Wohnungsmarkt in Brandenburg: Außerhalb des Speckgürtels wächst der Leerstand
Lange Zeit schien ganz Brandenburg zu wachsen. Nun wird die Schere zwischen Speckgürtel und Peripherie größer. Das hat Folgen für den Wohnungsmarkt.
Foto: Eibner/imago
Mehr als 15 Prozent der Wohnungen stehen leer in Eisenhüttenstadt. Und das, obwohl in der Vergangenheit zahlreiche Wohnungen abgerissen wurden. Für Maren Kern, Vorständin des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU, ist das aber nur die Spitze des Eisbergs. „Wir haben in Brandenburg demografisch schwierige Regionen“, sagt sie bei der Jahrespressekonferenz Brandenburg des BBU am Dienstag.
Tatsächlich wächst der Leerstand nicht nur in Eisenhüttenstadt, das mit 24.000 Menschen seine Einwohnerzahl seit der Wende mehr als halbiert hat. Fast jede zehnte Wohnung steht inzwischen leer im sogenannten „weiteren Metropolenraum“, also jenseits des Berliner Speckgürtels. Für Kern ist das auch ein Alarmsignal. Sie spricht von einer „Negativspirale, in der Bevölkerungsrückgang, der Verlust von Infrastruktur und wachsender Leerstand einander verstärken“.
Lange Zeit hatte es den Anschein, als würde sich die Schere zwischen dem Berliner Umland und den berlinfernen Regionen langsam schließen. Nun aber zeichnet sich ab, dass die Bevölkerungsentwicklung auch innerhalb der Landkreise weit auseinandergeht. In Erkner, das ebenso wie Eisenhüttenstadt zum Landkreis Oder-Spree gehört, beträgt die Leerstandsquote nur 1,6 Prozent.
Wohnungsleerstand und Wohnungsnot gehören also gleichermaßen zu Brandenburg. Im Berliner Umland, wo es schon lange schwerfällt, eine Wohnung zu finden, könnte sich die Lage bald noch verschärfen. Denn die Zahl der Investitionen ist im Jahr 2025 erstmals zurückgegangen. Das betrifft vor allem den Neubau. Dort beträgt der Rückgang mit 28,9 Prozent fast ein Drittel.
Investitionen gehen zurück
Aber auch in Modernisierung wird weniger investiert. Hier beträgt der Rückgang zwar nur 2,2 Prozent. Doch viele Vorhaben würden derzeit ausgesetzt, sagt Kern zu einer Befragung der 200 Mitgliedsunternehmen, die mit 317.000 Wohnungen 40 Prozent des Brandenburger Mietwohnungsbestands repräsentieren. „Zwei Drittel der Befragten stellen energetische Sanierungsmaßnahmen teilweise zurück“, so Kern. Auch der altersgerechte Umbau von Wohnungen sei davon betroffen.
Für die oft kommunalen Wohnungsunternehmen seien vor allem die Preissteigerungen im Bau, aber auch die Zinsbelastungen ein Problem. „Bezahlbar sein wird immer teurer“, schlussfolgert Kern und fordert ein Aufstocken der Wohnungsbauförderung. „Damit zusätzliche Wohnungen zu sozialen Mieten entstehen können, muss die Förderung die Finanzierungslücke schließen und mit den Baukosten wachsen.“
In den berlinfernen Regionen müsse sich die Politik darauf konzentrieren, die Abwärtsspirale zu stoppen. Dazu gehörten „verlässliche Bildungs- und Gesundheitsangebote, gute Verkehrsanbindungen und ein vielfältiges Wohnungsangebot“.
Ob die Vergesellschaftungspläne in Berlin sich auf das Umland in Brandenburg auswirken, wollte oder konnte Kern nicht prognostizieren. „Das wird den Druck natürlich erhöhen“, sagte sie nur.
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