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Waffenstillstand in der UkraineMoratorium statt Beschuss

Bernhard Clasen

Kommentar von

Bernhard Clasen

Nachdem Russland das ukrainische Energienetz massiv beschossen hat, gab es eine kurze Feuerpause. Doch auch die Ukraine beschießt russische Anlagen.

Blackout in Kyjiw durch russischen Beschuss der Energieanlagen: Menschen halten sich am Eingang einer Metrostation auf Foto: Anatolii Stepanov/Reuters

G erade einmal drei Tage hat er gehalten, der Mikro-Waffenstillstand. Er war nicht vereinbart, er war lediglich einer Laune des russischen Präsidenten zu verdanken. Der hatte einen Brief seines amerikanischen Kollegen erhalten, in dem dieser darum bat, doch mal vom Beschuss der Energieversorgung für eine Woche abzulassen. Über seinen Sprecher hatte Putin dann wissen lassen, dass er diesem Wunsch entspreche, aber nur bis zum 1. Februar, also nicht einmal eine halbe Woche lang.

Nicht zum ersten Mal hatte Russland die ukrainische Infrastruktur mal ein paar Tage nicht beschossen. Diesmal aber wird dies als Geste des guten Willens verkauft. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Ein Grund könnte sein, dass beide Seiten verstehen, dass sie von einem Moratorium mehr haben als von einem gegenseitigen Beschuss der Energieinfrastruktur. Vielleicht waren die 30 Grad minus, die in dieser Woche in ukrainischen und russischen Städten erwartet werden, ein Beweggrund. Schließlich ist es nicht nur die Bevölkerung der Ukraine, die unter den russischen Angriffen auf das Energiesystem leidet.

Auch die Ukraine zerstört Heizkraftwerke, Umspannwerke und andere Energieanlagen in Russland. Der oppositionelle russische Youtube Kanal Khodorkovsky live berichtet von einem Kollaps des Energiesystems im russischen Belgorod, hervorgerufen durch ukrainische Angriffe. Dieser kurzzeitige Stopp des Beschusses von Anlagen der Energieversorgung ist ein kleiner Tippelschritt in Richtung Deeskalation.

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Solche Schritte werden jetzt gebraucht. Dieses kurzzeitige Moratorium auf den Beschuss von Energieanlagen war oder ist nicht der einzige Mikrowaffenstillstand in diesem Krieg gegen die Ukraine. Immer wieder schweigen die Waffen, wenn Reparaturarbeiten am AKW Saporischschja notwendig sind oder wenn Gefangene ausgetauscht werden. Bleibt zu hoffen, dass das aktuelle Moratorium auf den Beschuss von Energieanlagen über den 1. Februar hinaus fortgesetzt wird. Es rettet Leben.

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Bernhard Clasen
Journalist
Jahrgang 1957 Ukraine-Korrespondent von taz und nd. 1980-1986 Russisch-Studium an der Universität Heidelberg. Gute Ukrainisch-Kenntnisse. Schreibt seit 1993 für die taz.
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3 Kommentare

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  • 10000 Windräder aufstellen und schon ist Strom da

    .es gibt auch kleine die auf Dächern montiert werden können

  • Die Russen begleiteten diesen Waffenstillstand mit dem Kommentar, dass sie eine angemessene Atmosphäre für die bevorstehenden Verhandlungen mit der Ukraine schaffen wollen.

  • Ich kann es nicht ganz so laut verurteilen, wenn die Ukraine sich auch so mal wehrt. Warum auch sollte nur Putin-Russland gegen die Zivilisten eskalieren dürfen?

    Putin hat leider noch kein Ausstiegsszenario bei diesem Krieg außer einem "Sieg". Die Wirtschaft kann nur Krieg und Fossil-Export und ist völlig verquer, seine Macht beruht auf Hetze. Ich wünsche Russland da eine Änderung und seinem Diktator einen sicheren Flug ins Pjöngjanger Exil. Da wird immer noch Jahrzehnte aufzuräumen sein.