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Trumps Verständnis von KlimapolitikStatt Millionen für die Wirtschaft dürfte es Klagen hageln

Nick Reimer

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Nick Reimer

US-Präsident leugnet die Klimakrise und kippt Schutzgesetze. Das ist Populismus und verachtet die Wissenschaft.

Die Trump-Regierung entzieht der EPA die Befugnis zur Regulierung der Klimaverschmutzung, am 12.2.2026 Foto: Will Oliver/imago

D as ist zweifelsfrei das Vorteilhafteste, was sich über sie sagen lässt: Populisten sind sehr leicht erkennbar. Einer ihrer Grundwesenszüge ist nämlich Wissenschaftsfeindlichkeit. Natürlich haben sie ein Recht auf eigene Meinung, ein Recht auf eigene Fakten gibt es aber nicht. Beispielsweise in der Physik.

Der Franzose Joseph Fourier beschrieb 1824 als Erster den atmosphärischen Treibhauseffekt, der Schwede Svante Arrhenius quantifizierte ihn 1896: Wenn sich die Konzentration in der Atmosphäre verdoppelt, steigt die globale Durchschnittstemperatur um mehrere Grad, Messdaten gibt es seit 1958. Der Amerikaner Charles Keeling baute auf dem damals erloschenen Vulkan Mauna Loa auf Hawaii eine Station auf, weil es hier im Umkreis von tausend Kilometer keine menschlichen Einflüsse auf das Messergebnis gibt. Maß er anfangs 315 Teile Treibhausgas pro Million Teile Luft – abgkürzt ppm: parts per million – so überstieg diese Konzentration in den 1970er Jahren die Marke 330 ppm.

Damals schlug die Wissenschaft Alarm, 1979 fand die erste World Climate Conference statt, der Deutsche Bundestag setzte eine Enquete-Kommission „Schutz der Erdatmosphäre“ ein, die Bundesrepublik gab sich 1990 ein erstes Reduktionsziel. Die UNO-Staaten gründeten den Weltklimarat IPCC, als dieser 1990 seinen ersten „Sachstandsbericht“ vorlegte, war endgültig klar: Nur ein konzertiertes Handeln kann die Gefahr stoppen. 1992 verabschiedeten alle Staaten der Welt die Klimarahmenkonvention, damit weltweiten Klimaschutz. Die Treibhausgaskonzentration lag da schon bei 354 ppm.

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Trotzdem kippten jetzt US-Präsident Donald Trump und seine Clique per Executive Order die sogenannte Gefährdungsfeststellung der US-Umweltbehörde EPA aus dem Jahr 2009. Diese war das rechtliche Fundament fast aller Bundesvorschriften zur Reduzierung von Treibhausgasen. Großmaul Trump spricht von „Billionen für die amerikanische Wirtschaft“. Tatsächlich wird die Auswirkung überschaubar bleiben. Erstens werden all jene Firmen, die weiter auf dem globalisierten Mark Handel treiben wollen, an strengeren Klimaschutzvorschriften festhalten, wie etwa in der EU und Japan.

Zweitens wird der Vorgang eine Klagewelle in den USA auslösen. Grundlage der „Gefährdungsfeststellung“ war 2007 ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, das Rechtsgeschichte in den USA schrieb: Treibhausgase werden als Luftschadstoffe betrachtet und fallen in die Zuständigkeit der Clean-Air-Act-Gesetze der Bundesstaaten. Die Klagewelle wird drittens der US-Wirtschaft Unsicherheit bringen und damit höhere Kosten verursachen. Klimafreundliche Innovation, Produkte für die Märkte der Zukunft, dürften es jetzt schwerer haben.

Viertens schließlich – und das ist entscheidend – liegen die Messergebnisse mittlerweile bei 423 ppm. Das entspricht 1,5 Grad mehr. Weil wärmere Luft mehr Wasserdampf speichert, werden extreme Unwetter häufiger. Aber Trump und seine Populisten werden in der nächsten Katastrophe einen neuen Dreh wissenschaftlicher Verkennung finden.

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Nick Reimer
Seit 1998 bei der taz (mit Unterbrechungen), zunächst als Korrespondent in Dresden, dann als Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Energie, Klima und Landwirtschaft, heute Autor im Zukunftsressort.
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7 Kommentare

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  • US-Präsident leugnet die Klimakrise und kippt Schutzgesetze. Das ist Populismus und verachtet die Wissenschaft.



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    Nicht nur das o.a., sondern auch die reale Wirtschaft!



    Mal versuchen U-SA Autos als "Dreckschleudern" in der EU abzusetzen! Die kannst Du nur noch als Blumenkästen im Vorgarten verwenden,



    Na ja, so ein Pick-up hat ja 'ne große Ladefläche! :-(



    Wenn dann noch, nicht nur bei Autos, noch Lieferkette, CO² bei der Herstellung usw. mit gesehen wird, war es das mit dem EXPORT U-SA heimischer Produkte!



    Mein Fazit: Auf denn, Nr. 47 & Gang! Ihr schaffte das! Erst wenn der letzte Wal verbrannt, der letzte Fluss trocken oder verdreckt ist, wird auch der letzte Milliardär bei Euch, merken, dass Ihr aus Nr. 47 keine Hamburger machen könnt!

  • Alle sachlichen Argumente interessieren irre Populisten wie Trump und Konsorten nicht. Es geht ihnen ohnehin nur um sie selbst, wie man ja bei der Masernepedemie in Amerika sieht. Es ist gut, dass Merz da bei der Sicherheitskonferenz deutliche Worte gefunden hat und es bleibt zu hoffen, dass Europa jetzt ernst macht.

  • "Das ist Populismus und verachtet die Wissenschaft"



    Die Demontage durch Disruption in d. antidemokratischen Diskursverschiebung durch POTUS & Cie.



    "Fehlendes Wissen: Mit der Pfadabhängigkeit verbunden ist häufig ein Silodenken, also das Verlassen auf die vermeintlichen Wahrheiten der eigenen Disziplin. Doch unzählige wissenschaftliche Studien und Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass komplexe Probleme besser inter- oder vielleicht sogar transdisziplinär gelöst werden.



    Für beide Herausforderungen gibt es geeignete Ansätze. Um Transformationen zu identifizieren, zu messen und in einen Bezug zum Raum zu setzen, orientiert man sich am besten am Prinzip der Reflexivität. Also der relationalen, reaktiven gegenseitigen Beeinflussung; der Eigenschaft des sich aufeinander Beziehens und Rückbeziehens."



    dabonline.de



    Da sehe ich das Problem einer Regierung, u.a. in d. Spitze mit u. aus alten weißen Männern, die sich ihre Welt mit monströsen Autos und Energie aus Kohleförderung vorstellen können u. selbst proaktiv durch Nepotismus in einer fortgeschritten etablierten Plutokratie "glänzen".



    Int. Klagen gegen diese "Strippenzieher:innen" bei Hitzetod in Städten und Artensterben wären optional.

  • "US-Präsident leugnet die Klimakrise und kippt Schutzgesetze. Das ist Populismus und verachtet die Wissenschaft. " Nein das ist einfach nur kriminell und gehört bestraft. Die Bestrafung sollte nich tnur auf den Präsident abzielen, sondern viel mehr auf die Helfershelfer. Denn ohne diese könnte Trump nichts umsetzen. Ja, flutet die Gerichte mit Klagen.

    • @Sonnenhaus:

      Und eine weitere "Bestrafung" wäre das strikte Vermeiden möglichst vieler Produkte "Made in USA". Ein Sprichwort, das hier sehr gut passt: "Viele Wenig ergeben ein Viel".

  • Andere sind nicht ganz so optimistisch, was die Klagen angeht. Der Supreme Court hat wohl damals knapp entschieden und seitdem sind konservative Richter dazu gekommen. Aber noch gilt die Entscheidung von 2007 und untere Instanzen werden die berücksichtigen. Solange der Inlandsmarkt noch unterschiedlich ist (u.a. Kalifornien) werden die Auswirkungen eher gering bleiben.

    Wenn man sich aber ansieht, was sonst noch passiert ist, ZB in Bezug auf "Clean Coal", wird einem anders. Auf der Webseite des Weißen Hauses wird rücksichtslose Propaganda für den Präsidenten gemacht. Frühere Regulierungen werden als "War on Coal" von den Radikalen Linken tituliert.

    Bis dahin, dass er gestern das Kriegsministerium angewiesen hat, Kohle zu nutzen. Man kann sich vorstellen, wie die Generäle / Admirale gucken, wenn sie überlegen müssen, wo sie Kohle einsetzen können. Endlich wieder kohlebefeuerte Dampfschiffe, um die gute alte Zeit zurückzuholen.

  • "die Bundesrepublik gab sich 1990 ein erstes Reduktionsziel".

    ... und verwässerte es kurz danach durch de Einbeziehung er ex-DDR, in den alten Bundesländern galten damit mildere Ziele.

    Insgesamt wurde das Ziel dann von der Regierung Schröder/Trittin gebrochen. Darüber wurde aber kein großen Aufheben gemacht, weil man sich nun schon ein neues Ziel gesezt hatte, das etwas weiter in der Zukunft erreicht werden sollte.