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Neue StudieEuropa verblasst neben China

Die Strahlkraft der Europäischen Union hat merklich nachgelassen. In Lateinamerika haben aber auch Russland und die USA an Zuspruch eingebüßt.

Haben sie sich noch etwas zu sagen? Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Bundespräsident Steinmeier im März in Mittelamerika Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

kna | Sind Deutschland und Europa, wie von Bundespolitikern allenthalben behauptet, tatsächlich ein Vorbild für die Schwellenländer dieser Welt? Eine neue Umfrage unter 12.000 Personen aus zehn lateinamerikanischen Staaten zeigt: Die Frage lässt sich nicht mehr eindeutig mit Ja beantworten, denn Europas Ansehen schwindet.

Für eine Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wurde ein repräsentatives Meinungsbild in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Guatemala, Mexiko, Uruguay und Venezuela erstellt. Die Ergebnisse sind aus europäischer Sicht ernüchternd, für manche gar alarmierend: Obwohl der Alte Kontinent traditionell als wichtiger politischer und wirtschaftlicher Bezugspunkt gilt, verblasst das Modell Europa zusehends.

So sehen nur noch 14 Prozent der Befragten in der europäischen Integration ein Vorbild für Lateinamerika. Bei der Vorgängerstudie 2022 waren es immerhin 22 Prozent. Zudem sehen die Lateinamerikaner einen deutlichen Rückgang, was die Führungsrolle der EU auf internationalem Parkett anbelangt. Bei der Prognose zum künftigen globalen Einfluss steht China mittlerweile an erster Stelle, gefolgt von den USA.

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Auch Russland und die USA unter den Verlierern

Ist die EU also aus Sicht der Latinos die Verliererin der geopolitischen Umbrüche in den vergangenen Jahren? Die Umfrage lässt diesen Schluss durchaus zu. „Ihre Führungsposition verliert an Kontur, und ihr Einfluss als normgebende Macht nimmt ab“, so das Fazit der Meinungsforscher. Mehr noch: Insgesamt seien die Daten „ein aussagekräftiger Indikator für das allmähliche Verschwinden Europas aus dem lateinamerikanischen Bewusstsein im Laufe der letzten vier Jahre“.

Das Gesamtbild zeigt, dass nicht nur die EU in der Außenwahrnehmung unter einem messbaren Imageverlust leidet. Auch die USA und Russland haben erheblich an Zuspruch eingebüßt. In diesen beiden Fällen sind die Gründe klar: Wladimir Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine und Donald Trumps strikte Migrationspolitik stoßen in Lateinamerika weithin auf Ablehnung.

Doch die neue Erhebung weist auch Frankreich, Spanien und Deutschland als klare Verlierer aus. Von den relevanten Staaten konnte erstaunlicherweise nur China sein Image zwischen der ersten und der zweiten Umfrage verbessern. Die Befragten sehen das Reich der Mitte als führende Kraft in den wichtigsten strategischen Zukunftssektoren. Den EU-Ländern wird bei den entsprechenden Themen nur noch eine geringe Bedeutung zugestanden.

China als Modell der Zukunft

Das schlägt sich in konkreten Zahlen nieder: Hielten vor vier Jahren fast 40 Prozent der Menschen in Lateinamerika Deutschland für das bevorzugte Modell zur Entwicklung des eigenen Landes, sind es inzwischen nur noch 28,9 Prozent. 36,1 Prozent nennen heute China als bestes Zukunftsmodell – ein Plus von 7 Prozentpunkten. Das Konzept von Staatspräsident Xi Jinping landet somit auf dem ersten Platz, die Bundesrepublik rutscht als Vorbild auf den fünften Rang ab.

Ein Grund für den deutlichen Ansehensverlust ist nach Auffassung der Forscher, dass sich die Lateinamerikaner von Europa zu wenig beachtet, ja fast ignoriert fühlen. Die Experten raten der EU dazu, „konkrete Maßnahmen zugunsten Lateinamerikas“ zu ergreifen, um das Feld nicht völlig den USA und China zu überlassen.

Auch Sebastian Sperling, Landesvertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Argentinien, wertet die Umfrageergebnisse als Weckruf für Europa. Dort müssten die Verantwortungsträger darüber nachdenken, wie man das große Potenzial vielfältiger Partnerschaften mit Lateinamerika besser nutzen könne.

„Der vorliegende Bericht zeigt, dass selbst in einem von Ungewissheit geprägten Umfeld die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zur Vernetzung fortbesteht“, so Sperling. So werde die EU in vielen Ländern – trotz des rasanten chinesischen Aufstiegs – als bevorzugter Partner in Sachen Umweltschutz sowie bei der Bekämpfung von Armut und Ungleichheit angesehen.

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