Uli Hoeneß beschwert sich über Schiri: Der ewige Schuldige
Es gab schon immer schlechte Schiedsrichterleistungen. Und schon immer haben sich vor allem die darüber beschwert, die am Ende verloren haben.
U li Hoeneß also mal wieder. Deutschlands vielleicht beliebtester Steuerhinterzieher hat wieder getan, wofür er berühmt und berüchtigt ist: Er hat einen rausgehauen. Nach dem 1:1 des FC Bayern München bei Bayer Leverkusen meinte der Ehrenpräsident des Rekordmeisters, dessen Worte vielleicht nicht immer klug, aber immer noch gewichtig sind in München: „Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe.“
Ja, da war etwas schiefgelaufen. Feldschiedsrichter Christian Dingert hat nach dem Spiel selbst eingestanden, dass die gelb-rote Karte, die der Luis Diaz wegen einer Schwalbe gezeigt hatte, wohl nicht angebracht war. Aber sonst? Es gab jede Menge enger und umstrittener Szenen, aber die Videobilder, die zu der Rücknahme von Toren oder der roten Karte von Nicolas Jackson geführt haben, waren nun wahrlich nicht falsch interpretiert worden.
Was hat Hoeneß da am Samstagnachmittag also gesehen, was den Schiedsrichtern und eigentlich allen anderen Beobachtern dieses Spiels entgangen war? Und bei welchen unterirdischen Schiedsrichterleistungen, von denen es in der Bundesligageschichte gewiss einige gab, hat er weggeschaut, um zu seinem Urteil zu kommen?
Fatale Fehlentscheidungen
Und hat er wirklich nie von jenem Spiel des SV Werder Bremen gegen Hannover 96 im Jahr 1975 gehört, bei dem Wolf-Dieter Ahlenfelder schon nach gut 30 Minuten zur Pause pfeifen wollte, weil er nach einem Malteser Schnaps und einem Bier zum Mittagessen nicht mehr ganz nüchtern war?
Ganz bestimmt war Hoeneß dabei, als Hans-Joachim Osmers 1994 im Spiel des FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg auf Tor für die Münchner entschieden hat, obwohl Thomas Helmer an selbigem vorbeigeschossen hatte. Das war wirklich ziemlich schlecht entschieden vom damaligen Schiedsrichtergspann. Aber es war eben nicht zuungunsten des FC Bayern, weshalb keine Lautsprechersprüche von Hoeneß in Richtung Osmers überliefert sind.
So ist das eben bei der Schiedsrichterkritik. Sie wird von denen besonders lautstark formuliert, die sich um Punkte betrogen fühlen. Die Versuche, durch den VAR Entscheidungen zu objektivieren, haben daran nichts geändert. Auch im modernen Fußball ist im Zweifel eben einfach der Schiri schuld, wenn das Ergebnis nicht stimmt. Daran können weder Fußballbösewicht Gianni Infantino noch die Regelverweser des International Football Association Board etwas ändern, die dem VAR immer mehr Eingriffe erlauben.
Was für eine schöne Konstante! Darauf ein Bier und einen Malteser Schnaps!
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert