Eurovision Song Contest 2026: Neue Regeln wegen Israel
Im letzten Jahr war der Wettbewerb von Manipulationsvorwürfen überschattet, Israels Teilnahme bleibt umstritten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
afp | Der Eurovision Song Contest (ESC) wird anders sein als in den letzten Jahren, und das aus mehreren Gründen: Statt einer Rekordteilnehmerzahl, wie sie der gastgebende österreichische Fernsehsender ORF noch im Herbst zum 70. Jubiläum in der Hauptstadt Wien erwartete, wird er nur 35 Starter zum weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb begrüßen – so wenige wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Spanien, Irland, die Niederlande, Island und Slowenien sind aus Protest gegen Israels Teilnahme nicht mehr dabei. Das Motto „United By Music“, vereint durch Musik, klingt deshalb etwas hohl.
Und noch etwas ist anders, auch wegen Israel. Der Eurovision Song Contest (ESC) zieht Konsequenzen aus dessen Überraschungserfolg vor einem Jahr: Weil Israel im vergangenen Jahr völlig unerwartet mit großem Vorsprung die Publikumsabstimmmung gewann und Manipulationsvorwürfe laut wurden, hat sich der Wettbewerb diesem Jahr neue Abstimmungsregeln gegeben. Der ESC will damit bei der 70. Ausgabe Vertrauen zurückgewinnen.
Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Regeln des ESC 2026:
Warum wurden die Regeln überarbeitet?
2025 warb Israel mit einer massiven Kampagne in sozialen Netzwerken für seine Teilnehmerin, die Sängerin Yuval Raphael. Eine direkte Manipulation der Abstimmung konnte dem Land nicht nachgewiesen werden – der israelische Sieg bei der Publikumswahl widersprach aber allen Erwartungen und auch der Stimmung der Fans. Neben der Kritik an Israel wegen des Vorgehens der Regierung im Gazastreifen führte die Werbekampagne zu schweren Verwerfungen unter den ESC-Teilnehmerländern bis hin zu zahlreichen Forderungen, Israel auszuschließen. Dies wurde letztlich verhindert. Allerdings verzichten mit Irland, Spanien, den Niederlanden, Island und Slowenien gleich fünf Länder auf eine Teilnahme.
Was wurde geändert?
Die Zahl der Zuschauerstimmen wird von 20 auf zehn pro Bezahlart – SMS, Anruf, Onlineabstimmung mit Kreditkarte – halbiert. Fans sollen außerdem aktiv ermutigt werden, für mehrere Beiträge abzustimmen. In den beiden Halbfinals gibt es nach der reinen Publikumsentscheidung in den Jahren 2023 bis 2025 nun auch wieder eine Juryabstimmung. Dies soll dafür sorgen, dass neben Publikumslieblingen auch Beiträge mit einem hohen künstlerischen Anspruch bessere Chancen haben – im Finale gibt es ebenfalls die Jury- und die Zuschauerabstimmung.
Wie setzen sich die Jurys zusammen?
Mit der Rückkehr zur Juryabstimmung in den Halbfinals wurde auch die Zahl der Jurymitglieder von fünf auf sieben erhöht. In die nationalen Jurys der 35 Teilnehmerländer dürfen nun auch neue Berufsfelder berufen werden – dazu zählen Musikjournalisten und -kritiker, Musiklehrer oder Choreografen. Außerdem müssen mindestens zwei Juroren in der Altersspanne zwischen 18 und 25 Jahren sein – dies soll die Attraktivität des Wettbewerbs beim jüngeren Publikum erhalten.
Entscheiden die Juroren unabhängig?
Die Unabhängigkeit soll durch eine formelle Erklärung betont werden, die jedes Jurymitglied unterzeichnen muss. Die Erklärung beinhaltet die Zusicherung, unabhängig und unparteiisch zu entscheiden. Außerdem versprechen Juroren Zurückhaltung bei ihren Social-Media-Aktivitäten.
Was ist mit technischen Manipulationen?
Israels Abschneiden 2025 weckte den Verdacht einer technischen Manipulation, der aber nie bestätigt wurde. Trotzdem versprach die für die Sicherheitsmaßnahmen zuständige deutsche Firma Once Germany, ihre Systeme weiter zu stärken.
Kann durch Werbung weiter beeinflusst werden?
Auch für Werbekampagnen wurden die Vorgaben verschärft. Die Teilnehmer und ihre Lieder dürfen beworben werden, unverhältnismäßige Werbekampagnen insbesondere auch durch Dritte wie Regierungen oder Behörden soll es aber nicht mehr geben. 2025 soll die israelische Regierung hinter der PR-Kampagne gestanden haben. Eine unzulässige Beeinflussung soll durch die Europäische Rundfunkunion EBU sanktioniert werden können.
Wie sind die Flaggenregeln?
Die beim ESC auftretenden Künstlerinnen und Künstler dürfen wie erstmals im vergangenen Jahr vorgeschrieben nur mit ihrer Landesflagge auftreten. Damit sollen politische Statements auf der Bühne unterbunden werden. Die Fans haben Freiheit bei der Flaggenwahl, allerdings müssen diese nach einem neuen Standard zertifiziert sein. Als Grund werden verschärfte Brandschutzbestimmungen nach dem tragischen Feuer in einem Klub im schweizerischen Crans-Montana zum Jahreswechsel angegeben. Zertifizierte Flaggen gibt es im Onlineshop des ESC und vor Ort.
Wie läuft die Punktevergabe?
Hier gab es keine Veränderung. Weiterhin bekommen bei der Abstimmung durch Jury und Publikum Länder zwölf, zehn, acht und dann herabzählend bis eins Punkte. Dabei können nur jeweils zehn Länder Punkte erhalten. Im ESC-Finale werden zuerst die Jurypunkte verteilt. Bei den Publikumspunkten fängt die Vergabe dann bei dem Land mit den wenigsten Jurypunkten an. Damit steht auch erst am Ende der ESC-Gewinner fest.
Welche weiteren Regeln sind zentral?
Für die Show gibt es klare Vorgaben. Lieder dürfen höchstens drei Minuten lang sein und müssen unpolitisch sein. Sängerinnen und Sänger müssen mindestens 16 Jahre alt sein, es dürfen nicht mehr als sechs Bandmitglieder auf der Bühne sein. Und während die Musik vom Band kommt, müssen zumindest die Leadsänger live singen. Die Wahl der Sprache ist frei – während Deutschlands Sarah Engels auf Englisch singt, ist bei Großbritannien der Liedtitel mit „Eins, zwei, drei“ Deutsch.
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