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US-VideospielhändlerGamestop will Ebay übernehmen

Die US-Videospielkette bietet der Online-Plattform Ebay ein Milliardenangebot. Damit will der Konzern eine Konkurrenz zu Amazon schaffen.

Soll für 55,5 Milliarden US-Dollar von Gamestop gekauft werden: Ebay, hier das Berlin-Büro im Jahr 2003 Foto: Steinach/imago

afp/dpa | Die US-Videospielkette Gamestop will für rund 55,5 Milliarden Dollar (47,3 Milliarden Euro) die Online-Plattform Ebay kaufen, um einen „wahren Konkurrenten“ zum Online-Handelsriesen Amazon zu schaffen. Gamestop habe bereits seit Anfang Februar Aktien an Ebay gekauft und besitze so aktuell rund fünf Prozent der Anteile, teilte das Unternehmen am Sonntag mit. Für weitere Ebay-Aktien bietet Gamestop 125 Dollar pro Stück, das wären demnach 46 Prozent mehr als der Durchschnittskurs seit Anfang Februar.

Gamestop war am Freitag bei Börsenschluss knapp 11,9 Milliarden Dollar an der Börse wert, Ebay 46,2 Milliarden Dollar.

„Ebay sollte mehr wert sein und wird mehr wert sein“, sagte Gamestop-Chef Ryan Cohen dem „Wall Street Journal“ am Sonntag. „Ich habe vor, Ebay in ein Unternehmen zu verwandeln, das mehrere hundert Milliarden Dollar wert ist.“

Großteil der Finanzierung noch unklar

Er habe bereits eine Zusage für einen Kredit von rund 20 Milliarden Dollar für die Übernahme, sagte Cohen. Es blieb zunächst unklar, wie genau der Rest der Kaufsumme finanziert werden soll.

Cohen hatte vor Gamestop als Mitgründer den auf Haustier-Artikel spezialisierten Online-Händler Chewy geführt. Er hatte 2020 eine hohe Beteiligung bei dem Spielehändler aufgebaut, dessen Management er als zu langsam beim Online-Geschäft kritisierte, und übernahm 2023 den Chefposten. Er ließ viele Läden schließen und setzte stattdessen auf das Geschäft etwa mit Sammelkarten und Retro-Konsolenspielen, die Nostalgie bei Gamern wecken.

Ebay mit Fokus auf Sammler und KI

Auch Ebay versucht aktuell, sich stärker auf lukrative Kategorien wie etwa Sammelartikel, Autoteile und gebrauchte Modeartikel zu konzentrieren. Firmenchef Jamie Iannone setzte zudem auf Künstliche Intelligenz, um Nutzern das Einkaufen auf der Plattform zu erleichtern. Von Ebay gab es zunächst keine Reaktion auf Cohens Ankündigung.

Gamestop sorgte zu Beginn der Corona-Pandemie für Schlagzeilen, weil Amateur-Händler aus dem Netz den Kurs der Aktie entgegen Zweifeln der Wall-Street-Analysten am Geschäftsmodell hochtrieben.

CEO führt Unternehmen seit 2021

Dazu kämen Einsparungen bei Ebay in Höhe von zwei Milliarden Dollar in den zwölf Monaten nach der Übernahme – und dies wiederum werde zu einem Gewinnsprung führen. Gamestop-Chef Cohen sagte dem „Wall Street Journal“, sollte das Management von Ebay sich nicht offen für die Übernahme zeigen, werde er sich direkt an die Aktionäre wenden. Die nächste Hauptversammlung ist im Juni geplant. Ebay reagierte zunächst nicht auf die Mitteilung.

Cohen ist seit Januar 2021 Chef von Gamestop. Er persönlich besitze neun Prozent der Anteile an der Videospielkette und bekomme weder Gehalt noch Boni, erklärte das Unternehmen. Auch einen „goldenen Fallschirm“, sollte er Gamestop verlassen, gebe es nicht.

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