Zweierlei Maß bei Shishabars: Rauchende Ressentiments

Wer den Betrieb von Shishabars erschwert, braucht gute Gründe. Hamburgs Behörden sind aber verdächtig wortkarg. Geht es gar nicht um die Gesundheit?

Rauch steigt aus einer Wasserpfeife.

Rauch aus dem Wasser: Pfeife in einer Shishabar Foto: Soeren Stache/dpa

Klar: Man kann es wohlwollend betrachten. Dann tut Hamburg der Gesundheit seiner Bewohner*innen etwas Gutes, wenn es den Betrieb von Shishabars derzeit noch nicht wieder erlaubt, oder genauer: Öffnen können sie, aber die Pfeifen nicht betreiben. Zumal es ja gerade jüngere Menschen sind, die solche Lokale aufsuchen – und bekanntlich nicht wissen, was gut für sie ist.

So betrachtet, müsste man sich dann umso mehr wundern übers Laisser-faire im nördlichen Nachbar-Flächenland: Schleswig-Holstein. Waren das nicht die, die bei Pandemiebeginn ihre Brücken hochzogen, ihre Grenzen dichtmachten? Und ausgerechnet da ist man nun entspannter als in der ach so liberalen Metropole? (Übrigens auch entspannter als das Land Niedersachsen, wo laut der jüngsten „Verordnung über infektionsschützende Maßnahmen“ von Anfang dieser Woche „Einrichtungen, in denen Shisha-Pfeifen zum Konsum angeboten werden“, fürs Publikum geschlossen bleiben.)

Man mag in den vielerorts so populär gewordenen Shishabars die pure Dekadenz erkennen oder schnöde Geldwäschesalons, Bühnen für toxische Geschlechterrollen oder Symbole eines voranschreitenden politischen Islams; man mag sich aufrichtig ums Wohl der Jugend sorgen. Aber: Menschen das Betreiben ihrer Geschäfte zu verunmöglichen, sofern die legal sind: Dafür muss hierzulande ein triftiger Grund bestehen; das hat wiederum gute Gründe.

Wenn dann Hamburgs Gesundheitsbehörde auf Nachfrage nicht recht zu sagen weiß, was genau so besonders gefährlich ist am Geschäft mit den Wasserpfeifen: Dann machen die Verantwortlichen sich an sehr zentraler Stelle angreifbar.

Und sie nähren die heute so schnell ins Kraut schießenden Vermutungen: Dass es bei der besonderen Strenge gar nicht um den Kampf gegen das Virus geht, sondern um etwas ganz anderes: Darum, es denen schwer zu machen, deren Geschäfte uns fremd sind, ja: die – vermeintlich – hier gar nicht hingehören.

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Wollte irgendwann mal Geisteswissenschaftler werden, ließ mich aber vom Journalismus ablenken. Volontär bei der taz hamburg, später stv. Redaktionsleiter der taz nord. Seit Anfang 2017 Redakteur gerne -- aber nicht nur -- für Kulturelles i.w.S.

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