RBB übernimmt Aufgabe bei ARD: Die Möglichkeit, etwas wiedergutzumachen
Eine neue Stelle der ARD soll intern für Struktur sorgen. Jemand vom RBB soll sie füllen – und damit beweisen, dass der Schlesinger-Skandal passé ist.
A ls ich in den 1980er Jahren Zivildienst in der Krankenheilanstalt am Rande der Stadt machte, gab es öfter folgendes Szenario. Wenn der Strom ausfiel, musste erstmal das Notfallaggregat gesucht werden. Das war aber nur bedingt abgestaubt und funktionierte eh nicht, weil meist kein Diesel im Tank war.
Damit so etwas heute besser läuft, gibt es dafür Business Continuity Management (BCM). Die ISO 22301-Norm definiert BCM als ein Managementsystem, das kritische Geschäftsprozesse bei Störungen aufrechterhält oder schnell wiederherstellt. BCM soll Organisationen in die Lage versetzen, Bedrohungen zu verstehen, deren Risiken zu minimieren und sicherzustellen, dass der Laden weiterläuft
Natürlich dürfen und müssen sich auch Medien-Unternehmen um Risikomanagement kümmern. Das gilt besonders für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, damit er weiter auf Sendung bleibt. Gern auch präventiv und nicht erst in der Katastrophe, Corona, die Flutkatastrophe an der Ahr und der Blackout in Berlin lassen grüßen.
Damit die ARD hier künftig besser aufgestellt ist, will der Anstaltsverbund bei seiner Intendant*innensitzung nächste Woche in Bonn eine entsprechende Position übergreifend für die gesamte Neunfaltigkeit ausrufen. Es gilt auch schon als gesetzt, welche Anstalt hier das Rennen macht und eineN der ihren schicken darf. Es ist der RBB.
Sender kann nebenbei noch eine schwierige Personalie lösen
Das kann entweder als nette Fiesigkeit interpretiert werden, so nach dem Motto: „Da habt ihr die Chance, den Flurschaden wieder auszugleichen, den Patricia Schlesinger & Co für das öffentlich-rechtliche Gesamtkunstwerk angerichtet haben“. Bezahlt werden soll die Stelle dann anscheinend auch vom RBB. Was ja tatsächlich einer kleinen Wiedergutmachung gleichkäme.
Es ist offenbar für den RBB selbst auch ganz plietsch. Denn wie aktuell niemand offiziell bestätigen mag, kann der Sender so nebenbei noch eine schwierige Personalie lösen. Der Job soll nämlich an den ehemaligen RBB-Chefredakteur David Biesinger gehen, der bislang interimistisch die Ressourcen in Berlin und Potsdam verwalten durfte.
Bei der Personalie klingt das so, als würde ein Manager gesucht, der mit komplexen Krisenszenarien seine ganz eigene Erfahrung hat, am besten schon mal professionell am Rand des Abgrunds stand und dort hineinlinsen konnte. Biesinger bringt auf jeden Fall die Chuzpe mit, dass er auch beim selbstverschuldeten Ausfall aller üblichen Abläufe durchkommt, den Kopf über Wasser hält und alle Krisen übersteht.
Doch das hat die ARD nicht verdient und so was ist auch nicht mit BCM gemeint. „Es braucht wen, der die ARD wachrüttelt und sich ernsthaft um die Aufgabe kümmert. Der mit Durchhaltevermögen gegen neun Windmühlen ankämpft und am besten von neun Anstalts-BCMs produktiv unterstützt wird“, sagt die Mitbewohnerin. Denn im Staatsvertrag steht dazu nix. Aber über den hinauszugehen ist ausdrücklich nicht verboten.
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