Umgang mit DDR-Bauten: Internationale Vorbildfunktion
Das Kino International ist ein Beispiel für denkmalbewusste Stadtentwicklung. Die ist nicht nur identitätsstiftend, sondern auch ökologisch.
E s ist eine Nachricht, die man in Berlin gar nicht mehr erwartet: Das Kino International eröffnet zwei Monate früher als geplant. Nach über einem Jahr denkmalgetreuer Komplettsanierung erstrahlt es in altem Glanz, der schon DDR-Staatschef Erich Honecker bei zahlreichen Premieren erfreute. Film- und Architekturfans, die es wegen seines einzigartigen 60er-Jahre-Chics schätzten, sind erfreut. Das International ist fit für die nächsten Jahrzehnte Kinokultur.
Der Umgang mit dem Kino International ist ein herausragendes Beispiel für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem architektonischen Erbe der DDR. Anstatt das 1963 errichtete Vorzeigekino des SED-Regimes abzureißen, übernahm nach dem Mauerfall die Yorck-Kinogruppe das Lichtspielhaus. Der neue Betreiber erhielt das Gebäude nicht nur in seiner Form, sondern auch in seiner Nutzung: Das International ist weiterhin ein beliebtes Premierenkino.
Anderen Architekturikonen der DDR wird hingegen deutlich weniger Wertschätzung entgegengebracht. So soll das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee bereits am 2. März der Abrissbirne zum Opfer fallen. Für die SED-Führung war der 1981 eröffnete futuristisch gestalteten Freizeitkomplex ein weiteres Prestigeprojekt, das die Überlegenheit des Sozialismus beweisen sollte.
Verramscht und verwahrlost
Nachdem der Betrieb im SEZ nach der Wende nach und nach eingestellt wurde, ging es für einen symbolischen Euro an einen Investor, der versprach den Freizeitkomplex inklusive Spaßbad wiederzubeleben. Doch stattdessen erfolgten jahrelange Verwahrlosung und Leerstand. 2023 ging das SEZ wieder an das Land Berlin. Der Senat will abreißen und Wohnungen bauen. Das ist rechtlich möglich, denn im Gegensatz zum Kino International steht das SEZ nicht unter Denkmalschutz.
Die Proteste von Anwohner:innen, Architekt:innen und Umweltschützer:innen blieben ungehört. Berlin brauche nun einmal Wohnungen dringender, heißt es vom Senat. Die letzte Hoffnung ist eine Klage, mit der die Vereine „Gemeingut in BürgerInnenhand“ und die Naturfreunde Berlin einen Abriss noch verhindern wollen.
Die Aktivist:innen wollen die Denkmalwürdigkeit des Komplexes richterlich feststellen lassen. Zuletzt sprachen sich im vergangenen Dezember 150 Wissenschaftler:innen für einen Erhalt aus. Die Aktivist:innen hoffen, mit einer einstweiligen Verfügung den Abriss zumindest aufschieben zu können.
Es ist ein Trauerspiel, dass die Abrissgegner:innen den Senat durch Gerichtsverfahren davon abhalten müssen, das architektonische Gedächtnis der Stadt zu vernichten. Dabei ist der Bestandserhalt nicht nur eine Frage des Denkmalschutzes, sondern vor allem eine ökologische. Es ist Wahnsinn, Schwimm- und Sportanlagen abzureißen, nur um sie an andere Stelle wieder aufzubauen. Der dichtbesiedelte Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist in dieser Beziehung extrem unterversorgt. Eine Sanierung und Wiedereröffnung wäre hier die einfachste, ökologischste und offensichtlichste Lösung. Wenn es beim Kino International geht, warum nicht beim SEZ?
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