Kahns Kritik an Musiala: Hat da jemand was gesagt?
Oliver Kahn rät Jamal Musiala, auf die WM-Teilnahme zu verzichten. Doch dem ist das ziemlich egal. Stattdessen zeigt er sich auf St. Pauli in Topform.
O b er im Stadion war? Unwahrscheinlich. Jedenfalls hat ihn keine der vielen Fernsehkameras am Hamburger Millerntor eingefangen. Überhaupt sieht man Oliver Kahn nur noch selten im Stadion, seit er vor drei Jahren vor dem letzten, entscheidenden Spieltag als Bayern-Vorstand, unsanft vor die Tür gesetzt worden war.
Was er seitdem so gemacht hat? Hm, ehrlich gesagt: keine Ahnung. Ungewöhnlich still ist es um den sonst stets im Mittelpunkt stehenden Ex-Titan geworden. Zuletzt beglückte er mal zwei Kollegen der Süddeutschen Zeitung mit einem ausführlichen Interview, fand offenbar wieder Gefallen an der Öffentlichkeit und sprach wenig später auch noch in einem Fußball-Talk des Senders Sky.
Dabei legte er Jamal Musiala, Deutschlands mit großem Abstand bestem Fummler, wegen dessen nur gemächlich ansteigender Formkurve nach Wadenbeinbruch und Bänderrissen einen WM-Verzicht nahe. Das ist schon lustig. Man stelle sich nur mal vor, irgendein Todesmutiger hätte Kahn mal vorschlagen, die nächste WM doch lieber vom Sofa aus zu verfolgen – mit einem Happs hätte er den Unverschämten umgehend von der Bildfläche verschwinden lassen.
Musialas Topspiel auf St. Pauli
Gegenwind war Kahn schon immer gewohnt, ja man kann wohl sagen, dass ihm diese ganze Fußballspielerei ohne das ewige Contra von allen und jedem nur halb so viel Spaß gemacht hätte. Nach dem 5:0 des FC Bayern auf St. Pauli war klar, dass niemand bei klarem Verstand Kahn beipflichten würde. Das 1:0 nach neun Minuten? Kopfball Musiala. Um ein Haar das 2:0 nach 28 Minuten? Flachschuss Musiala, Innenpfosten, raus. Der Steckpass zu Jacksons 4:0 nach 65 Minuten? Musiala.
Davor und danach: Dribblings und Spielfreude fast wie in alten Zeiten. Die meisten Zweikämpfe? Musiala. Da freut sich einer jetzt schon auf den Knaller gegen Real Madrid und – falls die Unberechenbaren am Mittwoch tatsächlich besiegt werden – auf die fünf bevorstehenden englischen Wochen. Perfekter Formaufbau zur XXL-WM hin, bei der viele Kollegen dagegen müde sein werden. WM-Verzicht? Da lachen ja die Hühner.
Nicht gelacht, sondern ein bisserl gegen den Ex-Teamkollegen gestänkert hat derweil Lothar Matthäus: „Für mich eine unverständliche Aussage, überflüssig.“ Leon Goretzka springt seinem Mitspieler ebenso bei wie Kapitän Manuel Neuer. Letzterer: „Jamal ist ein Spieler, der Spiele allein gewinnen kann.“
Musiala selbst sagt zu dem kuriosen Vorschlag seines ehemaligen Chefs nur: „Ich hab’ nicht gelesen, was er gesagt hat.“ Warum sollte er auch?
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