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Der Gaza-Krieg in der KulturUnd wieder ein offener Brief

Über 80 Filmschaffende unterzeichnen einen offenen Brief an die Berlinale. Der Vorwurf: Das Festival positioniere sich nicht ausreichend zu Gaza.

dpa/taz | Etwa 80 Filmschaffende haben in einem im Branchenmagazin Variety veröffentlichten offenen Brief Kritik an der Berlinale geübt. Sie werfen dem Festival vor, zum Krieg in Gaza zu schweigen, während es sich zu anderen Konflikten – etwa in Iran oder in der Ukraine – klar positioniert habe. In dem Schreiben zeigen sich die Unterzeichner entsetzt über das „institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern“. Israel und die Bundesregierung weisen den Vorwurf des Völkermords zurück. Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag läuft eine von Südafrika angestrengte Völkermordklage gegen Israel. Wann das Gericht ein Urteil fällen könnte, ist unbekannt.

Unter den Unterzeichnenden finden sich Schau­spie­le­r:in­nen wie Tilda Swinton („The Room Next Door“) und Javier Bardem („No Country for Old Men“) sowie die Künstlerin Nan Goldin, deren Positionierung schon 2024 an der Berliner Nationalgalerie zu Konflikten führte.

Bereits zu Beginn des Festivals war die politische Debatte entbrannt: Jurypräsident Wim Wenders hatte Filmschaffende als Gegenpol zur Politik bezeichnet, was die indische Autorin Arundhati Roy dazu veranlasste, ihre Teilnahme abzusagen. Auch in dem offenen Brief stößt Wenders Haltung auf Kritik.

Tuttle verteidigt das Festival

Berlinale-Direktorin Tricia Tuttle verteidigte daraufhin das Festival. Sie betonte, dass dort freie Meinungsäußerung stattfinde, und schrieb: „Wir glauben nicht, dass es unter den hier vertretenen Filmschaffenden jemanden gibt, dem gleichgültig wäre, was in dieser Welt geschieht – jemanden, der die Rechte, das Leben oder das immense Leid der Menschen in Gaza und im Westjordanland, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Iran, in der Ukraine, in Minneapolis und an einer erschreckend großen Zahl weiterer Orte nicht ernst nähme“, so Tuttle.

Der Nahostkonflikt beschäftigt die als politisch geltende Berlinale schon länger. Nach der Abschlussgala 2024 war das Festival in die Kritik geraten, weil Preisträger Israels Vorgehen in Gaza angeprangert hatten, ohne den Hamas-Angriff vom Oktober 2023 zu erwähnen – eine Debatte, die bis hin zu Antisemitismusvorwürfen reichte.

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