Venedig vor der Biennale: EU droht wegen russischem Pavillon mit Förderentzug
Wenige Wochen vor der Eröffnung der Kunstbiennale Venedig spitzt sich der Streit um die Rückkehr Russlands zu.
taz/dpa | Wie der österreichische Standard berichtet, hat die EU-Kommission ein förmliches Verfahren gegen die Biennale-Stiftung eingeleitet. Hintergrund ist die Entscheidung der Stiftung, Russland erstmals seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 wieder zur Teilnahme zuzulassen. Brüssel droht nun mit dem Einfrieren von Fördermitteln in Höhe von rund zwei Millionen Euro, die bis 2028 vorgesehen sind.
In einem Schreiben an den als rechtspopulistisch geltenden Stiftungspräsidenten Pietrangelo Buttafuoco, der als Wunschkandidat Melonis galt und erst 2023 in das Amt berufen wurde, wurde eine Frist von 30 Tagen gesetzt. Macht die Stiftung ihre Entscheidung nicht rückgängig, droht der Verlust der Gelder. Die Biennale hält bislang an ihrer Position fest und erklärte, im Einklang mit geltendem nationalen und internationalem Recht gehandelt zu haben. Man sehe keinen Regelverstoß und werde die eigene Haltung innerhalb der gesetzten Frist schriftlich darlegen.
In der italienischen Politik stößt das Vorgehen der Kommission auf scharfen Widerspruch. Vertreter der rechtspopulistischen Lega sowie der Fünf-Sterne-Bewegung werfen Brüssel vor, sich unzulässig in die Autonomie einer Kulturinstitution einzumischen. Lega-Chef Matteo Salvini bezeichnete den Druck aus Brüssel als inakzeptabel. Der Fall belastet auch die Regierungskoalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni: Kulturminister Alessandro Giuli spricht sich gegen Russlands Teilnahme aus, während Salvini Buttafuoco offen den Rücken stärkt.
Deutschland bereitet sich auf die Eröffnung vor
Unabhängig vom politischen Streit bereitet sich Deutschland auf seinen Beitrag zur Biennale vor. Der Deutsche Pavillon öffnet am 9. Mai unter dem Titel „Ruin“ und zeigt Arbeiten von Henrike Naumann und Sung Tieu, kuratiert von Kathleen Reinhardt, Leiterin des Berliner Georg-Kolbe-Museums. Naumann, die vor wenigen Wochen überraschend starb, hatte ihren Beitrag noch abschließen können. Ihr Studioteam arbeitet nun daran, ihre künstlerische Vision zu realisieren.
Beide Künstlerinnen haben sich mit der Geschichte der DDR und der Transformationszeit nach der Wiedervereinigung auseinandergesetzt. Die gezeigten Arbeiten sollen nachforschen, wie historische Einschnitte und Leerstellen in politischen, sozialen und baulichen Strukturen bis heute nachwirken. Der Titel spielt bewusst mit der Doppeldeutigkeit beider Sprachen: Während im Englischen „ruin“ eher materielle Überreste bezeichnet, meint das deutsche Wort den Zustand des Zusammenbruchs – wirtschaftlich, gesellschaftlich oder moralisch. Der Titel ist einem Graffito nachempfunden, das einst den letzten DDR-Pavillon auf der Biennale markierte.
Die 1895 gegründete Kunstbiennale gilt als das älteste internationale Forum für zeitgenössische Kunst. In der Vergangenheit haben Größen wie Gerhard Richter und Joseph Beuys den Deutschen Pavillon bespielt, zuletzt 2024 die israelische Künstlerin Yael Bartana gemeinsam mit dem Berliner Theaterregisseur Ersan Mondtag.
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