: Keiner allein
Fünf Jahre ist jetzt die Flutkatastrophe im Westen Deutschlands her. Nicht nur das Ahrtal stand unter Wasser, auch anderswo war die Zerstörung groß. Wie in Schweinheim: Fast alle Häuser des 416-Seelen-Dorfes erlitten Schäden – heute sind sie wieder aufgebaut. Vor allem aber ist der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft stärker als zuvor
Aus Schweinheim Karlotta Ehrenberg
Als wär der Rhein hier einmal durch gerauscht.“ So beschreibt Anja Tranelis die Flutkatastrophe von 2021. Sie und ihr Mann Jörg, damals um die Fünfzig, waren mitten drin – um zwei Ponys zu retten, schwammen sie durch die Fluten. „Ich hätte nicht gedacht, dass man so etwas überleben kann.“
Überlebt haben die Nacht vom 14. auf den 15. Juli fast alle der 416Bewohner*innen der nordrhein-westfälischen Ortschaft Schweinheim, ein Mann ertrank in seinem Keller. Videos zeigen, mit welcher Kraft die Wassermassen damals ihren Weg durch das kleine Dorf nahmen: Autos, Gebäude, Hausrat und Bäume wurden von der starken Flutwelle mitgerissen – ein umgekipptes Rettungsboot war auch darunter. In letzter Sekunde retteten Cornelia Chemnitz und ihr Mann einen Feuerwehrmann aus dem reißendem Strom. „Hätte ich gewusst, dass die Talsperre da schon am Überlaufen war, ich hätte Todesangst gehabt“, sagt die Fünfundsechzigjährige heute.
Auslöser der Katastrophe war das Tief Bernd, das binnen weniger Tage für Niederschläge von bis zu 165 Litern pro Quadratmeter sorgte. Am Abend des 14. Juli steigt der Pegel in Schweinheim im Minutentakt. Grund dafür sind nicht nur die beiden Bäche, die in der Ortsmitte zum Orbach zusammenkommen und sich in dem viel zu engen Bett stauen. Auch das Wasser in der über dem Ort gelegenen Steinbachtalsperre tritt über. Zudem fließt das Regenwasser in reißenden Strömen über die Felder geradewegs ins Tal – dort liegt das Dorf. Da die Behörden den Bruch der Talsperre befürchten, wird evakuiert. Nur Landwirt Stephan Brock darf bleiben, um sich um sein Vieh zu kümmern. „Das war wie ein böser Film“, erinnert sich Brock (52): „Es gab ja keinen Strom und auch kein Handynetz.“ Feuerwehrwagen stehen bereit, um den Bauer und seine Mitarbeiter*innen im Ernstfall wegzubringen.
Fünf Jahre später plätschert der Orbach wieder friedlich durch den Ort. Der Damm hat gehalten, der Einsatz eines Baggerfahrers, der unter Lebensgefahr den Ablass der Talsperre freischaufelte, ging durch die Medien. Bis auf zwei Ausnahmen sind alle beschädigten Häuser wieder aufgebaut, auch die alten Fachwerkhäuser erstrahlen in neuem Glanz. Blühende Bäume, Vogelgezwitscher und das Surren der Rasenmäher machen die Idylle perfekt. Vereinzelt entdeckt man Schilder, auf denen die Hochwassermarke verzeichnet ist, bei den Tranelis waren es 1,40 Meter, in der Dorfmitte an die 2 Meter.
Ansonsten ist das „Jahrhundertereignis“ nur noch dem Dorfplatz anzusehen, die zuständige Stadt Euskirchen hat das Pflaster bis heute nicht erneuert, den Schotter brachten die Leute aus dem Dorf selbst auf, als sie 2023 ein Dankesfest ausrichteten. Es galt den Hunderten von Helfer*innen, die bei den Aufräumarbeiten geholfen hatten, aus der ganzen Republik waren sie angereist.
Sie stammten aber auch aus dem Dorf selbst: Helmut Doll (66) etwa, er gehört zu den wenigen Haushalten in Schweinheim, die wenig betroffen waren, trotzdem lasse ihn das Erlebte bis heute nicht los, sagt er der taz. Eigentlich Bankkaufmann von Beruf, betreibt Doll am Dorfrand eine Galerie, zum Zeitpunkt der Flut lebt er schon über dreißig Jahre hier, Kontakt pflegt er nur wenig.
Das ändert sich mit der Evakuierung schlagartig, plötzlich sitzen alle buchstäblich in einem Boot beziehungsweise in dem Bus, der sie zusammen in Sicherheit bringt. Ebenso eingeprägt hat sich Doll das gemeinsame Hoffen und Bangen, als sie sich fünf Tage später vor dem Dorf wieder treffen. Niemand weiß, in welchem Zustand er sein Zuhause wiederfinden wird, weshalb die Stadt Euskirchen auch Seelsorger mitschickt. Das war wohl bedacht: Für viele bricht kurz darauf die Welt zusammen.
„Mein Mann und ich sind von Haus zu Haus und haben versucht, zu retten, was zu retten war“, erzählt Helmut Doll von den folgenden Wochen. Sie helfen mit, den mit Fäkalien und Heizöl verunreinigten Schlamm wegzuschaufeln und den Müll zu turmhohen Bergen zu stapeln. Mit dabei ist auch Bauer Stephan Brock, der mit Leuten und Gerät die Abtransporte bewerkstelligt, der dank seiner Verbindungen Sand organisieren kann sowie Beton, den er selbst unter ein einsturzbedrohtes Gebäude spritzt. Eine Nottankstelle wird auf Brocks Hof eingerichtet, der gleichzeitig auch als Treffpunkt dient. Jeden Abend finden sich die Dörfler zum gemeinsamen Essen ein. „Und plötzlich sitzt man mittendrin“, erinnert sich Doll. „Und das Schöne war, dass wir dann versucht haben, gemeinschaftlich die Dinge zu organisieren.“
Auf den Dorfversammlungen wird beraten, was als Nächstes angepackt wird, wie und von wem. „Du hast ja schnell mal Vorurteile,“ gesteht Stephan Brock. „Aber ich hab direkt gemerkt, was für tolle Leute du hier um dich rum hast.“ Er vergleicht das Dorf mit einer Fußballmannschaft, in der sich alle nach ihren Fähigkeiten eingebracht hätten: „Von der Putzfrau bis zum Manager hatten wir alle dabei.“
Brock übernimmt bei den Versammlungen die Moderation, flankiert wird er von Karl Kreuzberg, einem ihm bisher völlig unbekannten Nachbarn. Verrückt, sagt Brock lachend, denn Kreuzberg habe damals schon jahrelang nur 50 Meter weiter gewohnt, zudem sei er der Chef seines Steuerbüros. Der Bauer findet in dem Nachbarn die ideale Ergänzung: „Ich bin mehr so fürs Technische“, erläutert er. „Und der Karl, der kann reden.“
Tatsächlich scheint Karl Kreuzberg (58) ein ruhiger Gegenpol zu dem impulsiven Landwirt. Bei der Frage, ob die Neugründung des Dorfes je zur Debatte gestanden habe, denkt er erst einmal nach. Nein, antwortet er, die Versicherungen hätten auch keine Wahl gelassen, denn die zahlten ja nur geringe Abfindungen, sollte man sich zu einem Wegzug entscheiden.
Der Ort
Schweinheim ist ein Stadtteil von Euskirchen in der Voreifel, circa 35 km südlich von Köln. Fast alle Haushalte waren hier von der Flutkatastrophe vor fünf Jahren im Juli 2021 betroffen, bei der in Deutschland Dutzende Ortschaften in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz überflutet wurden und 188 Menschen starben. Trotzdem beschloss das Dorf, schon im Jahr darauf wieder an dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ (ehemals „Unser Dorf soll schöner werden“) teilzunehmen, 2020 wurde Schweinheim hierbei zum „Golddorf“ gekürt. 2022 erhielt es „für die außerordentliche Leistung der Dorfgemeinschaft nach der Flutkatastrophe 2021“ einen Spezialpreis.
Mit Modellcharakter
Besonders ist an dem Fall Schweinheim auch, dass er wissenschaftlich begleitet wurde. Initiatorinnen waren Heike Lützenkirchen, Leiterin des Euskirchener Stadtmuseums, das ebenfalls in den Fluten unterging, und Giulia Fanton vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). In den zwei Jahren nach der Flut führten sie Interviews mit rund dreißig Menschen aus Schweinheim und der ebenfalls betroffenen Euskirchener Innenstadt. Der Befund der beiden Kulturanthropologinnen: Die kollektive Bewältigung der Katastrophenfolgen in Schweinheim hat Modellcharakter.
Zum Austausch
Gefragt nach den Ursachen des starken Zusammenhalts der Dorfgemeinschaft hoben die Forscherinnen vor allem drei Dinge hervor: 1.) das Teilen einer gemeinsamen Erfahrung, 2.) gemeinsame Rituale wie das Abendessen und kulturelle Bräuche und 3.) die Beteiligung jedes Einzelnen. Um Gemeinschaft herzustellen und langfristig zu erhalten, ist den Forscherinnen zufolge vor allem eins vonnöten: ein Ort, an dem es zu regelmäßigem Austausch komme. Die Studie mündete in die digitale Ausstellung „So was haben wir noch nicht erlebt“, ein Kooperationsprojekt vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte und dem Stadtmuseum Euskirchen: lvr.de/ausstellung-flut.
Während das Land Nordrhein-Westfalen noch über die Fluthilfe berät, beschließt das Dorf, einen Spendenrat zu wählen, der die vielen eingehenden Spenden verteilen soll. Bei der Zusammensetzung habe man darauf geachtet, dass alle im Dorf repräsentiert werden, erläutert Karl Kreuzberg: „Männlein wie Weiblein, Ältere und Jüngere.“ Der Dorfälteste, der ansässige Landadel, eine Ärztin, eine Lehrerin und eine Alteingesessene sind dabei, Banker Helmut Doll bringt die Expertise mit. „Jeweils zu zweit haben wir uns die Haushalte peu à peu vorgenommen, haben Aufnahmen und Notizen gemacht“, erinnert sich Doll. „Ich hatte da alte Männer, die in zerlumpten Klamotten vor mir standen und heulten. Es war ja alles weg.“ Doll schluckt, auch jetzt, fünf Jahre später, berühre ihn das noch sehr, auch weil manche Alte inzwischen gestorben seien. „Die sind daran zerbrochen“, glaubt Doll.
Geld sei oft gar nicht das Hauptthema gewesen, berichtet auch Beate Klinke (70), die Lehrerin im Spendenrat. Viele hätten vor allem ein offenes Ohr gebraucht. Ausgemacht hat ihr das nichts, im Gegenteil, von den vertrauten, ja oft intimen Begegnungen hat sie selbst profitiert. So wie Kreuzberg und Doll zählt auch Beate Klinke zu den „Zugezogenen“, die sich erst seit der Flut in die Gemeinschaft eingebunden fühlen. „Das ist jetzt auch mein Dorf“, sagt sie. „Deswegen bezeichne ich mich als Flutgewinnlerin.“
Fast eine halbe Million Euro Spenden kommen in den Monaten nach der Flut zusammen, viel Geld und Unterstützung beim Fundraising kommt von Menschen aus dem Aschaffenburger Stadtteil Schweinheim, die sich durch die Namensvetternschaft mit dem Dorf in der Voreifel verbunden fühlen. Vereinnahmen lassen habe man sich aber nicht wollen, betont Stephan Brock. So wurde etwa ein Spendenangebot von einer Musikband aus der verschwörungsideologischen Szene dankend abgelehnt.
Um Quittungen ausstellen zu können, wird von Klinke, Kreuzberg und anderen der gemeinnützige Verein „Schweinheim hat Zukunft“ gegründet. Verteilt wird das Geld nach festen Kriterien, über jeden Fall wird im Spendenrat abgestimmt. Besonders bedürftige Menschen bekommen eine Soforthilfe, nach einer ersten Runde folgt ein Jahr später eine zweite Ausschüttung. Es sei wichtig gewesen, alle zu berücksichtigen, sagt Helmut Doll rückblickend. Deswegen habe man auch versicherten Haushalten, die sich im Nachteil sahen, weil sie anders als andere jahrelang hohe Beiträge gezahlt hatten, eine symbolische Summe ausgezahlt. Das alles vollzog sich auf höchst diskrete und unbürokratische Weise, berichten mehrere Befragte – und gerecht scheint es auch zugegangen zu sein, böse Stimmen habe bisher niemand vernommen.
Dass Neid und Missgunst bis heute kein Thema im Dorf sind, liegt sicher auch daran, dass die Gemeinschaft darauf acht gegeben hat, dass jede*r die Hilfe bekommt, die für den Wiederaufbau nötig ist – so gut wie alle Schweinheimer*innen sind zurückgekehrt. Neben Soforthilfen sind 116.386.602 Euro vom Land NRW für Entschädigungen privater Haushalte in Euskirchen insgesamt geflossen, in das stark zerstörte Schweinheim wird ein großer Teil davon geflossen sein. Der Verein stellte zwei „Dorfkoordinatorinnen“ ein, die bei Anträgen unterstützten.
Helmut Doll, Dorfbewohner
Alexandra Kreuzberg war eine von ihnen: „Ich knie mich gerne in was rein und arbeite am liebsten im Hintergrund“, sagt sie. „Das war genau das Richtige.“ Nicht alle hätten die staatliche Hilfe angenommen, berichtet die Buchhalterin. Und es habe auch Leute gegeben, die ohne großes Aufhebens einen Teil des Gelds „in den großen Topf“ warfen, für Leute, die es nötiger hatten als sie, für einige waren die 20 Prozent Eigenbeteiligung schwer zu stemmen. Auch aufgrund dieser solidarischen Gesten beschloss der Spendenrat, Gelder für die Gemeinschaft zurück zu halten, für das Gemeinschaftshaus etwa, das wie der Dorfplatz bis heute auf eine Sanierung durch die Kommune wartet. „Das sind die Leute schon leid, dass das hier nicht vorangeht“, sagt Alexandra Kreuzberg. „Auch dass der Bach nicht gemacht wird. Wir haben hier doch jetzt HQ 100, da muss das Dorf doch geschützt werden.“
HQ 100 steht für „Hochwasserszenario mittlerer Wahrscheinlichkeit“. Heißt: Schweinheim ist nun offizielles Hochwasserrisikogebiet. Für die Dörfler bedeutet das oft fünfstellige Versicherungsbeiträge im Jahr – für viele unbezahlbar. Andere bekommen gar keine Elementarversicherung mehr, da ihre Gebäude nicht den strengen Baurichtlinien entsprechen – eine Versicherungspflicht gibt es in NRW bisher nicht. Und nur entsprechende Schutzmaßnahmen würden die Situation ändern.
Cornelia Chemnitz treibt vor allem der Schutz vor Starkregen um. „Ich bin gleich nach der Flut mit dem Fahrrad um das Dorf gefahren, um zu sehen, wo das Regenwasser lang ist und was man tun kann“, sagt die Landschaftsplanerin. „Damit das nicht noch mal so schlimm passiert.“ Als eine Betroffene aus einem ebenfalls stark zerstörten Nachbarort EU-Förderung für eine sogenannte LEADER-Region – ein ländliches Gebiet, das von der Europäischen Union als Förderregion anerkannt ist – beantragt, schließt sie sich sofort an. Mit weiteren Leuten aus den umliegenden Städten und Gemeinden gründet sie den Verein „LAG Voreifel – Bäche der Swist“, in dem sich die Bürger*innen mit kommunalen Vertreter*innen und anderen lokalen Akteuren vernetzen, um Projekte für die Region vorantreiben.
Nach drei Jahren Engagement ist Chemnitz überzeugt: Schon mit kleinen Initiativen wie etwa dem Bau von naturnahen Dämmen in den Wäldern kann man einen großen Unterschied machen.
Im Dorf hat sich für die politische Durchsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen der „Arbeitskreis Infrastruktur Schweinheim“ (AIS) gegründet. Für Hochwasserschutz sei der Erftverband, also ein wasserwirtschaftliches Dienstleistungsunternehmen, zuständig und für Starkregenschutz die Stadt, erklärt Karl Kreuzberg das bisher langsame Vorankommen. „Da musste erst mal verhandelt werden: Wer ist denn nun für welchen Wassertropfen zuständig? Wer entscheidet, wer plant, wer zahlt?“
Das Dorf beschließt, nicht zu warten, mit Spendenmitteln wird ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Das Ingenieurbüro war natürlich viel schneller als die Stadt“, sagt Stephan Brock. Inzwischen sind sie einen Schritt weiter gekommen, die Steinbachtalsperre soll wieder gefüllt werden, jedoch nicht bis zum Rand, sodass sie auch zur Rückhaltung genutzt werden kann. Ein weiteres Rückhaltebecken ist bereits im Genehmigungsverfahren. Größtes Ziel des AIS bleibt nun, die Verbreiterung des Bachbettes zu erreichen. 20 Meter breit müsse die Aue sein, meint Stephan Brock: „Dann können hier 70 Kubik durch. Jetzt kann der Bach nur fünf.“
Während der Landwirt über die Wiese den Steinbach entlang schreitet, erzählt er von den komplizierten Tauschgeschäften, die er eingefädelt hat, damit die anliegenden Bauern ihr Land hergeben. Einer habe sich quer gestellt. „Dieses Stück Land braucht jetzt die Allgemeinheit, hab ich dem gesagt“, so Brock. „Und dass wir das ja auch für ihn machen. Wenn das hier nochmal passiert, dann ist nicht der Bürgermeister oder der Erftverband dran, hab ich gesagt, sondern du.“ Der Mann gab nach.
Beate Klink, Zugezogene
Ein Bach, der 70 Kubik fassen kann, braucht aber auch eine entsprechende Brücke im Dorf, dafür muss der Staat in Leistung gehen, und das galt es durchzusetzen. Minutiös bereitete sich der Arbeitskreis auf das Treffen mit den politischen Entscheidungsträgern – Bürgermeister und andere Amtsträger*innen der Kommune, Landtagsabgeordnete und die zuständige Landesministerin Ina Scharrenbach sowie der Erftverband – vor. Die Politiker zeigten sich von Anja Tranelis’Geschichte beeindruckt, berichtet Brock, und richtig betroffen seien sie gewesen, als einem anderen Geschädigten beim Erzählen die Stimme gebrochen sei. Dann hätte er mit Karl Kreuzberg die Pläne vorgestellt. Am Ende sei allen Gästen klar gewesen, warum es die Brücke brauche. Brötchen und Suppe habe es auch gegeben, das hätten andere vorbereitet. „Ich sag ja, wir sind ein tolles Fußballteam“, sagt Brock stolz. „Und auch die Politiker, die haben hier wirklich einen guten Job gemacht.“ Der Stadtrat von Euskirchen hat Ende vergangenen Jahres ein Hochwasserschutzkonzept beschlossen, 6 der 27 Maßnahmen betreffen das Dorf Schweinheim, die Brücke ist auch darunter.
Brock zufolge spiegelt sich die gute Zusammenarbeit mit der Politik auch im Wahlverhalten wieder. Bei der letzten Kommunalwahl 2025 sei der Bürgermeister Sacha Reichelt (CDU) in Schweinheim mit fast 82 Prozent bestätigt worden, und auch die Parteien im Stadtrat – CDU, SPD und die Grünen – seien wieder gewählt worden, so Brock. „Blau haben wir in Schweinheim nicht.“ Das mag bei rund 11 Prozent zwar übertrieben sein, im Vergleich zu anderen Teilen Euskirchens aber bekam die AfD hier deutlich weniger. Für Karl Kreuzberg ist das geringe Abschneiden der AfD ein Zeichen, dass die Dorfgemeinschaft funktioniere, Enttäuschung und Abgehängtsein seien hier kein Problem.
Heute gibt es keine regelmäßigen Essen und Versammlungen mehr, und sieht man von den zahlreichen Dorffesten ab und den Begegnungen in der wieder eröffneten Kneipe, sind die Leute wieder mehr für sich. Viele Schutzmaßnahmen wurden individuell getroffen.
Nach der Kraftanstrengung des Wiederaufbaus habe sich eine große Erschöpfung breit gemacht, erklärt Anja Tranelis den Rückzug ins Private. Trotzdem sei das Dorf heute ein anderes als vor der Flut. Ja, sie fühle sich „richtig beseelt“, wenn sie daran denke. Auch den anderen Befragten geht es so. Man kennt sich jetzt im Dorf und weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann. „Nicht, dass ich das nochmal haben will, aber die Flut hat auch was Gutes gehabt“, sagt Helmut Doll. „Sie hat die Menschen zusammengebracht.“
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