Vernachlässigte Krisen im Globalen Süden: Wo die Welt wegschaut
Krisen wie Dürre in Namibia finden wenig Beachtung in Medien, kritisiert die Hilfsorganisation Care. 8 der 10 kaum beachteten Länder sind in Afrika.
Foto: Adrienne Surrenant/epa
Krisen erschüttern die Welt – was manche Europäer:innen seit Klimakrise, Putins Krieg in der Ukraine und der zweiten US-Präsidentschaft Donald Trumps feststellen, ist für andere Länder und Regionen keine neue Erkenntnis. „Vergessene Krisen“ ist der Titel eines Reports der internationalen Hilfsorganisation Care, die seit einer Dekade jährlich auflistet, welche Krisen weltweit am wenigsten mediale Beachtung erfahren.
Am wenigsten wurde im vergangenen Jahr laut Report über die Zentralafrikanische Republik berichtet. Dort wütet seit etwa 15 Jahren ein Bürgerkrieg. Von den 5,5 Millionen Einwohner:innen sei laut Bericht mit rund 2,4 Millionen fast die Hälfte der Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Krisen im Bericht drehen sich aber nicht allein um Kriege. Auf Platz zwei folgt Namibia, wo die Menschen unter der schlimmsten Dürre seit 100 Jahren leiden. 1,3 Millionen Menschen leben ohne gesicherte Ernährung.
„Je länger eine Krise andauert und je weniger sie von akuten militärischen Eskalationen geprägt ist, desto schneller verschwindet sie aus der öffentlichen Wahrnehmung – mit gravierenden Folgen für Aufmerksamkeit, Finanzierung und Hilfe für die betroffenen Menschen“, teilte Care Deutschland der taz mit. „Worüber nicht berichtet wird, wird nicht gesehen, zieht keine Handlungen oder Entscheidungen nach sich.“
Care hat für ihre Studie Berichterstattung über humanitäre Krisen in knapp 350.000 Onlinemedien auf der ganzen Welt in fünf Sprachen ausgewertet. 1.532 Onlineartikel hatten demzufolge 2025 über die Krise in der Zentralafrikanischen Republik berichtet.
Afrika besonders vernachlässigt
Die Krisen in afrikanischen Ländern erfuhren besonders wenig Aufmerksamkeit, so das Ergebnis des Care-Berichts. Von den zehn am wenigsten von Medien belichteten Krisen seien acht auf dem afrikanischen Kontinent gewesen. Die beiden nichtafrikanischen Staaten sind Honduras und Nordkorea.
Die afrikanischen Länder machten in jedem der zehn Jahre den Großteil der Liste des Care-Reports aus. Dabei war auch die Zentralafrikanische Republik jedes Jahr unter den zehn Ländern, über die Medien weltweit am wenigsten berichteten.
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