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Wegen Verdachts des SteuerbetrugsFranzösischer Ex-Minister Jack Lang räumt Präsidentensessel

Nach den neuen Epstein-Enthüllungen tritt der 86-jährige als Leiter eines Kulturinstituts zurück. Die Justiz ermittelt gegen ihn und seine Tochter.

Im Epstein-Strudel: Ex-Minister Jack Lang im Jahr 2025 nach der Trauerfeier für die Schauspielerin Claudia Cardinale in Paris

afp / dpa | Der frühere französische Kulturminister Jack Lang hat wegen seiner Kontakte zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein seinen Rücktritt als Leiter eines renommierten Kulturinstituts in Paris eingereicht. In einem Brief an Außenminister Jean-Noël Barrot, den die Nachrichtenagentur AFP am Samstag einsehen konnte, bot Lang an, als Präsident des Institut du monde arabe (Instituts der arabischen Welt, IMA) zurückzutreten. Barrot kündigte an, mit dem Verwaltungsrat über einen Interimspräsidenten zu beraten.

Die für Finanzvergehen zuständige französische Staatsanwaltschaft hatte am Freitag Ermittlungen gegen Lang eröffnet. Ihm wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft „schwerwiegender Steuerbetrug“ zur Last gelegt. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit mutmaßlichen finanziellen Verbindungen Langs und seiner Tochter Caroline mit Epstein. Lang wies die Vorwürfe als „gegenstandslos“ zurück.

Lang steht seit 2013 an der Spitze des Instituts der arabischen Welt, das vom französischen Außenministerium mitfinanziert wird. Das Ministerium hatte Lang wegen seiner häufigen Kontakte zu Epstein bereits für Sonntag einbestellt. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot nehme Langs Rücktritt als Präsident des Pariser Kulturinstituts zur Kenntnis, bestätigte das französische Außenministerium, und leitete das Verfahren zur Ernennung eines Nachfolgers ein.

Finanziellen Verflechtungen im Fokus der Ermittlungen

Lang hatte unter den früheren Präsidenten François Mitterrand und Jacques Chirac verschiedene Regierungsposten inne. In den Ende Januar vom US-Justizministerium veröffentlichten mehr als drei Millionen Dokumenten zum Fall Epstein tauchen die Namen zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten auf – darunter mehr als 670-mal der Name von Jack Lang. Eine bloße Erwähnung in den Akten bedeutet noch kein Fehlverhalten. Lang berief sich bisher auf seine „Naivität“ mit Blick auf die Beziehung.

Die nun angekündigte Untersuchung der Staatsanwaltschaft betrifft mutmaßliche finanzielle Verbindungen Langs zu dem gestorbenen US-Finanzier Epstein, über die das französische Enthüllungsmedium Mediapart berichtet hatte. Dabei soll es um eine von Epstein gegründete Gesellschaft mit Sitz in einem Steuerparadies gehen, an der Caroline Lang die Hälfte der Anteile gehalten habe. Laut Mediapart wurde die Gesellschaft 2016 gegründet.

Mehrere französische Politiker hatten den Rücktritt des ehemaligen Ministers gefordert – darunter auch der derzeitige Chef der Sozialistischen Partei, der Lang angehört. „Es ist verstörend, wie er heute über die Affäre spricht“, sagte PS-Chef Olivier Faure. Er legte Lang den Rücktritt nahe, „um die Institution zu schützen“.

Noch 2019 ein gemeinsames Foto vor dem Louvre

Lang hatte zunächst ausgeschlossen, seinen Posten zu räumen. „Einen Mäzen anzufragen, ist doch keine Straftat“, hatte der 86-Jährige noch am Mittwoch betont. Zuvor hatte er eingeräumt, Epstein um rund 58.000 Euro für einen Film über seine Amtszeit gebeten zu haben. Der Film wurde allerdings nicht verwirklicht. „Ich war vielleicht etwas naiv“, räumte Lang ein. Epstein sei „kein Freund“ gewesen, er habe „nichts gewusst“ und den Kontakt abgebrochen, als er von Epsteins Verurteilung als Sexualstraftäter erfahren habe. Tatsächlich ist Lang noch 2019 an der Seite von Epstein auf einem Foto vor dem Louvre zu sehen.

Als Kulturminister unter Mitterrand hatte Lang maßgeblichen Anteil an der architektonischen Gestaltung von Paris durch monumentale Bauprojekte, zu denen das Institut du monde arabe, die Bibliothèque nationale de France, die Grande Arche in La Defénse sowie die gläserne Pyramide als neuer Haupteingang zum Louvre gehörten. Als Kulturminister rief er 1982 die Fête De La Musique sowie 1984 die Tage der offenen Tür in historischen Sehenswürdigkeiten ins Leben, die seitdem in Deutschland als „Tag des offenen Denkmals“ stattfinden. Zudem stieß er die Gründung zahlreicher Kulturhäuser in den Provinzen an.

Mediapart fand in den neu veröffentlichten Epstein-Akten auch Hinweise darauf, dass Lang sich von Epstein mehrfach Autos mit Chauffeur finanzieren ließ. 2017 soll Lang Epstein zu einer Geburtstagsfeier „im kleinen Kreis“ eingeladen haben. Er könne sich daran nicht erinnern, sagte Lang auf Nachfrage von Mediapart. Einen Fahrer habe er sich auch nicht bezahlen lassen – „höchstens Taxis“, räumte er ein.

Langs Tochter Carolin tritt ebenfalls zurück

Nach einem Bericht von Mediapart ist Lang auch in den Statuten eines Offshore-Unternehmens genannt, das Epstein zusammen mit Langs Tochter gegründet hatte, um in junge Künstler zu investieren. Langs Tochter Carolin trat deswegen bereits von ihrem Posten bei einem Verband von Filmproduzenten zurück.

Nach der jüngsten Veröffentlichung von Dokumenten zum Fall Epstein sind auch andere ehemalige europäische Regierungsvertreter wegen finanzieller Verflechtungen mit dem Sexualstraftäter ins Visier der Behörden geraten. Gegen den früheren britischen Wirtschaftsminister Peter Mandelson laufen Ermittlungen, weil er während der Finanzkrise sensible Informationen an Epstein weitergegeben haben soll.

Der bis in höchste Kreise vernetzte Investor und Milliardär Epstein war 2019 tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden, nach offiziellen Angaben beging der verurteilte Sexualstraftäter Suizid. Ihm wurde vorgeworfen, mehr als tausend Mädchen und Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht zu haben.

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