Zukunft von Volkswagen: VW-Vorstand verspielt Vertrauen
100.000 Jobs stehen auf dem Spiel. Bei Besuchen in Wolfsburg und Braunschweig wollte VW-Chef Blume Klarheit schaffen – konnte aber kaum überzeugen.
Foto: Liesa Johannssen/reuters
Ihr Vertrauen in den VW-Vorstand ist erschüttert, das machte Daniela Cavallo bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg deutlich. Cavallo steht an der Spitze des Gesamtbetriebsrats bei Volkswagen, und sie spart kaum mit Kritik an Vorstandschef Oliver Blume. „Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten“, sagte Cavallo am Dienstag. Die Beschäftigten reagierten mit brandendem Beifall, wie Teilnehmer:innen der Versammlung dem NDR erzählten.
Richtig viel sagte Blume am Dienstag tatsächlich nicht, zumindest nicht viel Konkretes. Die Führungsriege des großen Autobauers Volkswagen rechne weiterhin mit dem zusätzlichen Abbau von rund 50.000 Stellen, etwa die Hälfte dieser Stellen werde voraussichtlich in Deutschland gestrichen, teilte Blume in Wolfsburg mit. Die Zahl war schon im Juli durchgesickert, der geplante Abbau weiterer 50.000 Jobs wiederum schon länger bekannt – insgesamt sollen also etwa 100.000 Arbeitsplätze wegfallen.
Blume bemühte sich nun jedoch, die 50.000 nicht als gesetzte Zielmarke zu verkaufen. „Sie ist eine theoretische Rechengröße – abgeleitet von unseren Kosten“, gab Blume weiter an. Was genau das für die Stellen heißt, die auf dem Spiel stehen? Das ließ der Vorstand am Dienstag offen. Blume sagte, das Ziel sei es, „in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen“.
Für die VW-Werke in Emden, Hannover, Zwickau und das Werk der VW-Tochter Audi in Neckarsulm lasse sich noch keine „wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er Jahre darstellen“, wiederholte Blume. „Das heißt aber nicht, dass Werkschließungen beschlossen sind.“ Schon im Juli hingegen hatte das Management probiert, Sparmaßnahmen durchzudrücken, die auf Werkschließungen hinauslaufen würden – war damit allerdings im Aufsichtsrat gescheitert.
Blume reist Mittwoch nach Emden und Zwickau
Nun waren die Betriebsversammlungen in Wolfsburg und Braunschweig am Dienstag der Auftakt einer Reihe von Besuchen des Vorstands an verschiedenen VW-Standorten, von denen sich viele Beschäftigte Klarheit versprochen hatten. Am Mittwoch reisen Blume und VW-Markenchef Thomas Schäfer zur Belegschaft ins ostfriesische Emden, dann nach Zwickau in Sachsen.
Am 4. September kommt der Aufsichtsrat erneut zusammen und da wird Blume wohl einen neuen Anlauf für sein Kürzungspaket starten – trotz aller Mühen, die Wogen zu glätten. Konzerninsider berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, dass sowohl die Arbeitnehmervertreter:innen als auch das Land Niedersachsen, zweitgrößter VW-Aktionär nach der Familie Porsche/Piëch, jeweils eigene Konzepte vorlegen werden. (mit Agenturen)
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