Verzögerung von Strom-Autobahn: Suedlink-Bau nahe Heilbronn vorerst gestoppt
Die für die Energiewende wichtige Stromleitung sollte durch ein Salzbergwerk führen. Jetzt zeigt sich: zu riskant.
Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW hat den Bau der Gleichstromtrasse Suedlink beim Salzbergwerk Bad Friedrichshall aufgrund „neuer geologischer Erkenntnisse“ überraschend gestoppt. Ein „alternativer Lösungsweg“ werde „derzeit technisch im Detail ausgearbeitet“, erklärte das Unternehmen am Dienstag. Gleichwohl hält der Netzbetreiber weiterhin an der Inbetriebnahme der Kabelverbindung Ende 2028 fest.
Die 700 Kilometer lange Hochspannungstrasse führt von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg und Bayern. Sie soll künftig Windstrom in die Verbrauchszentren im Süden bringen, oder zeitweise auch Solarstrom in den Norden. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und Tennet.
Die jetzt aufgetretenen Probleme betreffen einen Trassenabschnitt von 16 Kilometern, der in 200 Metern Tiefe durch die Gruben der Südwestdeutschen Salzwerke AG führen sollte. Die Querung des Salzbergwerks ist neben der Elbquerung bei Brokdorf das zweite große Sonderbauwerk im Verlauf der Trasse, das komplett als Erdkabel realisiert wird. Die Gruben befinden sich in der Nähe der Konverterstation Leingarten-Großgartach bei Heilbronn, wo Suedlink mit dem bestehenden Netz verknüpft wird.
Als das Areal um das Bergwerk in den Jahren 2019 und 2020 mit horizontalen Bohrungen erkundet wurde, habe es keine Hinweise auf kritische Wasserzuflüsse gegeben, erklärt TransnetBW. Nun aber hätten die Bauarbeiten „Hinweise auf eine mögliche wasserführende Störungszone“ ergeben und „eine erneute Bewertung der Gesamtsituation erforderlich“ gemacht. Die zusätzlichen Ausgaben lägen „innerhalb der vorgesehenen Kosten- und Risikovorsorge des Projekts“.
Eine lange Verzögerung könnte Netzentgelte steigern
Ob für die Umplanung ein neuer Planfeststellungsbeschluss nötig wird, sei „Gegenstand bereits laufender Abstimmungen“, teilt TransnetBW mit. Wäre dem so, könnte sich das Projekt deutlich verzögern, was einen zusätzlichen Anstieg der Netzentgelte bewirken könnte, die als Posten auf den Stromrechnungen der Verbraucher landen.
„Es ist davon auszugehen, dass ohne Suedlink mehr Redispatch nötig sein wird als mit Suedlink“, sagt Christoph Maurer, Geschäftsführer des Fachberatungsunternehmens Consentec in Aachen. Als Redispatch bezeichnet man den oft teuren Eingriff von Netzbetreibern in den Strommarkt, um Engpässe im Netz zu kompensieren. Die Kosten werden bisher auf die Netzentgelte umgelegt.
Sollte sich die Inbetriebnahme verzögern, könne dies zudem dazu führen, dass die Netzreserven in Süddeutschland – also Kraftwerke, die alleine der Systemstabilität dienen und nicht am regulären Strommarkt teilnehmen – noch länger gebraucht werden als geplant, sagt Maurer.
Ob eine verspätete Fertigstellung der Trasse auch den Ausbau der erneuerbaren Energien bremsen würde, ist hingegen eher eine politische als eine technische Frage. Möglicherweise könnten in diesem Fall größere Gebiete zeitweise unter den geplanten Redispatchvorbehalt fallen. Mit diesem Instrument möchte die Bundesregierung im Rahmen ihres Netzpakets den Anlagenzubau in kapazitätslimitierten Netzgebieten bremsen.
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