Wiese-Krukowska über Demokratiefestival: „Wer sich engagiert, tut das auch für sich selbst“
Annette Wiese-Krukowska organisiert ein Demokratiefestival in Kiel: Es soll auch die erreichen, die der Demokratie nicht mehr über den Weg trauen.
taz: Wie feiert man demokratisch, Frau Wiese-Krukowska?
Annette Wiese-Krukowska: Am besten, indem man eine große Vielfalt auf die Beine stellt und möglichst viele Menschen von Klein bis Groß, von Kind bis Oma und Opa, zusammenbringt.
taz: Sie gehören zu den Veranstalter:innen des ersten Kieler Demokratiefestivals. Was ist das und wer steht dahinter?
Wiese-Krukowska: Das Demokratiefestival ist ein buntes Fest am Kieler Bootshafen. Dazu laden wir als Partnerschaft für Demokratie in Kiel ein, das ist eine Mischung aus der Stadt Kiel und verschiedenen Gruppen der Stadtgesellschaft. Die Koordination liegt bei der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migrant:innen, ZBBS.
Jahrgang 1961, stammt aus Ankum im Landkreis Osnabrück und kam 1980 zum Studium der Politikwissenschaften nach Kiel. Sie hat die Öffentlichkeitsarbeit des Landtags geleitet, war Sprecherin der Stadt Kiel und Leiterin des Referats Kreative Stadt im Kieler Rathaus. Im Ruhestand arbeitet sie für die Beratungsstelle ZBBS.
taz: In der Kieler Innenstadt sind im Rahmen des Bootshafensommers ohnehin im Juli und August zahlreiche Veranstaltungen geplant. Wie hebt sich das Demokratiefestival davon ab?
Wiese-Krukowska: Der Bootshafensommer ist ein musikalisches Ereignis, es stehen viele Bands auf der Bühne. Wir wollen mit Mitmachaktionen und Informationsangeboten eine neue Tradition begründen. Zeitlich passt es gut, finden wir, weil am nächsten Tag die Vereine migrantischer Gruppen am Bootshafen feiern.
taz: Aber Musik, Essen und Trinken gibt es trotzdem?
Wiese-Krukowska: Das gesamte Angebot des Bootshafensommers steht offen, es gibt Buden mit Leckereien und Getränken. Wir starten auf der Bühne mit einem Mitmachkonzert des Duos Akkordarbeit, dann folgt den ganzen Nachmittag Programm. Daneben können Kleine und Große in den Pagodenzelten rundum an vielen Aktionen teilnehmen.
taz: An wen richtet sich das Fest, muss man besonders demokratisch gesinnt sein?
Wiese-Krukowska: Wir würden uns freuen, wenn auch die kommen, die Demokratie nicht mehr über den Weg trauen. Denn so ein Fest ist eine tolle Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Wir müssen uns immer wieder klarmachen, dass Demokratie kein Zustand ist, mit „denen da oben und denen da unten“. Sondern sie ist ein Prozess, an dem alle mitwirken, die es können und wollen. Wir hoffen, es wollen ein paar mehr.
Erstes Kieler Demokratie Festival, 31.7., 15 bis 22 Uhr, Bootshafen
taz: Was können Sie den Zweifelnden an so einem Nachmittag bieten?
Wiese-Krukowska: Wir haben am Stand der Partnerschaft für Demokratie viele Infos, was in Kiel möglich ist: Wo kann ich mitreden, wie kann ich mich beteiligen? Die Stadt bietet einiges, aber viele haben Probleme, da durchzusteigen, da wollen wir gern helfen. Und wir haben das nettekieler Ehrenamtsbüro dabei, an deren Mitwirk-O-Mat die Besucher:innen passende Ehrenamts- und Engagementmöglichkeiten finden können.
taz: Auch das noch – selbst machen. Warum ist es wichtig, sich zu engagieren?
Wiese-Krukowska: Alles, was dazu beiträgt, den sozialen Zusammenhang zu stabilisieren, ist ein Beitrag zur Demokratie. Und: Wer sich engagiert, tut das auch für sich selbst. Wir lernen im direkten Austausch, und das ist so viel wertvoller, als das, was man im Internet und auf Social Media erlebt, wo oft ein Klima der Angst herrscht. Vorurteile verschwinden, wenn man sich persönlich trifft und miteinander etwas tut: „Arsch huh, Zäng ussenander“, wie es im BAP-Lied heißt. Trotzdem muss die Politik natürlich auch liefern und dafür sorgen, dass die Infrastruktur und das Soziale in Ordnung sind.
taz: Gutes Stichwort: Das Kieler Festival wird aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ finanziert, das von sich reden macht, weil Bundesministerin Karin Prien (CDU) viele Projekte nicht mehr fördern will. Braucht es öffentliche Hilfen für solche Veranstaltungen?
Wiese-Krukowska: Unbedingt! Es nicht denkbar, so etwas privat zu finanzieren, denn das würde die bevorzugen, die es sich leisten können. Solche Veranstaltungen sind praktische Werbung für die Demokratie, und das muss dem demokratischen Staat ein bisschen was wert sein.
taz: Es ist das erste Festival, könnten weitere folgen?
Wiese-Krukowska: Wir wollen daraus eine Tradition machen und es jährlich anbieten. Denn über Demokratie und die Möglichkeiten zum Engagement kann man gar nicht oft genug informieren.
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