TrumpTok: Nur der Wahlkampf zählt
Die US-Regierung wollte Tiktok verbieten, aber jetzt ist Trump selbst auf der Plattform. Warum? Weil sie junge Menschen anspricht, mehr als anderswo.
D as weiße Haus ist jetzt auf Tiktok – genau jener Plattform, die die US-Regierung Ende 2024 aus „nationalen Sicherheitsgründen“ komplett verbieten wollte. Damals war sich sogar der Kongress einig: Tiktok sei ein Risiko, da Nutzer:innendaten bei der chinesischen Regierung landen könnten. Beweise gab es keine, aber das Gefahrenpotenzial galt als zu hoch.
In seiner ersten Amtszeit war Donald Trump sogar selbst für ein Verbot, scheiterte aber vor Gericht. Inzwischen existiert ein Gesetz, das Tiktok in den USA verbietet, sollte die App in chinesischer Hand bleiben. Die Frist für den Verkauf durch den Mutterkonzern ByteDance endet im September – zumindest theoretisch. Praktisch hat Trump die Deadline mehrfach verschoben und erklärt, er wolle nicht, dass „Tiktok von der Bildfläche verschwindet“. Das Risiko besteht tatsächlich, denn US-Investor:innen zeigten sich bisher nur mäßig interessiert – vor allem, weil ByteDance seinen Algorithmus bei einem Verkauf nicht preisgeben will. Und ohne Algorithmus ist Tiktok nur noch eine halb so starke App.
Warum will Trump jetzt auf eine App, die eigentlich nicht mehr existieren sollte? Natürlich ist das typisch Trump: Heute so, morgen anders. Aber es steckt mehr dahinter. Tiktok ist unter jungen Wähler:innen populär wie keine andere Plattform – deutlich stärker als etwa Instagram oder Facebook. Für einen Mann, der Stimmen braucht, ist Tiktok Gold wert. Und vielleicht spielt auch Jeff Yass keine unerhebliche Rolle. Der Milliardär besitzt mit seiner Firma nämlich nicht nur 23 Prozent von ByteDance, sondern spendete im Wahlkampf auch rund 50 Millionen Dollar an die Republikaner.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.
Unterm Strich zeigt der Tiktok-Auftritt vor allem eines: Auch Trump beugt sich dem Algorithmus, den Investor:innen und den Interessen des Wahlkampfs. Was bleibt da vom harten Kurs gegen China? Tja. Wir warten natürlich gespannt, welchen Content wir hier in nächster Zeit noch bekommen: Morning Routines mit dem Präsidenten? Virale Wahlkampf-Tanzmoves aus dem Oval Office? Momentan überrascht nichts, außer vielleicht mal konsequente Politik.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert