Wahl des neuen CDU-Chefs: Machtkampf via Internet

CDU-Chefin AKK hat sich mit den drei Bewerbern für ihre Nachfolge getroffen. Wie wählt man einen neuen Parteichef während der Pandemie?

Norbert Röttgen ist von Mikrofone umringt und spricht mit der Presse

Norbert Röttgen spricht vor dem Treffen der Kandidaten mit der Presse Foto: Michael Kappeler/dpa

BERLIN taz | Noch knapp zehn Wochen sind es bis zum CDU-Parteitag. In Stuttgart sollen – und wollen – die 1.001 Delegierten einen neuen Bundesvorsitzenden wählen, nachdem im Februar dieses Jahres die Amtsinhaberin Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rückzug bekannt gegeben hatte. Aber wie kriegt eine 430.000-Mitglieder-Partei es hin, dass sich trotz Corona alle ein Bild von den zur Verfügung stehenden Kandidaten machen können?

Um das zu klären, hat die Noch-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer am Montag die drei Anwärter ins Konrad-Adenauer-Haus eingeladen. Außerdem dabei: Generalsekretär Paul Ziemiak und Bundesgeschäftsführer Stefan Hennewig. „Alle sollen die gleichen Chancen bekommen“, hatte Kramp-Karrenbauer zuvor der taz gesagt. Und dass sie „eine Art Windhundrennen“ der Landesverbände um den Zugang zu den Kandidaten Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen vermeiden wolle.

Tatsächlich muss die Parteizentrale jeden noch so geringfügigen Eindruck von Chancenungleichheit vermeiden. Friedrich Merz hielt dies nicht davon ab, unmittelbar vor der Zusammenkunft mit seinem neuen Internetauftritt an den Start zu gehen. Sein aktueller Claim: „Neue Zeit. Neue Verantwortung.“

Gegen halb drei ist das Treffen beendet. Statements gibt es nicht, aber eine Unterrichtung der Medien. Demnach sind für Anfang und Mitte November öffentliche, digitale Livetalks mit den Kandidaten geplant, für die CDU-Mitglieder vorab Fragen einreichen können. Die Veranstaltungen sollen jeweils anderthalb Stunden dauern und vom Berliner Konrad-Adenauer-Haus ausgestrahlt werden. Zudem wird es Ende November drei Einzel-Livetalks geben, in die sich ausschließlich Parteimitglieder einwählen und Fragen stellen können. Diese sollen jeweils eine Stunde dauern und ebenfalls in der Parteizentrale aufgezeichnet werden.

Dazwischen, also nach den Gruppenauftritten und vor den Einzelveranstaltungen, wendet sich jeder Kandidat brieflich an die Mitglieder. Informationen zu den Kandidaten und zum aktuellen Verlauf der Bewerbungen können jederzeit auf der CDU-Website abgerufen werden.

Wie nicht anders zu erwarten, äußert sich Kramp-Karrenbauer anschließend zufrieden. „Wir hatten ein gutes und konstruktives Gespräch über den weiteren Weg bis zum Parteitag. Die Partei will einen fairen Wettbewerb. Ich bin mir sicher, dass das mit den drei Kandidaten und den besprochenen Formaten gut gelingt.“ Das ist diplomatisch gesagt. Dass es bis zum 4. Dezember harmonisch bleibt, ist alles andere als sicher.

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