Tourismusforscher über Corona-Krise: „Ist Borkum nicht auch ganz schön?“

Viele Deutsche verbringen den Urlaub gerne in der Ferne. Selbst das Coronavirus wird die Reiselust nur kurzfristig bremsen, sagt der Tourismusforscher Martin Lohmann.

Eine Junge springt kopfüber in einen See mit Waldufer, der Kopf ist schon unter Wasser

Urlaub um die Ecke: Hauptsache, es gibt einen See Foto: Frank Sorge/imago-images

taz: Herr Lohmann, 26 Prozent der Deutschen, so die Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. (FUR), machten 2019 Urlaub im eigenen Land. Werden wir uns diesen Sommer unter eingeschränkten Reisemöglichkeiten und trotz aller Distanzregeln an der Ostsee tottrampeln?

Martin Lohmann: Wenn man rein rechnerisch davon ausgeht, dass von den 70 Millionen Urlaubsreisen, die die Deutschen machen, nicht 19 Millionen wie jetzt in Deutschland bleiben, sondern 45 Millionen, dann würde das schon ganz schön voll werden.

Wohin mit unseren Reisewünschen?

Der Urlaub im Jahr 2020 wird weniger durch die Reisewünsche geprägt als durch die Möglichkeiten. Und momentan sind die gleich null. Man kann sich vorstellen, dass es langsam eine „Befreiung“ geben wird und zuerst Reisen im eigenen Land möglich werden. Die Nachfrage für Deutschland wird da klar steigen.

Viele Angebote in Deutschland wie Wander- und Fahrradwege und Nationalparks, die zur Verfügung stehen, sind bis auf wenige Hotspots kaum genutzt.

Ja, das ist das typische „Hotelschwimmbad-Problem“. Es gibt viel Angebote, aber sie werden nicht stark genutzt. Das gilt auch für manche Wanderwege, Museen und dergleichen. Aber der Deutschlandtourismus hat sehr an Angebotsumfang und Qualität gewonnen. Das gibt jetzt Spielraum für eine stärkere Nachfrage.

Wie reisen die Deutschen?

Sie reisen gerne und viel. Der Anteil der Urlaubsreisenden in der Bevölkerung war 2019 auf einem Höchststand, auch die Zahl der Reisen. Das Reisen ist eine sehr wichtige gesellschaftliche Erscheinung. Wie die Leute mit dem Nicht-Reisen-Können fertig werden, müssen wir sehen.

Sind wir urlaubsversessen?

Die meisten Menschen machen nur eine Urlaubsreise, manche dazu noch Kurzurlaubsreisen. Es ist durchaus nicht so, dass alle ständig unterwegs sind. Aber sehr viele sind ab und zu unterwegs. Dabei stehen immer mehr Auslandsziele im Vordergrund, trotz aller Beliebtheit des Inlands.

63, ist seit 1991 Leiter des Kieler Instituts für Bäder- und Tourismusforschung in Nordeuropa (NIT) und Professor fürWirtschaftspsychologie an der Leuphana Universität in Lüneburg.Der Diplom-Psychologe und sein NIT-Team erstellen im Auftrag der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) jedes Jahr die Reiseanalyse. Sie gibt Auskunft über das Reiseverhalten in Deutschland.

Fernreisen nehmen also zu?

Ja, insgesamt nehmen die Distanzen zu. Also die Flugreisen gingen bis 2019 zu immer weiter entfernt liegenden Zielen. Etwa Ägypten statt Mallorca, die Türkei statt Italien. Hinzu kommt: die Wünsche überwiegen die Möglichkeiten. Wir haben den multioptionalen Konsumenten. Man findet sehr viel interessant, was man an Urlaubsreisen machen könnte, vielmehr als man in einem Jahr zu bewerkstelligen in der Lage ist. Das führt zu einer hohen Flexibilität. Wenn das Reiseziel a wegen Terror nicht verfügbar ist, dann fahre ich eben nach b, das hat mich auch schon immer interessiert. Es ist wie ein Kind mit dem Legokatalog, es wird alles angekreuzt, weil eigentlich alles interessant ist.

Die Ziele sind also völlig austauschbar?

Natürlich sind sie nicht identisch, im Hinblick auf das Interesse ist die Antwort aber „ja“. Diese Flexibilität ist vielleicht auch ein Segen, wenn in diesem Jahr nicht so viel Auswahl zur Verfügung steht.

Wie ist das Verhältnis von Pauschal- und Individualreisen?

Das Verhältnis ist immer undurchsichtiger geworden, weil sich die Reisen nicht mehr so unterscheiden lassen. Fakt ist: Die Pauschalreisen sind im vergangen Jahr nicht zurückgegangen trotz Thomas Cook Pleite und dem wachsenden Trend, sich die Reise nicht vorsetzen zu lassen. Das liegt daran, dass die Reiseveranstalter immer individueller agieren, ihre Angebote immer mehr zuschneiden auf die individuellen Bedürfnisse. Der Reisende ist als Pauschalreisender gar nicht mehr erkennbar.

Reiseanalyse

Dafür werden jährlich mehr als 12.000 Interviews geführt. 2019 sind die Deutschen häufiger und teurer in den Urlaub gefahren als noch im Vorjahr. Die Zahl der längeren Urlaubstrips mit einer Dauer von mindestens fünf Tagen stieg laut der Studie im Auftrag der Forschungsgemeinschaft Urlaub und reisen e.V. (FUR) im Vorjahresvergleich leicht auf geschätzt 71 Millionen, die Gesamtausgaben für diese Reisen um drei Prozent auf rund 73 Milliarden Euro. Dazu gab es noch etwa 92 Millionen Kurzurlaubsreisen mit einer Dauer von zwei bis vier Tagen für rund 25 Milliarden Euro. Die Kreuzfahrtbranche verzeichnete rund neun Prozent mehr Buchungen, die Flughäfen rund zwei Prozent mehr Passagiere. Dass Top-Reiseziel der Deutschen 2019 war das eigene Land, rund 30 Prozent der Urlauber wollen innerhalb der Bundesrepublik verreisen. Dahinter lagen Spanien, Italien, die Türkei und Österreich als weitere Top-Ziele.

Tipp für Deutschland

Kein Angst vor Urlaub in Deutschland, es ist ein attraktives Reiseland. Unsere taz-Autor*innen erzählen ihre Geschichten aus Deutschland in der völlig überarbeiteten Neuauflage unseres Reiseführers „Deutschland für Eigensinnige 2“. Das Bauhaus kommt aus Weimar, Chemnitz war eine der interessantesten Industriestädte Deutschlands und das Ruhrgebiet hat seine alten Bergbau-Halden künstlerisch aufgehübscht und zu spannenden Freizeitparks umgestaltet. Wir entdecken die älteste Kunst der Menschheit auf der schwäbischen Alb, die Anfänge einer Liebeskultur im Mittelalter, das bunte Jenseits des deutsche Barock. Wir führen mit Rad und Boot durch die Natur und selbstverständlich verschmähen wir keinen kulinarischen Genuss am Wegesrand – vom Hering auf Hiddensee über die Spreewaldgurke bis zum Allgäuer Bergkäse. Most, Wein, Bier inclusive.

„Deutschland für Eigensinnige 2“, herausgegeben von Edith Kresta und Brigitte Marquardt, 2019, 199 Seiten, im Kombiangebot für 17 Euro als gedrucktes Buch plus E-book bestellen.

Bedeutet eine Pauschalreise rechtlich eine größere Absicherung?

Ja, und das ist wichtig bei Reisen, die irgendwie als risikobehaftet wahrgenommen werden. Also wenn man sagt, 2021 will ich wieder in die Ferne reisen und wenn dann was passiert, dann bringen die mich wieder zurück. Mittelfristig dürften durch die hohe Sicherheit, die Veranstalter bieten können, Pauschalreisen beliebt bleiben.

Sehen sie das Reisen durch den Corona-Stillstand bedroht?

Nein, nicht durch Corona. Wenn, dann durch die gesellschaftliche Reaktion auf das Virus. Es wird jetzt als ungeheuer bedrohlich wahrgenommen und wir haben in Deutschland und anderswo Maßnahmen akzeptiert, die bis vor wenigen Monaten völlig undenkbar gewesen wären. Das hinterlässt natürlich Spuren. Aber wegen der vielen positiven Wirkungen des Reisens werden wir auf Tourismus nicht verzichten. Und neben den persönlichen positiven Aspekten für die Reisenden gibt es natürlich auch die wirtschaftlichen Effekt in den Zielländern, was deren Entwicklung und vor allem den Arbeitsmarkt angeht.

Wie langlebig ist das Gedächtnis der Touristen nach Krisen?

Wenn ich jetzt sage „kurz“, dann könnte man das falsch verstehen im Sinne von ein bisschen dumm. Tatsächlich stellt sich die Frage, ob man aus der vorherigen Krise etwas zur Vermeidung von oder Anpassung an die mögliche nächste lernen kann. Und da sind die Konsequenzen meistens nicht eindeutig. Anstecken kann man sich in Bergamo oder Ischgl, aber genauso auch in Köln. Einem Terroranschlag kann man in Istanbul, New York oder Berlin zum Opfer fallen. Da hilft nur zu Hause zu bleiben. Und die meisten Unfälle passieren in der eigenen Wohnung. Woran soll sich also der Tourist erinnern?

Flugreisen haben kontinuierlich zugenommen, ebenso die Kritik daran. In welchem Spannungsverhältnis steht das?

Wir hatten im letzten Jahr trotz der Kritik an der Klimaschädlichkeit des Fliegens mehr Flugreisen als je zuvor. Viele Touristen haben zwar ein ungutes Gefühl beim Fliegen, aber das führt nicht dazu, dass das Verhalten über Bord geworfen wird.

Nach ihren Erhebung sagen 38 Prozent der Befragten, sie hätten eine positive Einstellung zu ökologischen und sozialverträglichen Urlaubsreisen.

Ja, aber andere Dinge sind auch wichtig. In die Sonne zu kommen, Zeit mit der Familie genießen, etwas anderes erleben, sich zu erholen. Wenn ich nur eine Einstellungen abfrage, dann gibt es meistens einen Graben zwischen Einstellung und Verhalten. Das sehen wir eben auch bei der Nachhaltigkeit.

Die Menschen handeln also gegen ihre Überzeugung?

Ja und nein; sie sind im Konflikt, da sie unterschiedliche Einstellungen haben und am Ende nur ein Verhalten zeigen können. Das fällt bei der Nachhaltigkeit besonders auf, ist aber nicht auf Nachhaltigkeit begrenzt. Ich reise, um Spaß zu haben, um mich zu erholen, neue Länder kennenzulernen, meine Neugierde zu befriedigen; dann ist Nachhaltigkeit nur eine Bedingung.

Wer ist ihrer Meinung nach für die Nachhaltigkeit verantwortlich?

Alle, die an der Kette beteiligt sind. In erster Linie der Anbieter, also etwa das Hotel und wie es mit Müll, Wasser, Essen und Transport umgeht.

Ändert sich das Reiseverhalten bei jüngeren Menschen?

Nein. Dass es bei jungen Erwachsenen heute eine Struktur gibt, die anders wäre als bei den Erwachsenen vor 20 Jahren, ist nicht sichtbar. Sie reisen eher weiter weg.

Haben die letzten Wochen nicht gezeigt, dass wir zu erstaunlichen Verhaltensänderungen fähig sind?

Ja. Es hat Jahrzehnte nicht funktioniert mit der Nachhaltigkeit. Diese Diskussion im Tourismus begleitet uns ja schon seit den 80er Jahren. Plötzlich scheint es mit den Verhaltensänderungen zu funktionieren, wenn man zunächst Angst vor einer großen Gefahr aufbaut und dann amtliche Regeln zur Verminderung der Gefahr aufstellt.

Wäre eine Regelung denkbar, nur alle drei Jahre eine Fernreise zu buchen, im Interesse des Klimas?

Wenn man von amtlicher Seite auf die Gefahren der Klimakrise mit demselben Druck hinweisen würde wie auf die Gefahren des Corona-Virus, dann träfe das sicherlich auf eine gewisse Akzeptanz. Das hätte ich vor einem halben Jahr nicht gedacht. Die aktuellen Entwicklungen lassen das wahrscheinlich klingen. Ob das politisch wünschenswert ist, ist eine andere Frage.

Es gibt Fridays for Future und ein Unbehagen am Reisen – wird das unser expansives Reiseverhalten ändern?

Wie gesagt, bis zum Ende des vergangen Jahres war in dieser Hinsicht keine Hoffnung – trotz des Einhämmerns, Reisen umweltfreundlicher zu gestalten oder sogar ganz zu unterlassen. Im Gegenteil, alle Anstrengungen um Nachhaltigkeit wurden aufgefressen, weil Menschen schon immer reisten. Für die Zeit nach Corona kann ich mir schon vorstellen, dass es so eine Art Besinnungseffekt gibt. Kann ich meinen Strandaufenthalt nicht auf Borkum machen statt auf Tahiti? Und ist Borkum nicht auch ganz schön? So könnte das Reisen tatsächlich klimaschonender und naturnäher werden.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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