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Wie Österreich die Hitzewelle erlebt„Bombay-Wetter“ in Wien

Schwimmen in der Donau, auf dem Fahrrad etwas Grün suchen, die alte Klima anschmeißen. Vom verzweifelten Versuch, aus der Hitze in Wien zu fliehen.

S ervus aus Wien! Heute beträgt die Höchsttemperatur hier 27 Grad. Richtig angenehm. Jedenfalls dann, wenn man die letzten Tage erlebt hat. Wien hat gebrodelt und viele fühlten sich wie die Hummer im Kochtopf: „Wahnsinn, ist das heiß!“, entweicht es A. deshalb auch, als wir unlängst in Wiens 7. Bezirk ankommen.

Die Neubaugasse wirkt verwaist in der unerbittlichen Sonne, nur hier und da ein Verzweifelter, der von einer Erfrischung versprechenden Nebeldusche zur nächsten hüpft. Von der Stadt gesponserte Wasservernebler, so etwas gibt es wirklich, wundere ich mich als Infrastruktur-Geplagte Berlinerin. Allerdings erblickt man die Vernebler, die mehr Marketinggag als nachhaltiger Hitzeschutz sind, vor allem in den schickeren Gegenden der Stadt; in den Betonschluchten der ärmeren Bezirke ist es bei diesen Temperaturen dann vollends unerträglich.

„Bombay-Wetter“ nennt A. es zynisch, seit die Hitze im Wiener Becken, die oft mit schwülem Wetter und viel Smog einhergeht, kaum noch auszuhalten ist. Tropische Temperaturen und „extrem schlechte Luft“ vermeldet auch meine Wetterapp.

Der Badespaß ist getrübt

Jaja, alles „ideologische Klimahysterie“ – und der Hitzerekord vom vergangenen Wochenende ein großes Planschvergnügen, wie es ein hiesiges Boulevardmedium mit seinen fröhlichen Bikinischönheiten auf der Titelseite suggeriert.

A. und ich versuchen derweil zu überleben. Denn eine nicht gedämmte Wohnung, bei der alle Fenster nach Süden zeigen, wird schnell zum Fiebertraum inklusive Dauerschweiß, Brain Fog und Gliederschmerzen. Also nichts wie aufs Rad und weg, aber da verbrennt man sich oben den Scheitel bei UV-Index 11 und unten den Arsch am glühend heißen Fahrradsitz, während man an verdorrten Wiesen vorbeihechelt, die bis vor wenigen Tagen noch saftig grün waren.

Und auch das städtische Strandbad Gänsehäufel ist nicht mehr das Idyll, das es kürzlich noch war. Am ersten heißen Wochenende sterben dort zwei Männer. Einer geht vor den Augen seiner Familie unter, ein anderer stürzt alkoholisiert vom Partyboot. Dann ertrinkt ein Mann nur wenige Kilometer weiter, als er von einer Brücke springt. Doch das scheint hitzköpfige Brückenspringer nicht abzuschrecken. Ich muss zwei Teenager, die sich weit über das Geländer beugen, informieren, dass ein solcher Sprung gerade erst tödlich endete.

Der innere MacGyver aktiviert

Eine Gänsehäufel-Stammgästin erzählt, dass in der aufgeheizten Alten Donau jetzt angeblich Zerkarien aufgetaucht seien. Das sind winzige Larven, die in die Haut eindringen und zu Ausschlag führen können. Und nun wissen A. und ich nicht, ob die roten Flecken auf unserer Haut von Mücken oder von Saugwürmern herrühren. So oder so ist der Badespaß getrübt.

Das Wasser ist brackig geworden und mittlerweile so wenig erfrischend wie eine pisswarme Badewanne. Ein Rentner gibt auf seinem Handy den neuesten Hitzerekord durch: „Grüß dich! Die Wiener Innenstadt hat soeben den 40er geknackt.“ Bei A. wird durch den Klimahorror der innere MacGyver aktiviert.

Am Höhepunkt der Hitzewelle holen wir ein altes Klimagerät aus seiner Bienenwerkstatt und A. montiert den Abluftschlauch mithilfe einer wackeligen Konstruktion, bei der mehrere Bücherkisten und jede Menge Abklebeband involviert sind, an einen Lüftungsschacht. Damit wird es in seiner Wohnung endlich erträglicher, während er den Rentner*innen, die gegen die Dämmung des Hauses geklagt haben, ordentlich einheizt. „Sie scheinen es ja warm zu wollen“, sagt A., und ich rolle mit den Augen. Wenn es jetzt schon so losgeht, was soll da noch kommen?

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Anna Fastabend

Anna Fastabend Redakteurin wochentaz

Hat mal Jura studiert und danach Kreatives Schreiben am Literaturinstitut in Hildesheim. Hat ein Volontariat bei der Märkischen Oderzeitung gemacht und Kulturjournalismus an der Universität der Künste Berlin. Schreibt über feministische Themen, Alltagsphänomene, Theater und Popkultur.
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