Versteigerung von Skelett: Ein Dino für daheim
Dass der T-Rex Trinity jetzt in privater Hand ist, mag nicht alle froh stimmen. Tatsache ist aber, dass die Wissenschaft finanzstarke Gönner braucht.

A ber wo soll man ihn bloß hinstellen? Im Regal stapeln sich die Bücher, im Schlafzimmer stört die Dachschräge, und überhaupt ist das Ding mit 12 Metern Länge und 4 Metern Höhe etwas unpraktisch. Dennoch ist das Tyrannosaurus-Skelett „Trinity“ diese Woche bei einer Versteigerung in Zürich für 5,6 Millionen Euro an eine anonyme Person über den Auktionstisch gegangen.
Trinity setzt sich aus den prähistorischen Überresten von gleich drei Tyrannosaurus Rex plus einem Schwung Plastiken zusammen, denn nicht alle Knochen waren im Original aufzutreiben. Und man weiß ja, wie ärgerlich es ist, wenn am Ende im Puzzle immer noch Teile fehlen. Natürlich gibt es angesichts dieser Hybridisierung Naserümpfen. Tatsächlich ist das Verfahren in der Museumswelt durchaus üblich. Vollständig erhaltene Skelette großer Saurier gibt es praktisch nicht.
Kritik wurde laut, weil Trinity nun womöglich privat herumstehen wird anstatt in einem Museum. Klar: In einer besseren Welt würden ideelle und wissenschaftliche Schätze wie diese nicht in Privateigentum übergehen. Ungewöhnlich ist aber auch das nicht. Schon andere berühmte Saurier, etwa der lange Zeit in Berlin zu bestaunende Tyrannosaurus Tristan Otto, stammen aus Privatbesitz – wie zahlreiche andere Fossilien, Naturschätze oder Kunstwerke.
Selbst wissenschaftliche Namen von neu entdeckten Tieren oder Pflanzen werden mitunter gegen Geld an Privatleute vergeben. Man mag das unschön finden, es ist in einer komplett kapitalistisch ausgerichteten Wirtschaft aber die logische Konsequenz. Solange die Welt ist, wie sie ist, sollten wir eher dankbar sein, dass durch solches Mäzenatentum Gelder in Wissenschaft und Kunst fließen, die Staat und Gesellschaft dafür in der Regel gar nicht bereitstellen können oder wollen.
Ohne die privaten Finanzierungen lägen die Knochen wohl immer noch im amerikanischen Wüstenstaub. Nach der Revolution können wir sie dann ja immer noch vergesellschaften, damit alle was davon haben. Wem das zu lange dauert, sei zum Trost gesagt: Angesichts ihres Alters von 65 Millionen Jahren kommt es auf die paar Jahrhunderte nun wirklich nicht mehr an.
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