UN-Bericht zur Finanzierung von Natur: 30 zu 1 für Naturzerstörung
Laut UN-Bericht fließt deutlich mehr Geld in die Zerstörung der Natur als in den Naturschutz. Die Vereinten Nationen fordern eine Kehrtwende.
Foto: Robert Michael/dpa
Wäre es nur ein Spiel um Geld und die Natur träte an gegen ihre Ausbeutung, dann lautete der Spielstand: 1 Punkt für Mutter Natur und 30 Punkte für den Raubbau. Endstand: 1 zu 30.
Nur ist es kein Spiel, sondern Realität: Auf jeden US-Dollar, der in den Erhalt von Natur fließt, werden 30 US-Dollar in ihre Zerstörung investiert. Diese Bilanz zieht das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) in einem am Donnerstag vorgestellten Bericht in Nairobi. Es sei an der Zeit, gegenzusteuern, heißt es. Der Bericht ging in seine vierte Auflage und basiert laut Unep auf verbesserten Datensätzen und Methoden bei der Rückverfolgung der Finanzflüsse, in diesem Fall für das Jahr 2023.
Finanzinstitute, Kredite oder Anlagen spielten eine wichtige Rolle für den Erhalt oder die Zerstörung von Natur, sagt Tina Lutz, Wald- und Handelsexpertin bei der Deutschen Umwelthilfe. „Wir brauchen verbindliche Regeln, die sicherstellen, dass Umwelt- und Menschenrechte durch ihre Finanzaktivitäten nicht verletzt werden.“
Der UN-Report zeigt: 2023 verfehlten die Investitionen in die Natur um Weiten ihr Ziel. Also das, was zur Eindämmung der Klimakrise, des Aussterbens der Arten und der Zerstörung von Ökosystemen notwendig ist. In dem Jahr seien fast 220 Milliarden Dollar in Naturschutz investiert worden, ein Großteil aus öffentlichen Haushalten – 4 Prozent mehr als 2022. Und trotzdem: 2,4 Billionen US-Dollar flossen als Subventionen in die Zerstörung von Natur – besonders in fossile Brennstoffe oder umweltschädliche Landwirtschaft.
Nachhaltiger Anbau von Kaffee, Palmöl oder Soja
Mehr als doppelt so hoch sind die privaten Investitionen, die für Zerstörung und Degradierung von Natur sorgen: 4,9 Billionen US-Dollar. Laut Unep flossen umweltschädliche Gelder besonders in die Sektoren Versorgungswirtschaft, Energie, Industrie und Grundstoffe.
Tina Lutz, Deutsche Umwelthilfe
Unep folgert, dass bis 2030 die jährlichen naturerhaltenden Investitionen auf 571 Milliarden US-Dollar steigen müssten, um eine Kehrtwende zu erreichen – zum Beispiel durch nachhaltigen Anbau von Kaffee, Palmöl oder Soja. Das entspreche nur etwa einem halben Prozent der globalen Wirtschaftsleistungen. Vorerst hat die Natur gegen ihre Ausbeutung verloren. Der Spielstand kann sich aber noch drehen.
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