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Theatertreffen BerlinWo war bitte der Kulturstaatsminister?

Wolfram Weimer glänzte bei der Eröffnung des Berliner Theatertreffens durch Abwesenheit. Wenig Anklang fand dort auch das erste Stück „Il Gattopardo“.

Knapp 1.700 Zeichen war dem Kulturstaatsminister ein Grußwort zur Eröffnung des Berliner Theatertreffens wert, ansonsten glänzte Wolfram Weimer während der Eröffnungsreden des Festivals, das als einer der relevantesten Termine der deutschsprachigen Theaterlandschaft gilt, am 1. Mai durch Abwesenheit. Mit vielen Gedankenstrichen versehen ließ er stattdessen auf der Website der Berliner Festspiele unter anderem versichern, dass „Kulturpolitik nicht die Aufgabe [hat], Inhalte vorzugeben, wohl aber, Räume zu sichern, in denen künstlerische Freiheit möglich bleibt. Das Theatertreffen ist ein solcher Raum – offen, streitbar und anspruchsvoll.“

Der Streitbarkeit solle man mit Gelassenheit, aber nicht mit Gleichmut begegnen, so beschwor Matthias Pees, der Intendant der Berliner Festspiele in seiner Eröffnungsrede Branche und Publikum. Sophrosyne als Antihybris im tobenden Kulturkampf und das Publikum, das sich schon in Osnabrück, Magdeburg und anderswo gegen Entmündigung wehrte als, am Ende halt doch, bürgerliches Korrektiv – auch gegen die AfD und deren ideologische Vereinnahmung.

Auch die Leiterin des Theatertreffens, Nora Hertlein-Hull, schlug in ihren einleitenden Worten politische Töne an und konzentriert sich dabei ganz gelassen insbesondere auf die Relevanz der unabhängigen Fachjurys für den funktionierenden, demokratischen Betrieb. „Um Schützenswertes zu erhalten, müssen wir alle Hebel in Bewegung setzen“, interpretiert Hertlein-Hull den berühmten Satz des Revolutionärs Tancredi aus Giuseppe Tomasi di Lampedusas „Il Gattopardo“ (Schauspielhaus Zürich), welches in der Inszenierung Pınar Karabuluts das Festival eröffnete. Eine Anmerkung, die sich durchaus als gar nicht mal so subtiler Seitenhieb auf Weimers Rolle bei der Verleihung des Buchhandelspreises verstehen lässt.

Blickt man auf die enttäuschten Besprechungen, die dem Eröffnungsabend folgten, scheint es zwar, als habe die Jury mit dem Leoparden nicht unbedingt einen Publikumsliebling ausgewählt, bei gleichzeitiger Beweisführung des sehr lebendigen Zustands des zuschauenden, teilhabenden Korrektivs.

Dass dies auch wohlwollende Zustimmung leisten kann, stellte Jette Steckels „Mephisto“ (Münchner Kammerspiele) am folgenden Abend unter Beweis. Der komplexen und klugen zeitgenössischen Adaption des Klaus Mann Klassikers auf der Bühne des Deutschen Theaters inklusiver herausragender schauspielerischer Leistung zu folgen, bereitete große Freude und stimmte zuversichtlich. Fürs Festival und den (auch politischen) Zustand der dazugehörigen Fachjury.

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