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Neustart für die Saar-GrünenLangjähriger Dominator abgestraft

Das Oppositionslager setzt sich gegen den ehemaligen Anführer Hubert Ulrich durch. Spitzenkandidatin wird die 31-jährige Juristin Lisa Becker.

Christoph Schmidt-Lunau

Aus Frankfurt und Main

Christoph Schmidt-Lunau

„Es gibt kein Zurück in die alten Zeiten.“ Lisa Becker klingt erleichtert. Die Dominanz des langjährigen Ex-Landeschefs der Saar-Grünen, Hubert Ulrich, scheint überwunden. In Spiesen-Elversberg hat die 31-Jährige bei der Grünen-Wahlkreisversammlung am Samstag 33 von 45 Stimmen erhalten. Sie kandidiert nun als Nummer eins in „ihrem“ Wahlkreis.

Und seit zwei Wochen ist Becker auch bereits Grünen-Spitzenkandidatin auf der Landesliste. In einer Kampfabstimmung hatte sie sich mit 111 zu 80 Stimmen gegen die Vize-Landesvorsitzende Kiymet Göktas aus Saarlouis durchgesetzt, einer Ulrich-Vertrauten. Über die Landesliste zieht im Saarland aber nur ein Fünftel der Abgeordneten in den Landtag ein. Entscheidend sind die Wahlkreise.

Die Wahl am Samstag war die letzte von vier wichtigen Wahlgängen. Nur in Saarlouis siegte Göktas, alle anderen wichtigen Positionen erstritten Mitglieder der Ulrich-Opposition. Den aussichtsreichen Platz zwei im Wahlkreis Neunkirchen erhielt der Sprecher der Grünen Jugend, Santino Klos. Der 18-Jährige gehört wie auch die Spitzenkandidatin im Wahlkreis Saarbrücken Anne Lahoda zum „Grünen-Bündnis-Saar“, in dem sich die parteiinterne Opposition gegen Ulrich formiert hatte.

Frühere Grünen-Chefin nennt Neustart „historisch“

Als „historisch“ begrüßte denn auch die frühere Bundesvorsitzende der Grünen, Simone Peter, die Entwicklung. Sie kennt die trüben Verhältnisse in ihrem einstigen Landesverband aus ihrer Zeit als Umweltministerin im Saarland.

Über drei Jahrzehnte gab der heute 64-jährige Ulrich den Dominator bei den Saar-Grünen: Gegen die Stimmung in der Partei hatte er 2009 eine Jamaika-Koalition mit CDU und FDP eingefädelt. Immer wieder sorgte er für Negativschlagzeilen. Mal hatte Ulrich günstig erworbene Dienstwagen mit Profit verkauft, mal musste er einräumen, eine Spende von einem bekannten Unternehmer und FDP-Politiker angenommen zu haben.

Nach dem Misserfolg bei der Landtagswahl 2017 zog er sich aus der Landespolitik zurück, um vier Jahre später ein spektakuläres Comeback hinzulegen. Er ließ sich zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl wählen. Die parteiinterne Opposition focht die Wahl jedoch an und bekam vor den Parteigerichten Recht. Die zweite Landesliste, ohne Ulrich, scheiterte aber am Bundeswahlleiter, weil man Ulrichs Delegierte aus Saarlouis bei der Wahl ausgeschlossen hatte. Die Grünen standen so im Saarland nicht auf den Wahlzetteln zur Bundestagswahl.

Für dieses Desaster macht das Grüne-Bündnis-Saar Ulrich verantwortlich. Er selbst wirft seinen Gegnern „undemokratische Machenschaften“ vor. Ein Ulrich-Porträt im Online-Auftritt des Saarländische Rundfunks trägt allerdings den Titel: „Der Totengräber“.

Becker wirbt um enttäuschte Grünen-WählerInnen

Lisa Becker, die neue Nummer eins der Saar-Grünen, sieht nun gute Chancen, nach der Wahl am 27. März in den Landtag einzuziehen. Die Juristin, die beim Landkreistag arbeitet, bekommt es allerdings mit neuer Konkurrenz zu tun. Auf der Liste „Bunt.Saar“ kandidieren von Grünen und Linken enttäuschte KlimaschützerInnen. Becker sagte dazu der taz: „Ich denke, wenn sie wieder das Original wählen können, werden viele bei uns ihr Kreuz machen.“

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4 Kommentare

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  • EX oder HOPP ? "langjähriger Ex-Landeschef" oder doch langjähriger Landeschef ? Langjährig Ex sind wir fast alle, bei fast allem, was in unserm Leben mal war.

  • „Die Dominanz des langjährigen Ex-Landeschefs der Saar-Grünen, Hubert Ulrich, scheint überwunden.“ Gott sei Dank. Die Victor's Residenz-Hotel Kette werden Ulrich schmerzlich vermissen. Ulrich wusste sehr wohl, welche Interessen er vertrat, nicht den Grünen, sondern ehr der Wirtschaft und den Hoteliers.

  • Eine gute Entscheidung...., denke ich mal.

  • "Lasset Juristen, Pfaffen,Lehrer und Beamte um mich sein".



    Könnte als Wahlspruch über jedem deutschen Parlamentsgebäude stehen. Und Regierungsmotto ist es sowieso.