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Vergewaltigernetzwerke bei Telegram„Deliktstypisches Dunkelfeld“

Im Internet teilen Männer aus der ganzen Welt Videos, in denen Frauen betäubt und vergewaltigt werden. Warum ist es so schwer, das zu verhindern?

Schwer zu überprüfen: die App Telegram. Der Plattformbetreiber ist aber gesetzlich verpflichtet, Gewaltdarstellungen zu löschen
Anne Fromm

Aus Berlin

Anne Fromm

Die Dimensionen, die diese Art von Verbrechen hat, machen fassungslos, egal welchen Fall man sich anschaut: Gisèle Pélicot, die Französin, wurde über mindestens zehn Jahre von ihrem Ehemann betäubt, mindestens 82 Männer haben sie im bewusstlosen Zustand vergewaltigt.

Eine Gruppe von acht Männern, denen in den vergangenen Monaten vor deutschen Gerichten der Prozess gemacht wurde und wird, hat rund ein Jahr lang in einem kleinen geschlossenen Chat Videos und Fotos ausgetauscht, die zeigen, wie die Männer sedierte Frauen zum Teil brutal vergewaltigen. Auf den Handys der Männer fanden die Ermittler mehrere solcher Chatgruppen. Teilweise hatten sie 4500 Mitglieder.

Angesichts dieser Dimensionen ist es schwer nachzuvollziehen, wie solche Verbrechen so lange fast unbemerkt bleiben können. Das Bundeskriminalamt verweist auf taz-Anfrage auf das „deliktstypische Dunkelfeld“: Die meisten dieser Übergriffe fänden vor allem im familiären Umfeld oder im Bekanntenkreis statt. Weil die Opfer sediert sind, bekommen sie von den Straftaten häufig nichts mit – oder können mögliche Anzeichen nicht interpretieren. Die Polizei brauche aber Hinweise auf mögliche Straftaten, um reagieren zu können.

Was die Strafverfolgung zusätzlich erschwert, ist, dass die Chatgruppen häufig international organisiert sind. Das BKA arbeitet in diesen Fällen auch mit Europol zusammen.

Telegram löscht täglich

Der Plattformbetreiber Telegram ist gesetzlich verpflichtet, Gewaltdarstellungen zu löschen. Auf taz-Anfrage schreibt ein Sprecher, dass Telegram-Moderator:innen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die öffentlichen Inhalte der App beobachten und jeden Tag „Millionen schädlicher Inhalte“ löschten – einschließlich solcher, die zu sexualisierter Gewalt aufriefen. Auch Nut­ze­r:in­nen können strafbare Inhalte bei Telegram melden. Nur dürften die zumeist männlichen Mitglieder solcher Vergewaltigerchats selten ein Interesse daran haben, dass sie auffliegen.

Die Chatgruppe des Mannes, der nun in München verurteilt wurde, hat Telegram jedenfalls nicht aufgespürt. Sie ist aufgeflogen, weil sich einige Opfer an die Polizei gewandt hatten. Das Landeskriminalamt Hessen gründete daraufhin eine 40-köpfige Ermittlergruppe mit dem Namen „EG Inserat“, die die Chats ausgewertet und Kol­le­g:in­nen im Rest von Deutschland über die weiteren Verdächtigen informiert hat. Der Ermittlungsaufwand in diesem Fall war außergewöhnlich hoch.

Wie verbreitet diese Art von Verbrechen ist, lässt sich schwer sagen. Das Bundeskriminalamt hat keine konkreten Zahlen zu Chatgruppen oder Betroffenen. Die niedersächsische Justizministerin, Kathrin Wahlmann (SPD) sprach kürzlich davon, dass „Hunderte“ Männer ihre Partnerinnen betäubten, vergewaltigten und die Videos in Chatgruppen teilten.

Auf der letzten Justizministerkonferenz im November forderte Wahlmann daher, das Verbreiten von Vergewaltigungsvideos härter zu bestrafen. Die Beschlussvorlage wurde einstimmig angenommen. Nun muss der Bund ein entsprechendes Gesetz ausarbeiten.

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2 Kommentare

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  • Das zu verhindern ist deswegen so schwer, weil es offensichtlich so richtig Kohle für die Betreiber der Plattformen einbringt.

  • "Warum ist es so schwer das zu verhindern?", weil dann viel mehr Männer ihr Verhalten generell kritisch reflektieren und ihre Kumpels andees sehen müssten.

    Außerdem ist es bequem, Frauen die Schuld für männliche Gewalt zu geben. Wären sie nur mal "perfekt genug" gewesen um kein Opfer zu werden und hätten zu jeder Avance und jedem Typen "ja" gesagt. Dann wären sie zwar Huren, aber es gäbe keine Vergewaltigungen. /s

    Diese Welt ist so ermüdend. Es ist ein Wunder, dass es kaum Frauen gibt, die je Rache nehmen, wenn es Gerechtigkeit schon nicht gibt.