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V-Mann in Bremen enttarntLinke Ak­ti­vis­t:in­nen vom Verfassungsschutz bespitzelt

Ein V-Mann bespitzelte über sieben Jahre lang die Interventionistische Linke in Bremen. Die Kriminalisierung von linkem Protest hat System.

Im Blick der Behörden: Antifaschisten Foto: Eibner/imago

Die Bremer Interventionistische Linke (IL) hat nach eigenen Aussagen Anfang Januar einen V-Mann enttarnt. Dieser soll sich seit Ende 2017 alle zwei bis vier Wochen mit dem Verfassungsschutz getroffen haben. Die IL versteht sich als „linksradikal und undogmatisch“ und damit als Teil eines bundesweiten Bündnisses zur Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Auf Anfrage der taz bezeichnet der Verfassungsschutz den Einsatz von Vertrauenspersonen als „unerlässlich“. Die IL habe ein „taktisches Verhältnis zu Gewalt“: Auch wenn sie selber nicht gewalttätig sei, vermeide die Gruppe „ein klares Bekenntnis zur absoluten Gewaltfreiheit“. Teilweise arbeite sie sogar mit gewalttätigen Ak­teu­r*in­nen zusammen. „Gewalttaten nimmt sie bei Protesten in Kauf, sie bietet ihnen eine Plattform“, so eine Sprecherin des Verfassungsschutzes.

Die IL ist vor allem an der Planung großer Aktionen beteiligt. Beispiele aus dem vergangenen Jahr sind die Proteste gegen den AfD-Parteitag in Riesa oder gegen die Gründung der AfD-Parteijugend in Gießen. Bei diesen Protesten kam es tatsächlich zu Gewalt, diese ging jedoch fast ausschließlich von Po­li­zei­be­am­t*in­nen aus.

Die Praxis der sogenannten „Vertrauenspersonen“ ist hoch umstritten – spätestens seit der Aufarbeitung der NSU-Morde, allerspätestens seit öffentlich wurde, dass der ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen nach rechtextremen und verschwörungsideologischen Aussagen selber als Rechtsextremist geführt wird.

Angriff auf Persönlichkeitsrechte

Der Einsatz von „Vertrauenspersonen“ wird jedoch auch aufgrund seiner sozialen Dimension kritisiert: Wenn In­for­man­t*in­nen über Jahre hinweg Freundschaften aufbauen, politische Beziehungen pflegen und persönliche Nähe simulieren, entsteht ein massiver Vertrauensbruch, nicht selten auch ein Angriff auf Persönlichkeitsrechte.

Der enttarnte V-Mann war mehr als sieben Jahre lang in der IL und weiteren Bremer Politgruppen organisiert. Sieben Jahre wöchentliches Plenum, gemeinsam diskutieren, streiten, Konsens finden, sieben Jahren Protestaktionen vorbereiten, auf Demos gehen, gemeinsam wütend, aufgeregt, traurig, empört, erleichtert sein.

Der V-Mann soll in dieser Zeit enge Freundschaften innerhalb der Gruppe geschlossen, Liebesbeziehungen geführt haben. „Wir sind schockiert, fassungslos, traurig und wütend über diesen Verrat“, heißt es in einem Statement der IL.

Der Fall der verdeckten Ermittlerin, die über sechs Jahre lang die Rote Flora in Hamburg überwacht hatte, hat gezeigt, wie anhaltend traumatisierend der Einsatz von „Vertrauenspersonen“ für die Betroffenen sein kann. Dort konnten Betroffene teilweise erfolgreich klagen.

Bundesweit wird verstärkt über die Überwachung linker Strukturen und politische Repression diskutiert

Die Veröffentlichung des Bremer Falles kommt zu einer Zeit, in der bundesweit verstärkt über die Überwachung linker Strukturen und politische Repression diskutiert wird. In Hamburg müssen zukünftige Be­am­t*in­nen nun unterschreiben, dass sie keinem „Personenzusammenschluss“ angehören, den der Verfassungsschutzbericht erwähnt.

Als der Linken-Abgeordnete Deniz Çelik die Pläne des rot-grünen Senats für eine Regelanfrage kritisierte, wollte ihn das Landesamt für Verfassungsschutz verklagen. Bei der Regelanfrage geht es darum, Bewerber für den öffentlichen Dienst vom Verfassungsschutz abklopfen zu lassen. Die Klage wurde mittlerweile zurückgezogen.

Fast zeitgleich wurden der Roten Hilfe alle Konten gekündigt. Regelmäßig wird – nach US-amerikanischem Vorbild – ein Antifa-Verbot gefordert. Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz kündigte die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) an, in Zukunft noch härter gegen „die Antifa“ vorgehen zu wollen.

Senatorin verweist auf Berliner Anschlag

Dem Neuen Deutschland gegenüber verweist die Bremer Innensenatorin Eva Högl (SPD) in einer Stellungnahme zum V-Mann in der Bremer IL ebenfalls auf den Anschlag auf das Berliner Stromnetz. Es ist nach wie vor unklar, wer verantwortlich für den Brandanschlag ist.

Für die Bremer Interventionistische Linke beginnt die Aufarbeitung jetzt erst. Die Menschen, die mit dem enttarnten V-Mann teilweise über sieben Jahre lang enge Freundschaften geführt, sich gemeinsam ehrenamtlich gegen die AfD, den Klimawandel oder globale Ungerechtigkeit engagiert, teilweise auch mit ihm zusammengelebt haben, sind momentan noch nicht bereit, sich öffentlich zu dem Fall zu äußern.

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2 Kommentare

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  • In diesem Land ist ja wirklich alles ordentlich geregelt - so auch die Bezahlung:



    "Die auszahlenden staatlichen Stellen führen 10 Prozent der Prämiensumme an die Finanzkassen der Länder als pauschale Versteuerung ab. Zahlungen können sowohl bar als auch per Überweisung erfolgen, wobei ersteres die Regel ist. Der Bargeldempfang ist durch die V-Person grundsätzlich zu quittieren. Vor Steuer- und anderen Behörden dürfen V-Leute ihre erhaltenen Zahlungen nicht offenlegen, weil sie bei Anwerbung verpflichtet werden, über ihre Zusammenarbeit mit Nachrichtendiensten Verschwiegenheit zu wahren." (Wikipedia)



    Beneidenswert: Nur 10 % Steuern!!!



    Weniger beneidenswert: Ein verpfuschtes Dasein!!!

  • Die Infiltration von relevanten Gruppen ist gängige Praxis von Geheimdiensten und insgesamt für diese nicht billig.



    Die IL darf sich zu Gute halten und sich damit trösten, dass sie mit der beschriebenen Enttarnung einen offensichtlichen Beleg dafür hat, dass sie und ihr Wirken als Gruppe nicht irrelevant ist.

    Könnte es sein, dass Sie in obigem Beitrag weder Namen noch Konterfei der betreffenden Person nennen oder zeigen, weil sie deren Persönlichkeitsrechte schützen (müssen)?