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Der US-Präsident und seine KritikerTrump-Gegner James Comey erneut angeklagt

Der Ex-FBI-Chef muss vor Gericht, weil er ein Foto gepostet hat von zu Zahlen zusammengelegten Muscheln, die auf Trump anspielen. Ein Mordaufruf?

James Comey war von September 2013 bis Mai 2017 Direktor der US-Bundespolizei FBI. Hier auf einem Foto vom Februar 2020 Foto: Charles Krupa/ap

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Ex-FBI-Direktor James Comey muss sich erneut vor Gericht verantworten. Eine Grand Jury im US-Bundesstaat North Carolina entschied, dass der langjährige Trump-Gegner aufgrund eines Social-Media-Posts angeklagt werden soll. Hintergrund ist ein Instagram-Post aus dem vergangenen Jahr, in dem mit Muscheln an einem Strand die Zahlen „86 47“ dargestellt wurden. Laut US-Präsident Donald Trump und seinen Unterstützern sei dies ein Aufruf zur Gewalt gegen den Präsidenten gewesen.

Der Post hatte im Mai 2025 für große Aufregung unter Republikanern gesorgt. Sowohl die Bundespolizei FBI als auch das Heimatschutzministerium DHS erklärten damals, dass man den Vorfall untersuchen werde. „Das DHS und der Secret Service untersuchen diese Bedrohung und werden angemessen reagieren“, sagte die damalige Heimatschutzministerin Kristi Noem.

Das Ergebnis scheint die jetzige Entscheidung der Grand Jury zu sein, die am Dienstag öffentlich gemacht wurde. Sie erhob Anklage gegen Comey in zwei Punkten. Der erste bezieht sich auf die Drohung, Trump zu töten oder zu verletzen, der zweite befasst sich mit der Übermittlung dieser Drohung über Instagram.

Der Zahl „86“, besser gesagt die Formulierung „eighty-six“, wird umgangssprachlich damit in Verbindung gebracht, jemanden oder etwas „loszuwerden“ oder „hinauszuwerfen“. Ursprünglich stammt diese Formulierung aus dem Restaurantgewerbe und kennzeichnete dort, dass ein Produkt nicht mehr verfügbar war. Die Zahl „47“ ist ein Verweis auf Trumps Präsidentschaft.

Comey beteuert seine Unschuld

„Die Bedrohung des Lebens des Präsidenten der Vereinigten Staaten wird vom Justizministerium niemals geduldet werden“, sagte der amtierende US-Justizminister Todd Blanche am Dienstag vor der Presse.

Die Bekanntmachung der Anklage kommt nur drei Tage nachdem ein mutmaßlicher Attentäter versucht hatte, Trump beim jährlichen Korrespondenten-Dinner in der US-Hauptstadt Washington zu ermorden. Es war bereits der dritte Attentatsversuch auf Trump innerhalb der letzten zwei Jahre. Der Vorfall hat in den USA eine neue Debatte über die Sicherheit des Präsidenten und anderer hochrangiger Po­li­ti­ke­r:in­nen ausgelöst.

Comey äußerste sich in einer Videobotschaft zur Anklage. „Ich bin nach wie vor unschuldig, ich habe nach wie vor keine Angst, und ich glaube nach wie vor an die unabhängige Bundesjustiz. Also, los geht’s“, sagte er.

Der frühere FBI-Direktor, der den Instagram-Post infolge eines öffentlichen Aufschreis nur wenig später wieder gelöscht hatte, wies die Anschuldigungen, dass er damit zur Gewalt gegen Trump aufrufen wolle, von Anfang an zurück. Er erklärte, dass ihm nicht bewusst gewesen sei, dass „eighty-six“ mit Gewalt in Verbindung stehe.

Bereits die zweite Anklage gegen Comey

Es ist die zweite Anklage gegen Comey in weniger als einem Jahr. Erst im vergangenen September wurde dem 65-Jährigen der Prozess gemacht. Da die zuständige Bundesstaatsanwältin in dem Fall jedoch unrechtmäßig von Trump eingesetzt worden war, wurde die Klage abgewiesen.

Jetzt also ein erneuter Versuch. Dabei ist unklar, ob diese jetzt Teil eines von Trump angekündigten Rachefeldzugs gegen politische Widersacher ist. Comey selbst deutete dies in seiner Videobotschaft am Dienstag an, als er sagte: „Und das wird noch nicht das Ende sein.“

Mit der Anklage gegen Comey im September hatte die US-Regierung erstmals das umgesetzt, was Trump schon im Wahlkampf versprochen hatte: Vergeltung. Comey war der erste Trump-Gegner, dem der Prozess gemacht wurde. Kurz vor der Anklage hatte Trump damals in einem Post in sozialen Medien gewettert, dass man endlich etwas gegen seine Gegner unternehmen müsse.

„Was ist mit Comey, Adam ‚Shifty‘ Schiff und Leticia (James)? Sie sind alle hochgradig schuldig, aber es wird nichts unternommen. […] Wir können nicht länger zögern, das schadet unserem Ruf und unserer Glaubwürdigkeit. Sie haben zweimal ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet und mich (fünfmal!) angeklagt! Wegen nichts“, so Trump damals in einem Post, der an die damalige Justizministerin Pam Bondi adressiert war.

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2 Kommentare

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  • Kindisch, trotzig , nicht nachvollziehbar: Man könnte meinen, alle in dieser Trump -Regierung befinden sich in einer Art kollektiver Pubertät.



    Hoffentlich besitzt (frei nach Jimmy Kimmel) Melanias Gesicht möglichst bald den „Glanz einer Witwe“, deren Mann eines natürlichen Todes gestorben ist.

  • "Der frühere FBI-Direktor, der den Instagram-Post infolge eines öffentlichen Aufschreis nur wenig später wieder gelöscht hatte, wies die Anschuldigungen, dass er damit zur Gewalt gegen Trump aufrufen wolle, von Anfang an zurück. Er erklärte, dass ihm nicht bewusst gewesen sei, dass „eighty-six“ mit Gewalt in Verbindung stehe."



    Hat er denn auch irgendwo mal gesagt, was er damit tatsächlich zum Ausdruck bringen wollte, oder blieb das so im Allgemeinen Unschuldsdementi?