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Wahlen in PeruWahlchaos und rechte Führung

Bei der Präsidentschaftswahl in Peru liegt Diktatorentochter Keiko Fujimori in Führung. Wer neben ihr in die Stichwahl einzieht, ist noch offen.

Aaron Wörz

Aus Lima

Aaron Wörz

Was als demokratisches Fest geplant war, sorgte schon am frühen Sonntagmorgen für Frust in der peruanischen Hauptstadt Lima. Tausende Wählerinnen und Wähler warteten am Tag der Regierungs- und Präsidentschaftswahl stundenlang vergeblich in langen Schlangen vor den Wahllokalen auf ihre Stimmzettel.

Ein von der Wahlbehörde beauftragtes externes Unternehmen hatte die Unterlagen schlicht nicht geliefert. Mehr als 52.000 Wahlberechtigte konnten daher in Lima ihre Stimme nicht abgeben. Gegen die Firma wird inzwischen ermittelt. Am Nachmittag durchsuchte die Antikorruptionseinheit der Polizei zudem die Räumlichkeiten der Wahlbehörde ONPE.

Über weite Strecken des Tages blieb ungewiss, ob die Wahl sogar wiederholt werden müsse. Erst am Abend traf das oberste Wahlgericht eine Entscheidung: Die 13 betroffenen Wahllokale sollen am Montag bis in den Nachmittag hinein geöffnet bleiben. Eine Abstimmung über zwei Tage hinweg – ein Novum in der peruanischen Geschichte. Allerdings geben Kritiker zu bedenken, dass die Nachwahl unter dem Eindruck der bereits laufenden öffentlichen Auszählung steht.

Nach deren Stand lag um kurz vor 3 Uhr am Montagmorgen bei rund 45 Prozent ausgezählter Stimmen die rechte Favoritin Keiko Fujimori mit 17 Prozent in Führung, gefolgt vom früheren rechten Bürgermeister Limas, Rafael López Aliaga mit 15,6 Prozent der Stimmen. Auch der liberale ehemalige Kulturminister Jorge Nieto hatte mit 13,4 Prozent der Stimmen noch Chancen auf den Einzug in die Stichwahl am 7. Juni.

Wenige Stimmen können entscheidend sein

Am Abend des Wahltags bezogen behelmte Polizeikräfte vor dem obersten Wahlgericht Stellung. Auf der Straße davor versammelten sich Hunderte aufgebrachte Anhänger des rechten Kandidaten Rafael López Aliaga. Der frühere Bürgermeister von Lima war in den Wochen vor der Wahl in den Umfragen zurückgefallen und hatte bereits am Sonntagmorgen über die Plattform X von Wahlbetrug gesprochen. Am Abend rief er seine Anhängerschaft zu Protesten auf.

Die Leiterin der Wahlbeobachtungsmission der Europäischen Union, Annalisa Corrado, sprach hingegen lediglich von „Verzögerungen“. Den insgesamt 150 entsandten Wahlbeobachterinnen der EU lägen bislang keine Hinweise auf gezielte Manipulationen vor.

Auch wenn die 52.000 fehlenden Stimmen im Hinblick auf die 27 Millionen Wahlberechtigten gering erscheinen mögen, zeigt ein Blick in die jüngste Vergangenheit ihre potenzielle Bedeutung: Bei der letzten Präsidentschaftswahl im Jahr 2021 setzte sich der linke Pedro Castillo in der Stichwahl gegen Keiko Fujimori mit einem Vorsprung von lediglich 44.000 Stimmen durch.

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