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Ukrainekrieg Optimismus ist fehl am Platz

Kommentar von

Barbara Oertel

Wer die Evakuierung aus Oleschky für ein Zeichen hält, dass Putin nun zu ernsthaften Friedensverhandlungen bereit wäre, ist komplett weltfremd.

H underte Menschen sind der Hölle in Oleschky am Wochenende entkommen. Die Evakuierung aus der ukrainischen, von russischen Truppen abgeriegelten Frontstadt ist geglückt. Das ist angesichts des alltäglichen Kriegsgrauens in der Ukraine zweifellos eine positive Nachricht.

Diejenigen, die jedoch glauben, aus der Mitwirkung Russlands an der Aktion weiterreichende Schlüsse auf eine Bereitschaft zu echten Friedensverhandlungen ziehen zu können, sind komplett wirklichkeitsfern oder unheilbar beratungsresistent – oder beides.

Kremlchef Wladimir Putin plötzlich mit menschlichem Antlitz? Von wegen! Hier lässt sich ein Mann vor allem mit Blick auf die Midterms in den USA am 3. November schamlos hofieren und abfeiern – sein Freund Donald Trump wird das zu schätzen wissen. Dabei ist Putin für die humanitäre Katastrophe in Oleschky wie für die gesamte Invasion der Ukraine der Hauptverantwortliche. Heuchlerischer und widerwärtiger geht es nicht.

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Unlängst ließ Russlands Präsident die Öffentlichkeit zum wiederholten Mal an seinem profunden historischen Wissen teilhaben: Die Territorien im Osten der Ukraine seien russisches Land, die Be­woh­ne­r*in­nen hätten ihrem Wunsch nach Zugehörigkeit zur Russischen Föderation in einem Referendum Ausdruck verliehen. Übersetzt heißt das: Moskau wird seinen Krieg in der Ukraine vorerst weiterführen, und zwar flächendeckend. Wie viele Menschen noch ihr Leben lassen müssen, spielt für den Kreml ohnehin keine Rolle, auch weitere Opfer unter den eigenen Landsleuten nicht.

Dennoch stellt sich die Frage, ob die „Aktion Oleschky“ als Blaupause für eine temporäre Waffenruhe auch andernorts in der Ukraine dienen könnte und Potenzial für mehr hätte – zum Beispiel im Hinblick auf einen Waffenstillstand. Darauf eine Antwort zu geben, wäre verfrüht. Fest hingegen steht: Optimismus in Bezug auf Russland ist absolut fehl am Platz und grenzenlos naiv.

Wie viel Lehrgeld, noch dazu auf Kosten der Menschen in der Ukraine, wollen die westlichen Staaten noch bezahlen?

Barbara Oertel Ressortleiterin Ausland

Geboren 1964, ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und seit 2011 eine der beiden Chefs der Auslandsredaktion. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert. Sie schreibt hin und wieder für das Journal von amnesty international. Bislang meidet sie Facebook und Twitter und weiß auch warum.
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3 Kommentare

  • Barbara Falk

    Sehr treffender Kommentar.



    Dass die Zivilisten aus Oleschky nun im Sicherheit sind, ist gut, das ist aber auch das einzig Gute an dem Vorgang (der IMO als ethnische Säuberung zu klassifizieren ist).

  • Kay Brockmann

    Was bedeutet „ernsthaft“?



    Ich denke, auf beiden Seiten muss eine Kompromissbereitschaft erkennbar sein.



    Wer einen Krieg anfängt, will ihn gewinnen. Natürlich. Wer angegriffen wird, muss sich verteidigen. Natürlich. Will vielleicht seinerseits gewinnen. Natürlich.



    Die Lösung für Konflikte ist das leider nie.

    • Machiavelli

      @Kay Brockmann:

      Es gibt keinerlei russische Kompromissbereitschaft. Russland verlangt weiterhin die vollständige Kapitulation. Schon ein Waffenstillstand macht Russland von der Aufgabe des Festungsgürtels abhängig.