Verkehrspolitik und autonomes Fahren : Klarer Weg, unklares Ziel
Weniger Autos und weniger Unfälle – beides wäre mit dem autonomen Fahren möglich. Doch die Politik sträubt sich, Verkehr neu zu denken.
Foto: Snapshot-Photography/imago
W ozu brauchen wir eigentlich selbstfahrende Autos? Die Frage ist überhaupt nicht rhetorisch gemeint. Denn man sollte sie ab und zu mal stellen, wenn man sich am Fuße der Einführung einer neuen Technologie befindet. Also: Wozu selbstfahrende Autos? Was versprechen wir uns von ihnen, welches Ziel wollen wir mit ihnen erreichen, wie die Welt ein bisschen besser machen?
In der Tombola finden sich da zwei Ziele. Erstens: Die Verkehrswende vorantreiben. Autos könnten, wenn sie von Stehzeugen – was heute bei Privat-Pkws der Normalzustand ist – zu Fahrzeugen werden, im Laufe eines Tages und ihres Autolebens mehr Leute transportieren. Es müssten also weniger Autos ungenutzt am Straßenrand rumstehen. Zudem könnte man Fahrten bündeln. Damit wären weniger Autos unterwegs und es gäbe mehr Platz für andere Verkehrsteilnehmer:innen.
Zweites Ziel: Unfälle reduzieren, am besten auf null bringen. Für den Großteil der heute verursachten Unfälle sind die Fahrenden verantwortlich. Telefoniert, auf dem Handy getippt, zu viel Alkohol, anderweitig abgelenkt oder einfach Verkehrsregeln ignoriert. Software ist da disziplinierter.
Bei beiden Zielen ist es nach heutigem Wissensstand realistisch, dass selbstfahrende Autos einen Teil dazu beitragen können – bei der Vermeidung von Unfällen vermutlich mehr als im Punkt Verkehrswende. Die Frage ist: Wenn diese beiden Ziele so wichtig sind – warum gibt es nicht schon heute viel, viel mehr Ansätze, um sie zu erreichen?
Gut für Mensch und Klima
Es ist doch alles da: das Wissen darüber, wie eine Stadt zu gestalten ist, um die schwächsten Verkehrsteilnehmer:innen zu schützen. Konzepte für einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr. Abbiegeassistenten für Lkws. Ideen für eine privatautofreie Innenstadt. Für effiziente und ökologische Logistikketten.
Viele der Maßnahmen schützen sogar beides: Menschen und Klima. Es wäre an der Zeit, sie umzusetzen. Sonst drängt sich der Verdacht auf, dass es auch bei den selbstfahrenden Autos am Ende mehr um die Interessen der Wirtschaft geht als um alles andere.
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