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Trump will GrönlandÜberfordert mit dem Zoll-Troll

Acht Länder will Trump mit Strafzöllen belegen, bis man ihm Grönland überlasse. Die Europäer begegnen seinen Forderungen mit gewohnter Ratlosigkeit.

Taten sich mit einer Antwort schwer: EU-Ratspräsident António Costa und Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Paraguay Foto: Cesar Olmedo/reuters
Eric Bonse

Aus Brüssel

Eric Bonse

US-Präsident Donald Trump hat die Europäer auf dem falschen Fuß erwischt. Die EU-Spitze war gerade in Paraguay – zur Unterzeichnung des Freihandelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten – als Trump im Machtkampf um Grönland neue Strafzölle gegen mehrere europäische Länder ankündigte.

EU-Ratspräsident António Costa und Kommissionschefin Ursula von der Leyen taten sich mit einer Antwort zunächst schwer. „Zölle würden die transatlantischen Beziehungen untergraben und eine gefährliche Abwärtsspirale riskieren“, warnten sie in einer gemeinsamen Erklärung. Europa werde geeint, koordiniert und entschlossen reagieren.

Doch wie die europäische Reaktion aussehen würde, ließen die beiden EU-Granden offen. Nicht einmal die europäische Außenbeauftragte Kaja Kallas fand klare Worte. China und Russland würden sich ins Fäustchen lachen, schrieb Kallas auf X. „Sie sind diejenigen, die von den Spaltungen unter den Verbündeten profitieren.“

Erste Beratungen waren dann am Sonntagnachmittag geplant, bei einem Krisentreffen der EU-Botschafter in Brüssel. Von einem Sondergipfel war zunächst keine Rede. Dabei geht es an die politische und wirtschaftliche Substanz.

Schon wieder eine Kraftprobe

Um die Europäer zu zwingen, die geplante Übernahme Grönlands durch die USA zu schlucken, will Trump ab dem 1. Februar einen Aufschlag von 10 Prozent auf Einfuhren verhängen; ab dem 1. Juni sogar von 25 Prozent. Dieser Aufschlag werde so lange fällig, „bis eine Einigung über den vollständigen und kompletten Kauf Grönlands erzielt ist“.

Betroffen sind neben Dänemark, zu dem Grönland gehört, auch Deutschland, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland. Diese Länder hatten in der vergangenen Woche Soldaten nach Grönland geschickt oder angekündigt, dies zu tun. Es war als Zeichen der europäischen Solidarität gemeint – nun droht eine Kraftprobe mit den USA, schon wieder.

Trumps Drohung erinnert an den Handelsstreit, den Trump im vergangenen Jahr vom Zaun gebrochen hat, und der mit einer Kapitulation der EU endete. Von der Leyen stimmte im Sommer 2025 zu, die Zölle für US-Exporte nach Europa auf null zu senken – für europäische Waren sollen dagegen 15 Prozent gelten.

Die Null-Prozent-Zölle auf US-Produkte müssen ausgesetzt werden

Manfred Weber, EVP-Chef

Allerdings wird dieser ungleiche Deal noch nicht voll umgesetzt, das Europaparlament muss noch zustimmen. Die EU-Abgeordneten verfügen damit über einen starken Hebel. Aus dem Parlament kam auch die heftigste Gegenwehr. Trumps aktuelle Drohungen stellten den Handelsdeal nun gänzlich infrage, erklärte der Chef der konservativen EVP-Fraktion, Manfred Weber (CSU). „Die Null-Prozent-Zölle auf US-Produkte müssen ausgesetzt werden“, so Weber.

Frankreich uneins mit Deutschland

Noch weiter ging der Chef des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD). Er will nicht nur die Umsetzung des Handelsdeals stoppen, sondern fordert auch, das EU-Gesetz gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen anzuwenden.

Das sogenannte Anti Coercion Instrument (ACI) war ursprünglich als Antwort auf Druck aus China eingeführt worden. Dieses Instrument ermöglicht der EU verschiedene Gegenmaßnahmen, wenn wirtschaftlicher Druck ausgeübt wird, um politische Entscheidungen zu erzwingen. Schon im Zollstreit mit Trump war gefordert worden, ACI anzuwenden.

Die EU-Staaten sind bislang davor zurückgeschreckt. Diesmal könnte es aber ernst werden. Präsident Emmanuel Macron werde beantragen, das ACI zu aktivieren, hieß es am Sonntag im Pariser Élysée-Palast. Macron sei damit beschäftigt, die europäische Reaktion auf die „inakzeptablen Drohungen von Präsident Trump“ zu koordinieren.

Die lahme Antwort aus Brüssel reicht Macron offenbar nicht – er will Gegenwehr organisieren und die EU-Spitzen zum Jagen tragen. Ob ihm das gelingt, bleibt abzuwarten. Deutschland hat sehr zurückhaltend auf Trumps neue Drohungen reagiert – und Kanzler Friedrich Merz (CDU) beansprucht ebenfalls, die EU zu führen. Wenn Berlin auf der Bremse steht, geht in Brüssel gar nichts.

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