Ticker 1. Mai – der Tag

Hamburg macht mal wieder Schule

In Dortmund und Rostock treffen Neonazis und Antifas aufeinander. In Hamburg bleibt eine leere Lehranstalt besetzt. In Berlin fängt‘s an zu regnen. Das war der Tag.

Relaxen auf der Wiese vorm Hamburger Michel. Demnächst soll die Demo zur Solidarität mit den Lampedusa-Flüchtlingen beginnen. Bild: Benjamin Laufer

18. Uhr: Der Abend

Onlinebunker. Der Liveticker zieht um. Ab sofort findet ihr hier die Entwicklung des Abends.

17.55 Uhr: Spontan-Demo ohne Zwischenfälle

Berlin, Kreuzberg, Lausitzer Platz. Die Spontan-Demo verlief ohne Zwischenfälle. Am Lautsprecherwagen werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Die Polizei stellt sich neu auf, bestimmt 20 Mannschaftswagen stehen an der Seite und in Kleingruppen auf dem Platz unter den Demonstranten.

17.54 Uhr: Wer ist der Hausherr?

Hamburg. Jetzt ist klar, warum die Polizei noch nicht eingeschritten ist: Sie weiß noch gar nicht, wer eigentlich das Hausrecht an der alten Schule hat. Ist es der Senat, die Finanzbehörde oder der Bezirk? „Wir prüfen das derzeit“, sagt ein Polizeisprecher. Die Situation vor Ort ist nach wie vor gelassen. Inzwischen haben die Polizisten auch ihre Helme wieder abgenommen. Ein Aktivist erklärt durch ein Megafon die Idee hinter der Besetzung: „Dies soll ein Ort sein, an dem wir gemeinsam überlegen können, wie es mit den Flüchtlingen weiter geht.“ Um 18 Uhr soll es eine Vollversammlung von dem losen Haufen an Aktivisten in der Schule geben.

17.51 Uhr: Warten auf das Offizielle

Berlin Kreuzberg. Die Spontan-Demo endet am Lausitzer Platz, begleitet von Polizisten rechts und links. Es ist wieder ruhig, die Menschen verteilen sich über den Platz. Jetzt wird auf die Revolutionäre 1. Mai Demo gewartet. Die unangemeldete Demo hat ihr Ziel erreicht: Ihre Demo führt zum Start der angemeldeten Demo um 18 Uhr.

Myfest: Die Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg. Bild: dpa

17.47 Uhr: Nazi-Trupp löst sich von Kundgebung

Eine Gruppe von 50 Nazis hat die Zwischenkundgebung verlassen und setzt sich in Bewegung, um weiter zu demonstrieren. Die Rechtsextremen gehen die Wodanstraße runter. Der andere Teil ist immer noch auf der Zwischenkundgebung. Warum sich diese eine Gruppe abgetrennt hat, ist noch unklar.

17.30 Uhr: Nazi-Veranstlatung beendet, rechte Truppen ziehen los

Rostock, Röversweher Chausee. Der NPD-Landeschef Stefan Köster hält die Abschlussrede. Danach erklärt David Petereit die Veranstaltung für beendet. Zugleich beschwert er sich, dass alles, was sie genehmigt bekommen hatten, nicht umgesetzt wurde. Er wünscht den Kameraden, dass sie alleine nach Hause gehen. Die Kameraden verstehen, in Gruppen setzen sie sich sofort ab, gehen durch die Polizeikräfte. Eine Gruppe stürmt sofort auf JournalistInnen zu und versucht diese zu bedrängen. Es ist zu befürchten, dass nun in einzelnen Gruppen Rechtsextreme in Richtung Bahnhof durch Rostock ziehen. Sie selbst haben jetzt offiziell angegeben, mit 400 TeilnehmerInnen marschiert zu haben. Auf einem der Transparente prangte „Nationaler Sozialismus“.

17.30 Uhr: Spontandemo am Kottbusser Tor

Die Spontandemo mit den 2.000 Teilnehmern - etliche davon im schwarzen Autonomen-Outfit quert das Kottbusser Tor. „Wem gehört Kreuzberg? Stadt für alle“ steht auf einem der Transparente. Plötzlich sind viele Polizeieinheiten aufgetaucht. Die DemoteilnehmerInnen wissen gerade nicht so richtig, wo es hingehen soll. Die Polizei macht Anstalten, die Demo zu stoppen.

17.26 Uhr: Spontandemo geht los

Berlin, Adalbertstraße. Bestimmt 2.000 Leute starten eine Demonstration auf dem Myfest. Hauptaspekt: Der Mietenwahnsinn. Auf einem Front-Transparent steht: „Wohnungen für alle“ und „Zwangsräumung am 8.5. blockieren“. Sie rufen „Anti-Anti-Anti Kapitalista“, ein vermeintlicher NPD-Fotograf wird weggedrängt. Eine Polizeikette von 10 Zivilpolizisten versucht erfolglos, die Menschen vor der Muskauer Straße aufzuhalten. Spontan entscheiden die Demonstranten, wo sie lang gehen. Von Polizisten werden sie nicht mehr begleitet.

17.19 Uhr: Frau Steinbach pflückt Gänseblümchen

Irgendwo in Deutschland. CDU-MdB und Vertriebenenchefin Erika Steinbach liegt auf einer Gänseblümchenwiese.

17.15 Uhr: 246 Festnahmen in der Türkei

Istanbul. Regierungskritische Anwälte berichten von 50 verletzten Demonstranten. In Istanbul seien rund 170 und in Ankara weitere 76 Demonstranten festgenommen worden, teilte die Anwaltsvereinigung CHD mit. Amnesty International kritisierte den Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas durch die Polizei als „verwerflich“. Damit sollten das Recht auf freie Meinungsäußerung und auf friedliche Versammlungen niedergeschlagen werden.

Die Proteste in Istanbul ebbten am Nachmittag ab. Zuvor war es zu schweren Zusammenstößen in der Umgebung des symbolträchtigen Taksim-Platzes und in anderen Stadtvierteln gekommen. Demonstranten errichteten Barrikaden und warfen mit Pflastersteinen. Sie schafften es nicht, auf den von Tausenden Polizisten abgeriegelten Taksim zu gelangen. (dpa)

Mehr Informationen dazu von unserem Korrespondenten gibt es hier.

17.13 Uhr: Zwischenkundgebung mit schriller Stimme

Dortmund. An der Donarstraße Ecke Wodanstraße findet die Zwischenkundgebung der Nazis statt. Gerade redet eine NPD-Frau über Volksgemeinschaft und Volksverräter - mit einer sehr schrillen Stimme. Nicht mal ein Kiosk in der Nähe, um sich getränkemäßig abzukühlen.

17.10 Uhr: Nazis stehen, Grüne melden neue Kundgebung an

Rostock, Ernst Barlach-Straße. Vor einer Brücke befindet immer noch eine Blockade. Von den Seitenstraßen kommen immer wieder GegendemonstrantInnen, da angenommen wird, dass der NPD-Zug über diese Straße zum Hauptbahnhof geführt wird. Die Grünen haben mittlerweile eine neue Kundgebung angemeldet. Auf der Höhe der Ernst-Barlach-Straße Ecke August-Bebel-Straße.

17.04 Uhr: Auch der U-Bahnhof Kottbusser Tor ist dicht

Berlin-Kreuzberg. Auch der U-Bahnhof Kottbusser Tor hat seine Tore geschlossen. BVG-Sicherheitsdienstler schicken die empörten Leute weiter zu den U-Bahnhöfen Prinzenstraße oder Schlesisches Tor, können aber selbst nicht genau sagen, ob dort wirklich noch offen ist. Die Polizei habe das veranlasst. Auf die Frage warum, sagen sie, dass sie das nicht wüssten. Das letzte Mal, dass die U-Bahn nicht mehr in Kreuzberg hielt, war anlässlich des Besuchs von US-Präsident Reagan im Jahr 1987. Die Empörung war damals groß.

17.01 Uhr: Flüchtlinge malen Plakate

Berlin, Oranienplatz. Patras Bwansi hat die Ruhe weg. Von der Südseite des Platzes dröhnen die verzerrten Gitarren des Myfests herüber, tausende Menschen bevölkern den Platz. Doch der ugandische Flüchtling malt entspannt an einem neuen Transparent mit den Forderungen der Bewegung: keine Lager, keine Residenzpflicht, keine Abschiebungen mehr. Erst gestern haben Bwansi und sechs Mitstreiter ihren zweiwöchigen Hungerstreik unterbrochen, nachdem sie ein erstes Gespräch mit der Bundesmigrationsbeauftragten hatten. „Ich fühle mich schon besser heute,habe ein wenig gegessen“, sagt Bwansi. Während er weiter malt, bleiben immer wieder Menschen am Infostand der Flüchtlinge stehen. „Das Fest ist eine gute Gelegenheit für uns, die Leute zu informieren“, freut ich der Ugander. Einer der Passanten, der intensiv die auf dem Boden ausgebreiteten Papiere liest, ist Christoph Hillebrand aus Berlin-Lichtenberg: „Ich finde den Protest gut“, sagt der 31-Jährige. „Die Leute hier haben ja auch eine Daseinsberechtigung.“

17.00 Uhr: Olaf Scholz ist illegal

Hamburg, Karoviertel. Das Refugees Welcome Center ist beliebt: An die hundert AktivistInnen sind im Gebäude und schauen sich um, manche malen Transparente. Auf Tafeln stehen antirassistische Parolen, ein Aufkleber meint: „Ein Mensch ist Illegal - Olaf Scholz.“ Vor der Tür warten immer noch Hunderte darauf, dass die Polizei einschreiten könnte. Die hat sich 100 Meter weiter postiert, griff aber bislang nicht ein. Eine Stellungnahme gibt es noch nicht: In der Polizeipressestelle geht seit einer halben Stunde niemand mehr ans Telefon.

16.55 Uhr: „Adolf hätte Seife aus denen gemacht“

Dortmund, Donarstraße. Die Nazis ziehen wieder in ein Wohngebiet. Aus den Fenstern schauen ziemlich entgeistert zahlreiche Anwohner. Manche stehen auch vor ihrer Tür. „Wir sind doch alle Menschen“, entgegnet eine in der Straße wohnende Tunesierin den Parolen der Nazis kopfschüttelt. Eine Frau aus der „Erlebnisgeneration“ kommentiert den braunen Aufmarsch so: „Ich bin fast 90 Jahre, aber sowas habe ich noch hie gesehen. Früher herrschte noch Ordnung. Aus denen hätte Adolf Seife gemacht.“ Dann geht sie auf ihrem Krückstock gestützt zurück ins Haus.

16.50 Uhr: Auszeit für die Drogen-Reha

Der 1. Mai hat noch jemand beflügelt: Torontos umstrittenes Stadtoberhaupt Rob Ford will sich eine Auszeit nehmen, um sich von seiner Drogensucht kurieren lassen. Wir wünschen ihm viel Erfolg!!!!

16.46 Uhr: U-Bahn fährt durch

Berlin-Kreuzberg. Kreuzberg jenseits der Oranienstraße ist mittlerweile so voll, dass die U-Bahn nicht mehr am Görlitzer Bahnhof hält.

16.45 Uhr: „die jungs pissen in die eine ecke, in der anderen schminken sich die mädels“

Die BesucherInnen des MyFests sind vom geballten Hedonismus in Kreuzberg beeindruckt: „Massenbesäufnis“ twittern sie, „Full house“ oder “it‘s Hipster Mardi Gras“. @NicolasSustr freut sich über günstige Angebote: „Es lebe 1 Mai! Bratwurst 2 Euro, Nackensteak 3 Euro.“ Die linke Bundestagsabgeordnete Halina Wawzyniak hat derweil gendertypische Verhaltensweisen beobachtet: „die jungs pissen in die eine ecke, in der anderen schminken sich die mädels.“

16.44 Uhr: Nazis verhandeln über neue Demoroute

Rostock, Am Strande. Auf der anderen Seite der Warnow sitzen immer noch 500 Gegendemonstranten auf der Straße – seit drei Stunden. Bei strahlender Sonne stehen vor ihnen vier Wasserwerfer, dahinter zwei Räumungsfahrzeuge. Diese Blockade, zusammen mit einer zweiten, ist der Grund, warum die NPD nicht weiter marschieren kann. Auf Nachfrage sagt die Polizei, dass über eine neue Route noch verhandelt wird. Die Gegendemonstranten sind entspannt, hören Musik, Schnacken, rauchen und Träumen.

16.34 Uhr: GegendemonstrantInnen direkt am Nazi-Aufmarsch

Dortmund. Haberlandstraße. Etwa 20 GegendemonstrantInnen haben es beim Aufmarsch der Rechtsextremisten direkt an den Straßenrand geschafft. Die Stimmung bei den Nazis ist deshalb sehr aggressiv. Würde die Polizei nicht zwischen ihnen und den GegendemonstrantInnen stehen, würden sie sicherlich zum Angriff übergehen. Ein Nazi wurde zur Personenkontrolle von der Polizei herausgezogen, weil er sich besonders auffällig verhalten hat. Auf seinem T-Shirt steht „Nationale und Sozialistische Revolution jetzt“.

16.21 Uhr: Plumpe Vertraulichkeit der Polizei auf Twitter

Die Berliner Polizei twittert an diesem 1. Mai zum ersten Mal aus Kreuzberg und vergreift sich gleich im Ton: „Denkt an das Dosen- und Glasflaschenverbot im Bereich des #MyFest.“ Was diese plumpe Vertraulichkeit soll, fragt sich @tsk1624 und hält einen guten Rat für die Ordnungshüter bereit: „Bitte denken Sie daran, uns zu Siezen, da es sich beim Duzen um eine Beleidigung handelt.“ Dagegen begrüßt @rdidtscke die neue Distanzlosigkeit:“Ey, du, danke dir!“

16.15 Uhr: Das Cannabis duftet, die Polizei zeigt nur Präsenz

Berlin-Kreuzberg. Während auf dem Myfest rund um die Oranienstraße drangvolle Enge herrscht, hat sich der Görlitzer Park zu einer Art Rückzugsraum entwickelt. Tausende von Leuten tummeln sich entspannt auf dem Rasen, aber es herrscht noch Platz um Decken auszubreiten. Kleinkünstler stellen Akrobatik zur Schau, Gitarristen musizieren. Nicht nur Grillschwaden, sondern auch würziger Cannabisgeruch liegt in der Luft. Bei Bedarf wird das Gras von den Anbietern auch bis zur Decke gebracht. Die Stimmung im Park ist entspannt, es ist längst noch nicht so kommerziell wie auf dem Myfest. Ab und an wandert eine Gruppe von Polizisten durch das Areal. Sie werden aber nicht weiter beachtet. Sie zeigen ihrerseits nichts weiter als bloße Präsenz.

16.10 Uhr: Leerstehende Schule besetzt

Hamburg. AktivistInnen haben eine leerstehende Schule im Karoviertel besetzt. Dort wurde ein Refugee Welcome Center eröffnet. Hintergrund ist, dass die Stadt den Lampedusa-Flüchtlingen keine Unterkunft zur Verfügung stellen will. Die Polizei marschiert gerade auf und hat die Helme angezogen. Hunderte Demonstranten stehen vor der Schule.

16.00 Uhr: Der NPD-Marsch ist zum Stehen gekommen

Rostock, Röversweher Chausee. Der NPD-Marsch steht. Auf dem Petridamm und Mühlendamm sollen größere Blockaden von Gegendemonstranten sein. Vor Ort gibt es unterschiedliche Angaben, wieviel Rechtsextreme wirklich auf der Straße sind. Die Polizei geht weiterhin von 300 aus, eine frühere Einschätzung von über 1.000 scheint nicht zu stimmen. Die NPD sprach anfänglich selbst von knapp 500. Unter den Teilnehmern befindet sich im vertrauten Gespräch mit NPD-Kadern Thomas Wulff, bis vor kurzem NPD-Landesvorsitzender in Hamburg. Die Bundesführung schloss ihn aber aus, weil er sich als Nationalsozialist versteht. Gegen den Ausschluss hat er Beschwerde eingelegt.

15.49 Uhr: Nazis marschieren durch Kleingärten

Dortmund. Die Nazis gehen weiter über die Westerfilder Straße und haben die Wohnbebauung verlassen, was bedeutet, dass der Lärm ihrer Musik jetzt wieder einsetzt. Gerade marschieren sie an Kleingärten vorbei. Zuvor haben sie „Alles für Volk, Rasse und Nation“ gerufen. Sie laufen in Hunderter-Blöcken und Marschkolonnen. Die Gegendemonstranten hatten versucht, über die Seitenstraßen an die Nazis heranzukommen, haben es aber nicht geschafft –aufgrund der massiven Absperrungen der Polizei.

15.39 Uhr: Nazis setzen sich in Bewegung

Dortmund. Der Demonstrationszug der Rechte hat sich über die Westerfilder Straße in Bewegung gesetzt - mit dem Ruf „frei, sozial und national“ und mit ganz vielen schwarz-weiß-roten Fähnlchen. Es geht in Richtung S-Bahnhof und darüber hinaus. Gegendemonstranten versuchen sich nun in die Route zu stellen. Allerdings haben sie wenig Chacen, angesichts des massiven Polizeiaufgebots.

15.33 Uhr: Keine Toilettenschlüssel für Nazis

Rostock, Gutenbergstraße, Höhe Bäckereistieg. Ein älteres Pärchen ist im Vorgarten am gärtnern. Viele Einfamilienhäuser zieren die Gutenbergstraße. “Ich dachte, die Spinner laufen woanders“, sagt der Mann. Mitarbeiter eines Pizza-Bringdienstes stehen genervt vor ihrem Geschäft. “Wir können nicht mehr ausliefern.“

In einem Asia-Imbiss bekommt man den Toilettenschlüssel nur, wenn man wirklich beteuert, nicht zu den Nazis zu gehören. Ein Lächeln ist hier ein Muss. Der NPD-Vorsitzende aus Berlin schimpft derweil über die Einwanderung in die Sozial-Systeme und hetzt gegen Sinti und Roma.

15.15 Uhr: Putin vergibt DDR-Ehrentitel „Held der Arbeit“

In Moskau schwenken bei blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen Teilnehmer sowjetische und russische Flaggen und auch Luftballons in den Landesfarben weiß, blau und rot. Das Highlight: Bei einer Zeremonie im Kreml zeichnet Putin fünf Bürger als “Helden der Arbeit“ aus. Er hatte den auch in der einstigen DDR bekannten Ehrentitel im Vorjahr nach mehr als 20 Jahren wieder eingeführt. Kritiker werfen Putin vor, er wolle einen Staat nach dem Vorbild der Sowjetunion wiedererrichten. (dpa)

15.14 Uhr: Willkommenskultur auf der Reeperbahn

Am Tag der Arbeit dominieren Weiß-blau-rot auf dem Roten Platz in Moskau. Bild: dpa

Die anwesenden Flüchtlinge werden mit Applaus begrüßt, und zwar Land für Land: Mali, Togo, Ghana, Burkina-Faso und Libyen. „Wir wollen unseren Respekt für euren Kampf zeigen“, sagt eine Rednerin. Bürgermeister Olaf Scholz wird für die Situation der Flüchtlinge verantwortlich gemacht. Für ihn gibt‘s nur laute Buh-Rufe.

15.02 Uhr: Grüne übertönen konfuse Nazi-Reden

Dortmund, Westerfilder Straße Ecke zum Luftschacht. Gemeinsam mit anderen Landtagsabgeordneten der Grünen und der Piraten beobachtet Daniela Schneckenburger das Demogeschehen. „Die Stadt zeigt, dass sie eine demokratische Gesellschaft hat, die auch bereit ist, Gesicht zu zeigen“, freut sich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen über die lautstarken Proteste gegen den rechten Aufmarsch. Währenddessen halten die Nazis wirre Reden.

15.00 Uhr: Sitzblockaden in Rostock von der Polizei zerschlagen

Rostock, Gutenbergstraße. Die Polizei setzt härtere Mittel ein. Vor dem Marsch der NPD, die Gutenbergstraße herunter, laufen 40 bis 50 Polizeibeamte. Eine friedliche Sitzblockade überranten sie fast, schlugen mit den Händen auf die Blockierenden ein und räumten so die Straße. Bretschneider, die Landtagspräsidentin, sagte kurz zuvor zu der Verbotspraxis der Stadt: „Man könnte ruhig mehr Mut haben und auf die demokratischen Proteste hoffen“.

14.55 Uhr: „Ihr seid hier zu Hause“

Hamburg. Fröhlich, friedlich, aber auch kämpferisch fordern die DemonstrantInnen ein Bleiberecht für die Lampedusa-Flüchtlinge: „Ihr seid hier zu Hause und wir sorgen gemeinsam dafür, dass ihr bleiben könnt“, ruft eine Rednerin. Die VeranstalterInnen sprechen von zwischen 2.000 und 4.000 Menschen, die Polizei von 1.050. Die taz schätzt die unübersichtliche Menge auf über 1.500, der Zug ist über einen Kilometer lang.

14.45 Uhr: Die Nazis pöbeln

Rostock, Gutenbergstraße Höhe Lorenzstraße. Die Polizei beginnt, die friedliche Sitzblockade aufzubrechen. Einzelne Blockierende werden von drei Polizeibeamten weggetragen. Auf der Lorenzstraße bildet sich bereits die nächste Sitzblockade von über 40 Leuten. Die Angabe der Polizei, dass cirka 300 Rechtsextreme erwartete werden, ist falsch. Über 1.200 Rechtsextreme stehen auf der Gutenbergerstraße und warten, dass die Blockade weggeräumt wird.

14.40 Uhr: Kommerz mit pfiffigen Ideen auf dem Myfest

Berlin, Kreuzberg. Von allen Seiten drängen die Leute in das Festgebiet des Myfests rund um die Oranienstraße. Kurz vor der Adalbertstraße ist es schon so voll, dass die Leute auf ihrem Weg stocken. Rauchschwaden vom gebratenen Köfte, Nackensteak und Bratwürsten ziehen zwischen lauten Bässen über junge Leute mit Getränken in der Hand oder Kindern in Tragetüchern. Mittendrin die Anti-Konflikt-Teams der Polizei mit Neonfarbenen Westen und die private Security vom Maifest mit blauen Westen.

Es verspricht, mindestens so voll zu werden, wie in den Vorjahren – zwischen 30.000 und 40.000 waren es da. Die älteren Semester haben sich mehr auf den Mariannenplatz zurückgezogen, dort gibt es türkische Folklore. Es gibt Feuershows, Tanzperformances und Slapstick.

Auch Kommerz gibt‘s genug: Zwei Frauen, angeheuert von einem schwedischen Möbelkonzern, verteilen Flyer. Angepöbelt wurden sie nicht, sagen sie. Im Gegenteil: Die Leute freuten sich und die Dinger gingen weg wie nix. Ein pfiffiger junger Mann hat an der Ecke Oranienstraße/ Adalbertstrße, mitten im Gedränge eine Leiter aufgebaut. Die Leute dürfen für 50 Cent hinaufklettern, um ein Überblicksfoto zu machen. Ein paar Schritte weiter hat ein anderer ihm das schon nachgemacht – er hat die kleinere Leiter und will einen Euro.

14.35 Uhr: Storch Heinar ist gelandet

Rostock, Gutenbergstraße. Die NPD marschiert, musste aber nach wenigen Metern anhalten. Storch Heinar ist auch da. Die Satirefigur in Anlehnung an Thor Steinar begleitet den Marsch mit seiner Band lautstark. Über den Stadtteil kreist ein Helikopter von der Polizei.

14.38 Uhr: Mit Tränengas gefüllte Wohnungen in Besiktas

Istanbul. Vor allem Besiktas gleicht am Vormittag einer Kampfzone. Demonstranten reagieren auf die Polizeiangriffe mit Steinwürfen, gelegentlich fliegt auch ein Molotow-Cocktail. Der halbe Stadtteil, in dem mehr als eine Million Menschen leben, wird von der Polizei so intensiv unter Tränengas gesetzt, dass Anwohner ihre mit Gas gefüllten Wohnungen verlassen müssen. Unter anderem wirft die Polizei Tränengaskanister aus Hubschraubern ab. Weinende Kinder, wueden von der Feuerwehr evakuiert und am Straßenrand behandelt.

In Okmeydan, einem Armenviertel im Norden des Taksimplatzes, von wo aus mehrere linke Gruppen zur Mai-Demo starten wollten, sieht es mittags aus wie im Bürgerkrieg. Brennende Barrikaden, hunderte Polizisten, die mit Tränengasgranaten auf Demonstranten und mit Plastikgeschossen in die Menge schossen. Die Rede ist von etlichen Verletzten, genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Mehr Information hier.

14.21 Uhr: Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt ist am Luftschacht eingetroffen

Dortmund Westerfilde, Straße Zum Luftschacht. Die letzte Nazi-Truppe ist dort eingetroffen, angeführt durch Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt, dem Spitzenkandidat der Partei Die Rechte in Dortmund. Die nochmals 200 Leute lassen die rechte Menge auf insgesamt 450 Nazis anschwellen. Der Hubschrauber kreist über dem Viertel. Auf T-Shirts stehen Parolen wie „Glaube Wille Tat“. Begleitet von Pfiffen und „Haut ab“-Rufen der Gegendemonstranten beginnt die Kundgebung der Rechtsextremen. Die Blockade auf dem S-Bahnhof Westerfilde ist inzwischen aufgelöst, die Blockierer haben sich der Gegendemo angeschlossen. Weitere Antifa-Aktivisten wollen noch dazustoßen.

14.12 Uhr: Sitzblockade an der Gutenbergstraße

Rostock, Gutenbergstraße. Nur wenige 100 Meter vom S-Bahnhof Dierkower Kreuz entfernt konnte sich eine Sitzblockade bilden. Genau auf der Route der Neonazis. Eilig wurden Polizeikräfte zusammengezogen. Vor Ort ist mittlerweile auch Silvia Bretschneider (SPD), die Präsidentin des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern, eingetroffen.

14.04 Uhr: „Erziehung ist Arbeit“

Rostock, Dierkower Kreuz. David Pickereit hat als Anmelder des NPD-Aufmarsches die Auflagen vorgelesen. Über den Wagenlautsprecher erklingt der braune Liedermacher Frank Rennecke. Drei Frauen, die ein Transparent des Rings Nationaler Frauen hochhalten, bot Pickereit Ohrstöpsel an. Auf dem Transparent steht „Erziehung ist Arbeit“. In der Nähe des NPD-Aufmarsches sind linke GegendemonstrantInnen zu sehen. Hunderte GegendemonstrantInnen versuchen derzeit in Richtung Dierkower Kreuz zu gelangen.

13.40 Uhr: Picknick-Körbe und geballte Fäuste

Hamburg. Die Wiese unter dem Michel wird langsam voller. Bei Sonnenschein haben sich hier einige hundert Menschen versammelt, darunter auch viele Flüchtlinge. Die einen zum Picknick, die anderem zum Demonstrieren: Ab 14 Uhr soll von hier aus eine Demonstration durch den Stadtteil St. Pauli ziehen. Die AktivistInnen wollen den Tag der Arbeit zum Tag der Arbeit an der Willkommenskultur umdeuten und Flüchtlinge in Hamburg willkommen heißen. Konkret geht es ihnen um die sogenannten Lampedusa-Flüchtlinge, die über Libyen und Italien nach Hamburg kamen und seit über einem Jahr für ein Bleiberecht in der Hansestadt kämpfen. „Wir wollen heute von euch hören, warum ihr die Refugees unterstützt“, sagte eine Rednerin zum Auftakt. „Es soll ein vielstimmiges 1. Mai Event werden.“

13.48 Uhr: „Lasst uns Ferien auf der Krim machen“

Moskau. Rund 100.000 Menschen haben sich am Donnerstag bei der traditionellen Kundgebung zum 1. Mai versammelt. Erstmals seit dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 fand die Veranstaltung auf dem Roten Platz vor dem Kreml statt. Die Kundgebung wurde wie schon zu Sowjet-Zeiten von den Gewerkschaften organisiert, um die Arbeiter zu ehren. In diesem Jahr wurde jedoch auch die Annexion der Krim gefeiert. Teilnehmer trugen Transparente mit Parolen wie „Lasst uns Ferien auf der Krim machen“ oder „Putin hat recht“.

In den vergangenen Jahren hatten Kommunisten und andere Organisationen in Russland versucht, die Tradition des 1. Mais zu pflegen und mehrere Umzüge und Kundgebungen in der Moskauer Innenstadt organisiert. Allerdings waren dazu immer weniger Menschen gekommen. (ap)

13.36 Uhr: Nazis stehen am Endbahnhof

Rostock, Dierkower Kreuz. An diesem Endbahnhof der S-Bahn warten bereits 150 Rechtsextreme auf die mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof anreisenden Kameraden. „Wir kämpfen für Deutschland“: Vier Männer und vier Frauen halten bereits das Führungstransparent hoch. Andreas Theißen steht am blauen Lautsprecherwagen. Der Mitarbeiter des NPD-Bundesvorsitzenden Udo Pastörs plaudert mit Gesinnungsgenossen. Seine Frau ist auf Druck von Eltern nicht mehr als Erzieherin in einem Kindergarten in Lüneburg beschäftigt.

Die größte 1. Mai-Demo gibt‘s natürlich - in Moskau. Dort wünscht man sich aber „Ferien auf der Krim“. Bild: ap

13.32 Uhr: Weitere Neonazis an der Straße Zum Luftschacht

Dortmund Westerfilde. Westerfilder Straße Ecke Zum Luftschacht. Der nächste Trupp an Nazis ist eingetroffen, mit Christian Worch an der Spitze. Jetzt sind ingesamt über 200 Rechtsextremisten vor Ort. Nach eigenen Angaben erwarten sie noch weitere 200, die es bis jetzt nicht auf den Platz geschafft haben. Von der Bühne dröhnt Rechtsrock. Worch hat jetzt schon den Konkurrenzkampf gegen NPD-Spitzenfunktionär Udo Pastörs, denn den wollen in Duisburg nur 50 Anhänger hören.

13.30 Uhr: Griechische Gewerkschaftsdelegation bei Berliner Demos

Eine Delegation der Athener Gewerkschaft Buch und Papier hat vor dem 1. Mai Station in Städten wie Berlin, Bremen, Hamburg, Köln oder Salzgitter gemacht. Die GewerkschaftsvertreterInnen und ArbeiterInnen berichteten aus dem Alltag des krisengebeutelten Landes, warben um Solidarität und nahmen Stellung nehmen zu aktueller Politik.

Derzeit nehmen sie an Kundgebungen und Demonstrationen zum 1. Mai teil. Eingeladen hat sie der Arbeitskreis Internationalismus in der IG Metall Berlin und die zivilgesellschaftliche Initiative Real Democracy Now! Berlin/GR. Wer mehr darüber wissen will, der lese bitte hier.

13.20 Uhr: Die Gegendemonstranten sind lauter

Dortmund Westerfilde. Westerfilder Straße Ecke Zum Luftschacht. Der erste Trupp Nazis ist am Kundgebungsort eingetroffen, um die 20, die schon da sind, zu verstärken. Insgesamt sind also 90 Rechtsextreme anwesen. Sie mussten mit dem Bus angekarrt werden, da die S-Bahnstation Westerfilde weiterhin blockiert ist. Einige tragen T-Shirts mit Aufschriften wie „Terrormaschine Combat“ und „Legion Ost“. Und viele sind tätowiert. Die Gegendemonstranten befinden sich in Sicht- und Hörweite der Nazis und sind lauter. Dabei ist nur ein kleinerer Teil von ihnen direkt vor Ort, da der Großteil sich bei Blockaden im ganzen Stadtteil aufhält. Die größte findet weiterhin in der S-Bahnstation Westerfilde statt.

13.00 Uhr: Olaf Scholz wieder weg

Hamburg. Nachdem Bürgermeister Olaf Scholz beim DGB-Zug in der ersten Reihe mitgelaufen ist, soll er von vier Reihen an Polizisten geschützt worden sein. Am Rande gab es Proteste, und am Hauptbahnhof haben sich dann fünf Leute auf die Straße gesetzt, wie die Polizei mitteilt. Ein Augenzeuge spricht von Würgegriffen durch die Polizei, die die Sitzblockade sehr rabiat geräumt haben soll. Olaf Scholz ist wieder von Dannen gezogen.

13.02 Uhr: Neonazis sollen durch Toitenwinkel marschieren

Rostock, Hauptbahnhof. Die Neonazis sind in die S-Bahn eingestiegen. Die Polizei hat mittlerweile getwittert, dass die ursprünglich vorgeschlagene Route der Neonazis auch die tatsächliche sein wird. In Dierkow-Toitenwinkel werden sie marschieren. In Toitenwinkel soll laut Anklage des Generalbundesanwalts 2004 der NSU den Imbißbudenmitarbeiter Mehmet Turgut erschossen haben. Genau aus diesem Grund hatte das Bündnis „1. Mai Rostock Nazifrei“ die von der Polizei genehmigte Route auch heftig kritisiert.

13.00 Uhr: Tränen in Istanbul

Sieht nicht gut aus am Bosporus. Siehe hier das Bild des Vormittags.

12.50 Uhr: 300 Neonazis warten am Hauptbahnhof

Rostock, Südseite Hauptbahnhof. An die 300 Neonazis haben hier gewartet. Unter ihnen der NPD-Landesvorsitzende Stefan Köster, der auch für die Partei im Landtag sitzt. Mitarbeiter der Fraktion und der Bürgerbüros sind ebenso anwesend. Aus Berlin ist bereits Sebastian Schmidtke mit Anhang eingetroffen. Auffallend: Einige der anwesenden Frauen erfüllen nicht das Klischee einer Rechtsextremistin. Stattdessen: bunte Haare, Blech im Gesicht, Tunnel in den Ohren. Auf dem schwarzen Kapuzenpulli eines Neonazis prangt „Kampf bis zum Endsieg“.

12:40 Uhr: Taksim-Platz abgeriegelt, Demonstranten festgenommen

Istanbul. Die Demonstranten errichten Barrikaden und werfen mit Pflastersteinen, wie dpa-Reporter berichten. Nach Angaben der Polizei werden Sicherheitskräfte auch mit Molotow-Cocktails und Schleudern angegriffen. Bis zum Mittag gelingt es Demonstranten nicht, auf den abgeriegelten Taksim zu gelangen. Mehrere Demonstranten werden nach Berichten von Augenzeugen festgenommen. Im zentralen Stadtteil Besiktas fliehen Menschen wegen des massiven Tränengaseinsatzes aus ihren Häusern. Auf Fernsehbildern sind weinende Kinder zu sehen, die in Sicherheit gebracht werden.

Es sind die ersten schweren Zusammenstöße in Istanbul seit dem Sieg der Regierungspartei AKP bei den Kommunalwahlen Ende März. Erdogan hatte die Wahl zu einer Abstimmung über seine Politik erklärt. Er war davor wegen seines autoritären Regierungsstils kritisiert wurden. Unter Druck gerieten er und sein Regierung außerdem durch Korruptionsvorwürfe. (dpa)

12.33 Uhr: Nazis stecken am Hauptbahnhof fest

Dortmund Westerfilde. Immer noch wenig Nazis vor Ort, was daran liegt, dass zur Zeit 200 Nazis am Hauptbahnhof und 150 Nazis in Dortmund-Dorstfeld warten und noch nicht wissen, wie sie nach Westerfilde kommen – aufgrund der bislang noch funktionierenden S-Bahn-Blockade. Es wird wohl überlegt, sie mit Bussen anzukarren.

12.22 Uhr: Mehr junge GewerkschafterInnen

Berlin. Die DGB Demo ist, wie versprochen, jünger geworden. Viele Familien sind gekommen. Junge Gewerkschafterinnen gab es vor allem bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, aber auch bei der IG Bau, der IG Metall und Ver.di.

12.20 Uhr: DGB-Demo am Besenbinderhof angekommen

Hamburg, Besenbinderhof. Die 1 Mai Demonstration des DGB ist nach einem kurzen Marsch am DGB-Haus angekommen. Die neue Hamburger DGB-Chefin Katja Karger wird ihre erste Mairede halten. Am Mittag gibt’s Kultur- und Informations-Versanstaltungen zur Europawahl.

12.19 Uhr: Anti-Nazi Protest in Lichtenhagen beendet

Rostock, S-Bahnhof Lichtenhagen. Die Versammlungsleiterin hat die Veranstaltung aufgelöst und die TeilnehmerInnen und Teilnehmer aufgemuntert, heute weiterhin in der Hansestadt den Rechtsextremen entgegenzutreten. Mehrere Neonazis sollen sich am Hauptbahnhof versammelt haben. Eine neue Route ist eventuell schon ausgemacht.

12.16 Uhr: erste Blockade wird aufgelöst

Dortmund, Westerfilder Straße Ecke Schloss Westhusener Straße. Hier gibt es eine kleine Blockade mit 10 bis 15 Leuten, die gerade geräumt wird. Die ersten Blockierer sind schon gefesselt weggetragen worden – mit dem klassischen Kabelbinder.

12.12 Uhr: Keine Nazis weit und breit

Rostock, S-Bahnhof Lichtenhagen. Kein Rechtsextremist ist hier. Punkt 12 Uhr sollte an dem Bahnhof der Aufmarsch der NPD beginnen. Stattdessen stehen aber Gegendemonstranten am Bahnhof, sitzen teilweise auf der Straße. Fahnen der Linken und Grünen wehen im Wind. In einer Seitenstraße sind auf einem Spielplatz Anwohner. „Mir ist das alles scheißegal“, sagt eine junge Mutter und achtet auf ihren kleinen Sohn.

Die Polizei ist indes völlig ruhig und entspannt. Es scheint so, als wenn längst geplant ist, die NPD woanders marschieren zu lassen. Keine Warnung, keine erste Ermahnung die Straße zu räumen ist bisher von der Polizei erfolgt. Die Beamten stehen locker mit Basecap am Rande und warten.

12.11 Uhr: Gleisblockade in Westerfilde dauert an

Dortmund-Westerfilde. Immer noch ist das Gleis auf dem S-Bahnhof besetzt. Die S2 in Richtung Duisburg, die vor über einer Stunde angekommen ist, kann immer noch nicht weiter fahren. Die Polizei hat die Helme gerade wieder abgesetzt. Es ist nicht davon auszugehen, dass unmittelbar geräumt wird. Es ist auch die Station, wo die Nazis auch ankommen wollen. Die wollen sich um 12 um treffen, um nach Westerfilde zu fahren. Auf dem Bahnsteig verharren 300 Demonstranten. In dem blockierten Zug muss seit einer Stunde ein Mann mit zwei Einkaufswagen voller Flaschen ausharren, der nun leider nicht dazu kommt, sein Pfand einzulösen.

12.05 Uhr: Der DGB bombardiert mit Konfett

Berlin. Während sie in Hamburg erst starten, geht die DGB Demonstration in Berlin zu Ende. Die etwa 5.000 TeilnehmerInnen kommen nach und nach am Brandenburger Tor an. Hier startet jetzt die Kundgebung und ein Straßenfest. Die Traditionsdemonstration hörte sich diesmal dank Lautsprecher-Wagen der Verdi Jugend nach Love Parade an. Es war definitiv die erste mit Konfetti-Kanone!

11.48 Uhr: Selfies für Ver.di

Wie süß: Die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft fordert alle, die heute auf den Maidemos unterwegs sind, dazu auf, Selfies zu machen und unter #my1Mai zu tweeten. Verdi will dann retweeten. Also, los!

11.45 Uhr: „Vorwärts und nicht vergessen“

Hamburg, Lange Reihe. Angeführt von der politischen SPD Prominenz Hamburgs, schlendert sich der DGB-Marsch durch den Stadtteil St Georg. Gesänge wie „Vorwärts und nicht vergessen“ klingen durch die Straße. Die Demonstration ist bunt und international gemischt. Die Polizei hat ein lockeres Spalier vor dem internationalen Block aufgezogen. Die Lage ist aber entspannt.

11.42 Uhr: Brotkorb wünscht einen schönen Tag

In Hamburg sind die DGB-Mitglieder längst schon auf den Beinen. Bild: dpa

Rostock, S-Bahnhof Lichtenhagen. Laut dem Veranstalter sind ca. 1.000 Personen vor dem Bahnhof. Die Polizei gibt geringere Zahlen an. Matthias Brotkorb, SPD-Bildungsminister, hat die DemonstrantInnen gerade herzlich begrüßt und einen schönen und friedlichen Tag gewünscht. Eine Fahrraddemonstration wird erwartet, die sich anschließen will.

11.41 Uhr: Tränengas gegen DemonstrantInnen

Istanbul. Auch die Nachrichtenagentur ap meldet, dass es in der türkischen Metropole am Donnerstag zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Bereitschaftspolizisten gekommen ist. Sicherheitskräfte drängten die Protestteilnehmer mit Wasserwerfern und Tränengas zurück. Die Gegenseite reagierte, indem sie Objekte auf die Beamten warf.

Anlässlich des Tags der Arbeit hatten sich Demonstranten an mehreren Gegenden in Istanbul versammelt. Sie wollten unter anderem auf den Taksim-Platz gelangen und sich damit einem Protestverbot der Regierung widersetzen. Auch in anderen Städten der Türkei fanden Versammlungen statt.

Der 1. Mai wurde erst 2009 in der Türkei zum nationalen Feiertag erklärt. Der Taksim-Platz nimmt an diesem Tag eine besondere Rolle ein: 1977 wurden dort 34 Menschen getötet, als aus einem nahegelegenen Gebäude Schüsse auf die versammelte Menschenmenge abgegeben wurden. (ap)

11.38 Uhr: 5.000 vor dem griechischen Parlament

Athen. Hier demonstrieren vor dem griechischen Parlament rund 5.000 Menschen aus dem linken Spektrum. In Griechenland haben die Gewerkschaften zum „Tag der Arbeit“ ihre Proteste gegen die harte Sparpolitik und hohe Arbeitslosigkeit begonnen. In Athen legten die Busfahrer für am 1. Mai für drei Stunden ihre Arbeit nieder. Betroffen ist auch der Fähr- und Bahnverkehr. Aus Piräus ist am Morgen keine Fähre ausgelaufen, wie die Seeleute-Gewerkschaft PNO mitteilte. Auch Züge fahren nicht. Am frühen Nachmittag sind weitere Demonstrationen geplant. In Griechenland haben 27 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung keinen Job. Der 1. Mai ist in Griechenland ein gesetztlicher Feiertag. (dpa)

11.28 Uhr: An der S-Bahnstrecke nach Warnemünde brennt es

Rostock, S-Bahnhof Lichtenhagen. Über dem DGB-Bus verkündete ein Sprecher, dass der S-Bahnverkehr nach Warnemünde eingestgellt sei. An der Route soll es brennen. Deswegen können weder GegendemonstrantInnen noch die Rechtsextremisten wie geplant mit der Bahn anreisen. Die Gegendemonstration steht bisher dort, wo um 12 Uhr der rechtsextreme NPD-Marsch beginnen soll.

11.10 Uhr: DGBler hängen am Lohmühlenpark

Hamburg. Mehrere tausend Teilnehmer der DGB Demonstration setzen sich vom Krankenhaus St Georg aus in Bewegung. Viele Teilnehmer haben den Versammlungsort noch nicht erreicht, weil die öffentlichen Verkehrsmittel den Betrieb dorthin eingestellt haben.

11.24 Uhr: DGB beginnt Demo zur bundesweit zentralen Kundgebung

Bremen. Mehrere tausend Gewerkschafter sind in einem Demonstrationszug zur bundesweit zentralen 1. Mai-Kundgebung des DGB aufgebrochen. Zum Start versammelten sich am Morgen nach Polizeiangaben knapp 2.000 Teilnehmer am Weserstadion. Hauptredner bei der Kundgebung in der Innenstadt wird DGB-Chef Michael Sommer sein, der in Bremen einen seiner letzen großen Auftritte als Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes hat. Sommer scheidet im Laufe des Monats nach zwölf Jahren im Amt aus.

Die Kundgebungen zum Tag der Arbeit stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Gute Arbeit - Soziales Europa“. Der DGB fordert unter anderem, dass es beim geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde keine Ausnahmen für bestimmte Branchen oder Beschäftigte geben darf (dpa).

11.19 Uhr: Neonazis an der Straße zum Luftschacht

Dortmund Westerfilde. In der Straße Zum Luftschacht steht der Demowagen der Partei Die Rechte, daneben eine kleine Bühne und sieben Nazis, die versuchen den Generator flottzukriegen. Es flattern Fähnchen in schwarz-weiß-rot. Direkt daneben auf einer Litfaßsäule hängt ein Plakat mit der Parole „Nazis Raus“. Die sieben Leute sind sehr gut von der Polizei gut bewacht. Hierhin sollen noch mehr rechte Demonstranten kommen, doch es ist unsicher, ob es ihnen gelingen wird. Schon haben sich mehrere Blockaden von Gegen-Demonstranten im Stadtgebiet gebildet, die größte besteht immer noch an der S-Bahnstation Westerfilde..

Braune Trostlosigkeit in Dortmund-Westerfilde. Bild: Pascal Beucker

11.10 Uhr: Ska-Musik aus dem DGB-Bus in Lichtenhagen

Rostock. An der S-Bahnstation Lichtenhagen sind die ersten hudnert Gegendemonstranten schon da. Auf dem zugelassenen Kundgebungsplatz steht ein roter DGB-Bus, aus dem Ska-Musik ertönt. Mit weiteren anreisenden Gegendemonstranten wird gerechnet. Am zweiten Kundgebungsort, dem S-Bahnhof Lütten-Klein, sind auch schon mehrere hundert Gegendemonstranten eingetroffen.

10.45 Uhr: Nazis auf der Suche nach S-Bahnanschluss

Rostock. Auf den Bahnsteigen des Rostocker Hauptbahnhofs stehen Polizeibeamte. Im Bahnhof selbst sind schon die ersten 15 Neonazis auf der Suche nach ihrer S-Bahn Verbindung nach Lichtenhagen. Einige von ihnen im Schick der autonomen Nationalisten, ganz in schwarz. Andere tragen das Aktions T-Shirt „Tag der Deutschen Zukunft“ – eine Aktion gegen die vermeintliche Überfremdung.

10.42 Uhr: Sitzblockade auf dem S-Bahnhof

Dortmund. Rund 320 Menschen wollen mit der S-Bahn nach Westerfilde, um gegen die dort aufmarschierenden Neonazis zu demonstrieren. An der S-Bahnstation Dortmund-Westerfilde wird der Zug von der Polizei aufgehalten, die mit starker Präsenz vor Ort ist. Daraufhin kommt es zu einer Sitzblockade der Anti-Nazi-Demonstranten auf dem Gleisen des Bahnhofs.

10.32 Uhr: Scharmützel rund um den Taksim-Platz

Istanbul. In der türkischen Metropole ist es bei Protesten am 1. Mai zu Zusammenstößen gekommen. In mehreren Stadtvierteln setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer gegen Gruppen von Demonstranten ein, die in Richtung des weiträumig abgeriegelten Taksim-Platzes vordringen wollten berichteten. Demonstranten errichteten Barrikaden und warfen mit Pflastersteinen. Nach Angaben der Polizei wurden Sicherheitskräfte auch mit Molotow-Cocktails und Schleudern angegriffen. Am Vormittag gelang es Demonstranten, in die Nähe des Taksim-Platzes zu kommen.

In Hamburg oder Berlin haben die 1. Mai-Feierlichkeiten noch nicht begonnen, in Istanbul geht‘s dagegen schon voll zur Sache. Bild: dpa

Die Behörden haben 1.-Mai-Demonstrationen auf dem symbolträchtigen Platz im Herzen der Stadt untersagt. Gewerkschaften, linke Gruppen und andere Regierungskritiker haben dazu aufgerufen, trotzdem auf den Taksim zu kommen. Medienberichten zufolge sind rund 40.000 Polizisten in Istanbul im Einsatz, knapp die Hälfte von ihnen rund um den Platz.

Den Taksim-Platz, den angrenzenden Gezi-Park und die Zufahrtsstraßen hat die Polizei mit Absperrgittern abgeriegelt. Die Fußgängerzone Istiklal Caddesi, die vom Taksim abgeht, ist ebenfalls gesperrt. Auch ausländischen Touristen wird der Zutritt verwehrt. Verzweifelte Urlauber versuchen, zu ihren Hotels oder zu Flughafenbussen zu gelangen, die in der Nähe des Taksim-Platzes abfahren.

Die Behörden haben den Betrieb der Bosporus-Fähren zwischen Asien und Europa, der Metro, der Straßenbahn und der Nahverkehrsbusse eingeschränkt. Damit soll es für Demonstranten schwieriger werden, in die Nähe des Taksim-Platzes zu gelangen (dpa).

10.15 Uhr: Auf nach Westerfilde

Dortmund. Die Polizei zeigt im und vor dem Bahnhof starke Präsenz. Einige Naziglatzen sind da, um mit der S-Bahn zu ihrer Demo im Stadtteil Westerfilde zu fahren. Sie müssen ihre Ausweise kontrollieren lassen. Auch zahlreiche Gegendemonstranten sind im Bahnhof. Aber ansonsten ist alles ruhig. Auf nach Westerfilde!

10.15 Uhr: Vorschau auf den Tag

In Rostock wurde ein Demokratiefest gegen einen Aufmarsch der NPD in den nördlichen Stadtteilen gerichtlich verboten. Erlaubt wurden aber Gegendemonstrationen ab 10 Uhr an den S-Bahnhöfen Lichtenhagen und Lütten-Klein. Auch in Dortmund soll es Proteste gegen eine Neonazi-Demo geben.

Wir berichten am 1. Mai bis in die Nacht live aus Hamburg und Berlin. In Hamburg sind für uns Benjamin Laufer und Kai von Appen unterwegs. Von den Anti-Nazi-Protesten in Rostock berichtet Andreas Speit, von denen in Dortmund Pascal Beucker. In Berlin sind Claudius Prößer, Alke Wierth, Plutonia Plarre, Susanne Memarnia, Svenja Bednarzcyk, Malene Gürgen und Erik Peter auf der Straße und beobachten die Demos der Gewerkschaften, das Myfest in Kreuzberg und die Revolutionäre 1. Mai Demo. In der Redaktion koordinieren Oliver Pohlisch, Frauke Böger, Julia Neumann, Paul Wrusch und Saskia Hödl den Liveticker.

Am Donnerstag gibt es in Berlin die traditionellen Kundgebungen der Gewerkschaften. In Berlin-Kreuzberg beim Myfest werden tausende Menschen feiern, direkt nebenan auf dem Oranienplatz protestieren weiter Flüchtlinge, ihren Hungertreik setzten sie heute aus.

Am Abend mobilisiert die linke Szene zur 18 Uhr Demo. Sowohl für Berlin als auch für Hamburg gehen die meisten Beobachter von einem friedlichen Verlauf des 1. Mai aus.

In der türkischen Metropole Istanbul wollen ebenfalls Tausende zum 1. Mai protestieren. Für den symbolträchtigen Taksim-Platz wurde allerdings ein Demonstrationsverbot verhängt. Es wird befürchtet, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Gegnern von Premier Erdogan kommen wird.

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