Wegen gestiegener Ölpreise: Energieagentur rät zu Tempolimit und Homeoffice
Die Internationale Energieagentur empfiehlt mehr Homeoffice und ein niedrigeres Tempolimit. Eine höhere Pendlerpauschale wäre laut OECD nicht gut.
dpa/rtr | Die Internationale Energieagentur (IEA) rät angesichts der Ölkrise infolge des Irankriegs zu Maßnahmen, die den Ölverbrauch senken. Die Empfehlungen zur Abfederung der Krise konzentrierten sich auf den Verkehr, auf den 45 Prozent des Ölverbrauchs entfalle, teilte die IEA mit, die die Interessen der Ölverbraucherländer vertritt.
Mehr Homeoffice, ein Absenken des Tempolimits auf Straßen sowie das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel könnten demnach den Spritverbrauch reduzieren. So könne etwa die Zufahrt in die Großstädte im täglichen Wechsel jeweils Autos mit geradem und ungeradem Kennzeichen erlaubt werden, wodurch Staus und der Kraftstoffverbrauch reduziert würden, so die IEA. Zusätzliche Einsparungen ließen sich durch Carsharing, eine effizientere Fahrweise sowie durch eine verbesserte Effizienz im Güter- und Lieferverkehr erzielen.
Auch der Verzicht auf Flugreisen kann den Ölbedarf in der Krise senken, teilte die IEA mit. Die Industrie könne versuchen, wo dies möglich ist, auf alternative Rohstoffe als Energiequelle umzustellen. Regierungen könnten durch regulatorische Maßnahmen und gezielte Anreize mit gutem Beispiel vorangehen und Unterstützung auf die Verbraucher konzentrieren, die sie am dringendsten benötigten. Erfahrungen aus früheren Krisen zeigten, dass gezielte Unterstützungsmechanismen wirksamer seien als breit angelegte Subventionen.
OECD gegen Tankrabatt und höhere Pendlerpauschale
Die Industriestaaten-Organisation OECD warnte die deutsche Politik vor teuren Maßnahmen wie einem Tankrabatt oder einer höheren Pendlerpauschale. „Diese Forderungen sind natürlich verständlich, da die höheren Benzin- und Dieselpreise die Kaufkraft der Haushalte verringern“, sagte der Deutschland-Experte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Robert Grundke, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. „Allerdings kosten diese Maßnahmen auch eine Menge Geld.“
Gestiegene Verteidigungsausgaben, ein großer Investitionsbedarf im Infrastrukturbereich sowie steigende Kosten im Gesundheits- und Rentensystem aufgrund der alternden Bevölkerung würden die staatlichen Finanzen bereits stark belasten. Deshalb empfiehlt die OECD, eventuelle Unterstützungsmaßnahmen gezielt auf ärmere Haushalte zu fokussieren. Denn diese seien am meisten von den gestiegenen Tankstellenpreisen betroffen. „Diese Maßnahmen sollten von vornherein zeitlich begrenzt sein“, betonte Grundke.
Die OECD rät der Bundesregierung zudem dazu, mögliche Hilfen so zu gestalten, dass sie Energiesparanreize beibehalten, um existierende Knappheiten nicht noch zu vergrößern. Die Energiepreisbremse der damaligen Ampelregierung sei eine gute Lösung gewesen, da sie die Preissignale zum Energiesparen nicht verzerrt hätte. „Um solch ein Modell allerdings gezielt auf bedürftige Haushalte auszurichten, bräuchte es eine bessere Dateninfrastruktur, um bedürftige Haushalte besser zu identifizieren“, sagte Grundke. Dabei könnte sich Deutschland an anderen OECD-Ländern orientieren, in welchen staatliche Hilfen bereits gezielter auf bedürftige Haushalte ausgerichtet werden könnten.
Insbesondere Kraftstoffe haben sich seit dem Ausbruch des Irankriegs vor rund drei Wochen spürbar verteuert. „Um mittelfristig die Abhängigkeiten von Energieimporten zu verringern, ist es zudem zentral, den Ausbau von Wind- und Solarenergieanlagen sowie des Energienetzes zu beschleunigen und damit die Elektromobilität zu fördern“, sagte Grundke. Eine stärkere Nutzung von erneuerbaren Energien würde Deutschland unabhängiger von Ölpreisschwankungen am Weltmarkt machen. Um dies zu erreichen, sollten bestehende Steuererleichterungen und Subventionen für fossile Energieträger schrittweise abgebaut werden, um die Nutzung erneuerbarer Energien und E-Autos attraktiver zu machen.
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