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Wettbewerbsfähigkeit der BundesligaAbgehängte Liga? Gut so!

Der Abgang von Nick Woltemade in die englische Premier League nagt am Selbstwertgefühl der Bundesliga, weil man auf ein falsches Vorbild setzt.

W er hätte es vor einem Jahr für möglich gehalten, dass das Selbstwertgefühl der Fußball-Bundesliga durch einen Verkauf von Nick Woltemade solchen Schaden nehmen könnte? Damals wechselte der schlaksige Stürmer ablösefrei von Werder Bremen zum VfB Stuttgart, am Freitag hat ihn Newcastle United für 90 Millionen Euro verpflichtet – rechnet man mögliche Boni-Zahlungen mit dazu.

Die Irrationalität solcher Entwicklungen liegt auf der Hand. Von Mondpreisen sprach Max Eberl vom FC Bayern München, als er sich zuvor mit Stuttgarts Forderungen von 80 Millionen Euro für Woltemade konfrontiert sah.

Dennoch ist der Transfer nun Auslöser für eine Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga im Vergleich zur englischen Premier League. Bayerns Trainer Vincent Kompany machte darauf aufmerksam, das sei nicht allein ein Problem für seinen Klub, sondern für die ganze Bundesliga. Die dringlichste Frage scheint nicht nur für ihn zu sein: Wie können Bundesligavereine möglichst bald auch Mondpreise bezahlen?

Fragwürdige Maßstäbe

Ein Blick auf den Besitzer von Newcastle United zeigt, wie es gehen könnte. Der Premier-League-Verein ließ sich von einem saudischen Staatsfonds aufkaufen. Der Klub ist in den Händen eines Re­gimes, das für unzählige Menschenrechtsverbrechen bekannt ist.

Was man sich noch von der Premier League abschauen könnte? Einfach mehr Geld ausgeben, als man hat. Zwei Wochen vor dem Ende der Transferphase hatten die englischen Klubs 2,3 Milliarden Euro für vielversprechende Zugänge investiert und 1,34 Milliarden für Abgänge eingenommen. Die Premier League setzt seit Jahren Maßstäbe für einen entfesselten Kapitalismus. Seit Jahren steht auch die Frage im Raum, wann die krasse Überbewertung des Fußballmarktes zum Platzen dieser riesigen Blase führen könnte.

Die Bundesliga, nimmt man mal den FC Bayern heraus, ist seit Langem ein Zulieferbetrieb für die großen internationalen Vereine. Die eigenen Fesseln, die man sich angelegt hat durch die 50+1-Regel und Lizenzierungsverfahren, haben dafür gesorgt, dass Vereine, die smart wirtschaften und gut ausbilden, wie Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg, vorne liegen und größenwahnsinnige Klubs wie Schalke 04 oder Hertha BSC zweitklassig spielen. Warum sollte all das für mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit aufgegeben werden? Störender ist der Wettbewerbsvorteil des FC Bayern.

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Johannes Kopp taz-Sportredakteur

Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.
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