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Richard Rother über die Kehrtwende von VWDas Ende des Diesels

Die Kosten des Abgasskandals beschränken die Möglichkeiten für Zukunftsinvestitionen

Wenn Volkswagen hustet, fürchtet Niedersachsen eine Grippewelle, und ganz Deutschland muss sich warm anziehen. Heute steht in Hannover die Hauptversammlung des wichtigsten europäischen Autokonzerns an – und die Nachrichten im Vorfeld sind atemberaubend. Zunächst sind da die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Marktmanipulationen gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. Zudem stellt Konzernchef Matthias Müller eine Technologie in Frage, die das Rückgrat des Unternehmens ist: den Pkw-Dieselmotor. Beide Nachrichten haben das Zeug, den Wolfsburger Konzern durcheinanderzuwirbeln – mit allen Konsequenzen für Standorte, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

Die Ermittlungen beziehen sich auf den Umgang des Managements mit der Affäre um die Betrugssoftware in Dieselmotoren, die die Abgaswerte verfälscht. Der Vorwurf: Das Management hätte den Betrug, der den Aktienkurs beeinflusst, früher publik machen müssen. Die Ermittlungen steigern die Chancen auf Schadenersatz, den institutionelle Anleger von VW für erlittene Kursverluste verlangen. Damit würde der Abgasskandal immer teurer, und für Zukunftsinvestitionen fehlt das Geld.

Für diese aber bräuchten die Wolfsburger jede Million, wenn sie das Ende des Diesels verkünden. Denn die Alternative, das Elektroauto, ist noch nicht massentauglich. Es ist zu teuer und hat eine zu geringe Reichweite. Dennoch muss sich VW dieser Herausforderung stellen, um nicht die Zukunft zu verschlafen. Auch der Entwicklung eines selbstfahrenden Autos, die nichts anderes ist als ein sinnloser technologischer Krieg mit den superreichen Konzernen aus dem Silicon Valley, kann VW nicht aus dem Weg gehen. Kein Autofahrer braucht solche Pkws – aber wenn sie den Amerikanern gelingen, wird es einen so großen Hype darum geben, dass jeder Konzern alt aussieht, der sie nicht im Portfolio hat. In Wolfsburg fangen die turbulenten Zeiten erst an.

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