Windenergie auf See: Offshore-Windbranche fürchtet um Zehntausende Jobs
Früher verzichtete sie auf Förderung. Jetzt aber will die Branche mehr Geld für Windenergie auf See – sonst gehe Wertschöpfung an Deutschland vorbei.
Die Branche der Offshore-Windkraft sorgt sich um den Bestand ihrer Arbeitsplätze. Während sich die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) noch im parlamentarischen Verfahren befindet, rechnet der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) vor, dass bei unzureichender Förderung bis 2045 rund 21.000 der heute bestehenden Vollzeitstellen wegfallen könnten.
Zudem würden 92.000 zusätzliche Jobs nicht entstehen, wenn der Ausbau nicht wie geplant von heute gut 11 Gigawatt Anlagenkapazität auf 70 Gigawatt im Jahr 2045 vorangehe. Die Zahlen stammen aus einer Analyse des Beratungsunternehmens wind:research im Auftrag des BWO.
Im Falle eines „Fadenrisses“ in der Branche, so heißt es in dem Papier, gehe „sehr viel Wertschöpfung im Sinne von Umsatz jedes Jahr an Deutschland vorbei“. Dann werde die Branche im Jahr 2045 statt der möglichen 57 Milliarden Euro nur noch 4 Milliarden umsetzen. Aktuell gebe es in der deutschen Offshore-Windindustrie etwa 49.000 Arbeitsverhältnisse, entsprechend 31.530 Vollzeitstellen.
Der BWO fordert nun, „die WindSeeG-Novelle im parlamentarischen Verfahren gezielt nachzubessern“, indem zweiseitige Contracts for Difference (CfD) geschaffen werden. Das sind im Kern fixe Vergütungen für den erzeugten Strom mit dem Umweg über den Strommarkt. In Zeiten, in denen die Strompreise an der Börse niedrig sind, wird das fehlende Geld bis zu einer kostendeckenden Vergütung aus Steuermitteln bezahlt. Liegt der Preis am Spotmarkt höher, müssen die Betreiber ihre Mehrerlöse abführen. So werden die Strompreisrisiken der Investoren kompensiert.
Offshore-Branche brauchte lange keine Förderung
Die Branche fordert zudem eine „wirksame Indexierung“ bei den Vergütungssätzen – also eine Berücksichtigung von Kostensteigerungen, die sich im Zeitraum zwischen dem Zuschlag bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) und der Investitionsentscheidung ergeben.
Mit ihren Forderungen offenbart die Branche, dass sie – anders als sich manche Unternehmen das vor einigen Jahren noch erhofften – kaum mehr Chancen sieht, sich ohne Förderung am Markt zu etablieren. Das belegt auch der Wunsch des BWO nach einer „geordneten Rückgabeoption für Zuschläge aus den Jahren 2023 bis 2025“.
Damals hatten Unternehmen hoch gepokert und sich bei den Ausschreibungen der Seeflächen durch die BNetzA mit Null-Cent-Geboten beteiligt – damit also auf eine Förderung verzichtet. Im Juni 2024 kommentierte BNetzA-Präsident Klaus Müller das Phänomen noch mit den Worten: „Die Ergebnisse der Ausschreibung sind eine gute Nachricht für die Energiewende in Deutschland. Es ist erfreulich, dass die Unternehmen keine Förderung für den Ausbau der Offshore-Windenergie benötigen.“
Aber das ist angesichts gestiegener Anlagenpreise und des Endes der Niedrigzinsphase längst Geschichte. Daher fordert der BWO nun, dass die Unternehmen ihre bisher nicht genutzten Flächen zurückgeben können, damit die Bundesnetzagentur diese „unter tragfähigeren Bedingungen“ neu ausschreiben kann.
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