcenter erlebt, dass Leute sich im Kurs lieber darüber unterhielten wo es das billigste Bier, die coolste Shishabar und den geilsten MC Donald's gibt? Ständig. Das Problem ist nicht das Geld. Das Geld reicht. Auch Präventionskurse im Bereich bringen nichts, wenn sich wie im Rahmen meiner Reha-Maßnahme z.B. am Ende nur über die nervige Zeitverschwendung beschwert und auf dem Rückweg die Tiefkühlpizza gekauf wird. Ich finde es reicht jetzt mal damit zu behaupten, dass es am Geld liegt

    • @SaarChin:

      Wohngeld könnte ihre Deckungslücke von 149 € etwas verringern. Wohngeld können nur Personen bekommen, die keine sonstigen staatlichen Leistungen (bspw. Bürgergeld) erhalten, seine Höhe ist vom Wohnort abhängig.

    • @SaarChin:

      Da kann etwas nicht stimmen. Du behauptest einerseits dass Dir kein Bürgergeld zusteht und andererseits, dass Du 149 € weniger Geld hast, als mit Bürgergeld. Das ist so nicht möglich.

      Wenn man erwerbstätig ist, hat man Freibeträge, ein paar hundert Euro (je nach Einkommen) und kann mit Bürgergeld aufstocken, dadurch hat man immer mehr Geld als jemand, der nicht arbeitet, bei Vollzeit sind es rund 500 € mehr.

      Und selbst wenn man keinen Anspruch auf Bürgergeld hat, hat man vielleicht Anspruch auf Wohngeld.

      Ich würde die Anträge stellen, dann musst Du auch nicht mehr nach unten treten.

  • Spontan muss ich an den Film "Soylent Green" von 1973 denken, in dem die Menschen mit synthetischen cookies ernährt werden.

    • @fotopitter:

      "Soylent green is people !" das wurde aus Menschenfleisch gemacht....

    • @fotopitter:

      Die Menschen wurden mit dem erreichen des 60. Lebensjahr getötet und aus ihren Überresten wurden Kekse hergestellt.



      Guten Appetit

      • @Flemming:

        Ja, ich hab es gelesen und nicht als Film gesehen, da ist die Sache vielleicht offensichtlicher dargestellt. Und ich denke in letzter Zeit ziemlich oft daran. Deshalb gruselt es mich auch immer öfter bei den laufenden Reformbemühungen, die Arme, Rentner, Kranke und Pflegefälle, sonstige "Belastungen" der "Staatsfinanzen" betreffen. Jedenfalls findet man Problemlösungen nach dem Muster (bisher im finanziellen statt Proteinsektor, also noch ohne sichtbare Euthanasie) inzwischen ganz oben in der Liste mäßig kreativer Lösungen bei bestimmten Politikern. Vielleicht ist Spahn ja deshalb gegen selbstbestimmtes Sterben. Aber, lieber Jens, da ist der Kontrollwahn zu auffällig, das kann man doch gesetzlich besser verpacken und beim Absahnen auch noch Investitionsgewinne, großflächige Abschöpfung kleiner Erbvermögen und Proteinverwertung unauffällig parallelisieren. Nun ja, ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, aber sicher ist aus meiner Sicht, dass die schlimmsten Ergebnisse von Tun oder Lassen oft oft nicht beabsichtigt waren. Wird bei KI übrigens nicht anders sein.